Mit einem Marsch Hunderttausender Anhänger will ein muslimischer Geistlicher die pakistanische Regierung zum Rücktritt zwingen. "Unsere Revolution ist friedlich", sagte der Geistliche Muhammad Tahir ul Qadri. Der Marsch soll an diesem Sonntag beginnen und am Montag die Hauptstadt Islamabad erreichen.

Mit seiner vehementen Kritik an der Regierung, die er für korrupt und unfähig hält, hat der früher kaum bekannte Geistliche in den vergangenen Wochen viele Anhänger gewonnen. Die Legislaturperiode endet allerdings ohnehin im März, 60 Tage später sind Wahlen.

Nach der jüngsten Anschlagserie mit mehr als 100 Toten forderte Qadri die Machthaber auf, ihr "totales Versagen" einzugestehen. "Sie haben keine moralische Legitimation, an der Regierung zu bleiben, wenn sie die Menschen im Land nicht schützen können", sagte er. Qadri verlangt die Bildung einer Übergangsregierung und Wahlreformen.

Anhaltende Gewalt gegen Schiiten

Bei einem Anschlag in der Stadt Quetta waren am Donnerstag 82 Menschen getötet und mehr als 120 verletzt worden. Unter den Toten sei ein Selbstmordattentäter, teilte die Polizei mit. Der Attentäter habe sich in einer Billardhalle in einem Schiiten-Viertel in die Luft gesprengt. Als Helfer und Journalisten eintrafen, sei eine Autobombe detoniert.

Die sunnitische Gruppe Lashkar-e-Jhangvi bekannte sich zu dem Doppelanschlag. Sie unterhält Verbindungen zu den Taliban und dem Terrornetzwerk Al-Kaida. Schiiten werden in Pakistan immer wieder zum Opfer von Anschlägen sunnitischer Extremisten. Die Regierung ist nicht in der Lage, die anhaltende Gewalt gegen die Minderheit zu stoppen.

Wenige Stunden zuvor waren bei einem Anschlag in Quetta nach Krankenhausangaben elf Menschen getötet und 34 verletzt worden. Unter den Verletzten sind nach Angaben der Grenztruppen zehn ihrer Soldaten. Die Zeitung Dawn berichtete, eine Separatistengruppe habe sich zu der Tat in der Hauptstadt der Provinz Baluchistan bekannt. Separatisten in der Provinz greifen regelmäßig Sicherheitskräfte an.

Bei einem weiteren Anschlag im Swat-Tal in der nordwestpakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa waren nach Angaben der Polizei mindestens 21 Menschen getötet und 75 verletzt worden. Zu der Explosion kam es in der Stadt Mingora in einem islamischen Zentrum, das Prediger ausbildet. Bisher bekannte sich niemand zu der Tat.