MachtprobeKrise in Pakistan entwickelt sich zum "Coup light"

Der Premier soll in Haft, Hunderttausende belagern Islamabad, ein Prediger ruft die Revolution aus. Wer gewinnt die Machtprobe in Pakistan? von Christine Möllhoff

Teilnehmerinnen des von Muhammad Tahir ul Qadri initiierten Protestmarsches in Islamabad

Teilnehmerinnen des von Muhammad Tahir ul Qadri initiierten Protestmarsches in Islamabad  |  © Faroq Naeem/AFP/Getty Images

"Dies ist eine demokratische Revolution", donnert der Mann mit der weißen Kappe, der hinter schusssicherem Panzerglas spricht. Und die Menge jubelt. Hunderttausende Menschen protestieren seit Dienstag mitten in Pakistans Hauptstadt Islamabad gegen die Regierung. Angeführt werden sie von einem feurigen Sufi-Gelehrten, der sich fast über Nacht zum Revolutionshelden der Atommacht aufschwang. Sein Name: Tahir ul Qadri.

Der 61-Jährige hat einen Massenaufstand "gegen die Plünderer von Islamabad" losgetreten, der die Regierung stürzen könnte. Zumal Qadri, wohl nicht zufällig, auch noch Beistand vom Obersten Gericht bekam: Überraschend ordnete dieses am Dienstag die Festnahme von Premierminister Raja Pervez Ashraf wegen alter Korruptionsfälle an – und destabilisierte die Regierung weiter.

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Nur wenige Monate vor den geplanten Neuwahlen im Mai steht das Land damit vor einer Machtprobe: Qadri will nicht ruhen, bis die Regierung von Präsident Asif Ali Zardari, der auch die Regierungspartei PPP führt, zurücktritt. Die PPP warf ihrerseits dem Gericht und dem Militär vor, gemeinsam die Regierung stürzen zu wollen.

"Pakistan bebt", titelten TV-Sender im Nachbarland Indien. Gerüchte überschlugen sich, dass Ashraf nach Dubai geflohen sei, vielleicht sogar Zardari. Ihr Wahrheitsgehalt blieb fraglich. Am Morgen war es zu kleineren Krawallen gekommen, doch am Nachmittag blieben die Proteste friedlich.

Sorgen um die Atombomben des Landes muss sich der Westen kaum machen. Selbst wenn die Regierung stürzt, wird die Atommacht nicht führungslos sein.

Wann wieder gewählt wird, weiß niemand

Das Schauspiel dürfte dann zielstrebig auf einen Coup light hinauslaufen. So fordert Qadri, dass eine Interimsregierung aus Technokraten eingesetzt wird, an der auch das Militär beteiligt ist. Sie soll den politischen Saustall aufräumen, korrupte Politiker ausschließen und erst nach diesen Reformen Neuwahlen einleiten. Wann das ist, weiß jedoch niemand.

Das Ganze scheint ein fein eingefädeltes Drama, bei dem das Militär, die Justiz und vielleicht auch die USA heimlich die Regie führen, obgleich sie es natürlich empört abstreiten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Militär schon lange die Nase voll vom Gewurstel der Zardari-Regierung hat. Doch auch mit Oppositionsführer Nawaz Sharif werden weder das Militär noch die USA warm.

Leserkommentare
  1. "Das Ganze scheint ein fein eingefädeltes Drama, bei dem das Militär, die Justiz und vielleicht auch die USA heimlich die Regie führen."

    Eine Verschwörungstheorie - die ich nicht unterstützen möchte!

    Eine heimliche Regieführung im Hintergrund gab es weder bei 9/11 - dem verschwundenen Bundesbankgold - und auch nicht in Islamabad.

    verschwörungen sind auf dieser Welt im Bereich der "Theorie" angesiedelt.

    2 Leserempfehlungen
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    • janjshj
    • 15. Januar 2013 17:30 Uhr

    Ohne wirklich eindeutige Hinweise oder gar Beweise ist das nur eine Spekulation. Selbst wenn er möglicherweise von der USA nicht abgelehnt wird, in welcher Art und Weise können sie ihn unterstützen?

    • janjshj
    • 15. Januar 2013 17:30 Uhr

    Ohne wirklich eindeutige Hinweise oder gar Beweise ist das nur eine Spekulation. Selbst wenn er möglicherweise von der USA nicht abgelehnt wird, in welcher Art und Weise können sie ihn unterstützen?

    3 Leserempfehlungen
  2. ...sollte man sich ernsthafte Sorgen um Pakistans Zukunft machen. Pakistan ist ein politisch instabiles Land mit einem korrupten Regime und steht unter dem Damoklesschwert. Menschenrechtsverletzungen und Ungeklärte Konflikte gibt es schließlich zuhauf. Aber zum Glück "helfen" die USA Pakistan ja mit Militärhilfe und bei der sogenannten Terrorismusbekämpfung Drohnenangriffen.

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    • -lupo-
    • 15. Januar 2013 18:03 Uhr

    machen sich die selben sorgen wie sie wegen der Atomwaffen. Möglicherweise unterstützten die USA deshalb Pakistan, um wenigstens ein wenig Einfluss zu haben.

    • -lupo-
    • 15. Januar 2013 18:03 Uhr

    machen sich die selben sorgen wie sie wegen der Atomwaffen. Möglicherweise unterstützten die USA deshalb Pakistan, um wenigstens ein wenig Einfluss zu haben.

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    • Xdenker
    • 15. Januar 2013 18:15 Uhr

    Habe den Eindruck, dass hier früher oder später eine gewaltige Herausforderung insbesondere auf den Westen zukommt: Die Destabilisierung oder gar drohende Übernahme des Atomstaats Pakistan durch die Islamisten. Das stellt alles in den Schatten, was wir bisher erlebt haben, egal ob Irak oder Afghanistan oder der Balkan.

    Das meine ich politisch und militärisch! Und es wird alles über den Haufen werfen, was uns heute im Hinblick auf die Weltwirtschaft Sorgen macht.

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  3. 6. [...]

    Entfernt. Nutzen Sie den Kommentarbereich bitte, um sich sachlich über den konkreten Artikelinhalt auszutauschen. Danke. Die Redaktion/jk

  4. wie leicht sich diese Leute dort mobilisieren lassen. Sowas wäre hier undenkbar. Hier ärgern sie sich lieber noch 10 Jahre, bis alles futsch ist... und dann werden sie radikal.

    2 Leserempfehlungen
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    Hier Parallelen zum deutschen Volk zu ziehen, halte ich für abstrus.
    Prickelnd,das hochkorrupte,islam-fanatischte Regimes(dort werden Frauen wegen Ehebruch noch gesteinigt)über Atombomben verfügen.
    Haben die auch Langstreckenraketen?

  5. Da ist man ja völlig "übergerascht".

    Der Staatschef wird verhaftet weil er in einem früheren Job ein paar wenige Scheine angenommen hat.
    Arme Sau.

    In diesen Ländern können sie alle Amtsträger verhaften und einkerkern. Nach entsprechenden Nachweisen und den üblichen Amnestierungen sind diese Schurken erneut am Ruder.
    Den Bhutto hat man geopfert.
    Die Tochter zum Teufel gejagt (gebombt). Hier waren sicherlich andere Hintermänner am schrauben.

    Mein Mitleid mit diesen Typen liegt bei 0 %.
    Keine Ahnung ob wir diesen korrupten Präsidenten das Geld direkt überweisen oder der Staatsbank.
    Ist auch egal, die Euros landen doch immer in einer Tasche.

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    • YMB
    • 15. Januar 2013 18:52 Uhr

    Äh... welche Hintermänner und in welcher "einen Tasche" meinen Sie denn jetzt?

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