"Dies ist eine demokratische Revolution", donnert der Mann mit der weißen Kappe, der hinter schusssicherem Panzerglas spricht. Und die Menge jubelt. Hunderttausende Menschen protestieren seit Dienstag mitten in Pakistans Hauptstadt Islamabad gegen die Regierung. Angeführt werden sie von einem feurigen Sufi-Gelehrten, der sich fast über Nacht zum Revolutionshelden der Atommacht aufschwang. Sein Name: Tahir ul Qadri.

Der 61-Jährige hat einen Massenaufstand "gegen die Plünderer von Islamabad" losgetreten, der die Regierung stürzen könnte. Zumal Qadri, wohl nicht zufällig, auch noch Beistand vom Obersten Gericht bekam: Überraschend ordnete dieses am Dienstag die Festnahme von Premierminister Raja Pervez Ashraf wegen alter Korruptionsfälle an – und destabilisierte die Regierung weiter.

Nur wenige Monate vor den geplanten Neuwahlen im Mai steht das Land damit vor einer Machtprobe: Qadri will nicht ruhen, bis die Regierung von Präsident Asif Ali Zardari, der auch die Regierungspartei PPP führt, zurücktritt. Die PPP warf ihrerseits dem Gericht und dem Militär vor, gemeinsam die Regierung stürzen zu wollen.

"Pakistan bebt", titelten TV-Sender im Nachbarland Indien. Gerüchte überschlugen sich, dass Ashraf nach Dubai geflohen sei, vielleicht sogar Zardari. Ihr Wahrheitsgehalt blieb fraglich. Am Morgen war es zu kleineren Krawallen gekommen, doch am Nachmittag blieben die Proteste friedlich.

Sorgen um die Atombomben des Landes muss sich der Westen kaum machen. Selbst wenn die Regierung stürzt, wird die Atommacht nicht führungslos sein.

Wann wieder gewählt wird, weiß niemand

Das Schauspiel dürfte dann zielstrebig auf einen Coup light hinauslaufen. So fordert Qadri, dass eine Interimsregierung aus Technokraten eingesetzt wird, an der auch das Militär beteiligt ist. Sie soll den politischen Saustall aufräumen, korrupte Politiker ausschließen und erst nach diesen Reformen Neuwahlen einleiten. Wann das ist, weiß jedoch niemand.

Das Ganze scheint ein fein eingefädeltes Drama, bei dem das Militär, die Justiz und vielleicht auch die USA heimlich die Regie führen, obgleich sie es natürlich empört abstreiten. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Militär schon lange die Nase voll vom Gewurstel der Zardari-Regierung hat. Doch auch mit Oppositionsführer Nawaz Sharif werden weder das Militär noch die USA warm.