Mord an KurdinnenErdoğan verärgert über Hollandes PKK-Kontakte

Die Beziehungen zwischen Frankreich und der Türkei sind nach dem Mord an drei Kurdinnen angespannt. Hollande traf regelmäßig eines der Opfer – für Erdoğan unverständlich.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdoğan hat Frankreich aufgefordert, mögliche Kontakte zur verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK zu erklären. Er reagierte damit auf Äußerungen des französischen Präsidenten François Hollande, der nach dem Mordanschlag auf drei kurdische Aktivistinnen in Paris gesagt hatte, er selbst habe wie viele andere Politiker eines der Opfer gekannt, "weil sie sich regelmäßig mit uns traf".

"Wie können Sie sich regelmäßig mit Mitgliedern einer als Terrorgruppe eingestuften Organisation treffen, die von Interpol gesucht werden?", fragte Erdoğan bei einer live im Fernsehen übertragenen Rede vor Unternehmern. Der französische Präsident müsse umgehend offenlegen, warum es zu diesen Begegnungen gekommen sei, was dabei besprochen wurde und welchem Ziel sie gedient hätten.

Anzeige

Er drohte rechtliche Maßnahmen an, die er aber nicht näher spezifizierte.

Erdoğan: Morde in Paris eine PKK-Fehnde

In Paris waren in der Nacht zum Donnerstag drei Kurdinnen erschossen worden, darunter auch Sakine Cansiz, ein Gründungsmitglied der PKK. Die Polizei sprach von einer Exekution. Die Hintergründe sind unklar. Die Tat belastet die laufenden Friedensgespräche zwischen der PKK und der Türkei.

Erdoğan forderte die französischen Behörden auf, schnellstmöglich die Verantwortlichen zu fassen und die Hintergründe der Tat aufzuklären. Er wies Anschuldigungen kurdischer Rebellen und Aktivisten zurück, die Türkei stecke hinter der Tat. Vielmehr könnten die Frauen Opfer einer PKK-internen Fehde geworden sein oder eines Versuchs, die jüngsten Friedensbemühungen zu torpedieren, sagte Erdoğan.

Tausende Kurden demonstrieren in Paris

In Paris haben unterdessen 15.000 Menschen wegen der Morde demonstriert. Auf Transparenten brachten die Teilnehmer ihr Entsetzen zum Ausdruck und forderten die schnelle Aufklärung des Verbrechens und eine harte Bestrafung der Täter.

Die meisten Teilnehmer waren Kurden aus Deutschland. Bei der Demonstration wurden auch Fahnen der PKK geschwenkt, einige zierte das Konterfei des in der Türkei inhaftierten PKK-Chefs Abdullah Öcalan.

Die PKK wird von der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation eingestuft. Kurdische Organisationen beklagen eine systematische Diskriminierung ihrer Volksgruppe durch den türkischen Staat.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • scoty
    • 12. Januar 2013 17:36 Uhr

    Jemand sollte Hollande mitteilen das auch in seinem Land PKK eine Terrororganisation ist.

    Was würde denn Hollande sagen wenn Erdogan Morgen die Terroristen aus Mali unterstützen würde.

    17 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Solange man mit jemandem, der sich friedlich verhält, spricht und verhandelt, werden demokratische Wege benutzt.
    Wenn man statt zu reden und zu verhandeln mit Militär, Artillerie, Panzer, Bomben bis hin zu Phosphor gegen eigene Bevölkerungs- Minderheiten vorgeht schürt man mit terrorostischem Vorgehen terroristische Taten.
    Das ist nicht rechtsstaatlich, das ist nicht demokratisches Gebaren, das ist nicht zivilisiert.
    Zu Hollande mag man stehen wie man will - PKK- Terror gibt es dort, wo die PKK terroristisch bekämpft wird. Und in Paris wurden drei kurdische Frauen feige und unmenschlich exekutiert - nicht türkische Mitbürger von Kurden gemeuchelt.

    Der französische Präsident ist immer noch ein Halbgott. Und nein, das ist nicht ironisch gemeint.

    Nebenbei sollte Erdogan die PKK überflüssig machen, statt sich um das Türkentum, das Sexualleben von Sultanen und irgendwelche Jahreszahlen in dem ein Sultan vor 1000 Jahren irgend eine Stadt platt gemacht hat kümmern.

    also für mich exisitert immer noch ein wesentlicher Unterschied zwischen "jemanden treffen" und "jemanden unterstützen".

    Wie sehen Sie dies?

    Da bietet ein freies Land einer von Gruppe A verfolgten Gruppe B ein freies und friedliches Leben, und hört dann von beiden Gruppen Drohungsszenarien. Wie blöd ist dass denn?

    Tut erdogan das denn ?

    Welches Recht hat eigentlich Frau ?

    Anmerkung: Diesen Kommentar haben wir wieder hergestellt. Danke, die Redaktion/ds

    • tonjin
    • 13. Januar 2013 9:44 Uhr

    wie Erdogan es tut, sollte sich schämen, gegenüber Hollande Ansprüche zu stellen.
    Zwei-Staaten-Lösung für Türkei und Kurdistan!

    • Fernand
    • 16. Januar 2013 14:52 Uhr

    Erdogan trifft sich doch auch oft mit dem HAMAS Führer und lacht dabei auch noch (siehe Fotos vom letzten Treffen). HAMAS ist wie die PKK von EU und USA als Terrororganisation eingestuft. Warum sollen sich andere Staaten also nicht Erdogan als Vorbild nehmen? Zudem macht er doch gerade das gleiche mit Öcalan, wo ist da der Unterschied?

  1. Solange man mit jemandem, der sich friedlich verhält, spricht und verhandelt, werden demokratische Wege benutzt.
    Wenn man statt zu reden und zu verhandeln mit Militär, Artillerie, Panzer, Bomben bis hin zu Phosphor gegen eigene Bevölkerungs- Minderheiten vorgeht schürt man mit terrorostischem Vorgehen terroristische Taten.
    Das ist nicht rechtsstaatlich, das ist nicht demokratisches Gebaren, das ist nicht zivilisiert.
    Zu Hollande mag man stehen wie man will - PKK- Terror gibt es dort, wo die PKK terroristisch bekämpft wird. Und in Paris wurden drei kurdische Frauen feige und unmenschlich exekutiert - nicht türkische Mitbürger von Kurden gemeuchelt.

    15 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der Mann hat Recht "
    • illyst
    • 12. Januar 2013 17:49 Uhr
    3. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    5 Leserempfehlungen
    • Gidi
    • 12. Januar 2013 17:51 Uhr

    Wer seit Amtsantritt die Hamas unterstützt und somit den Terror gegen Israel und zugleich die unselige Unterdrückungspolitik gegen die Kurden so auf die Spitze treibt, als dass er zusammen mit dem Mullah-Regime des Iran kurdische Gebiete im Irak bombardiert, braucht sich nicht zu wundern. Ich finde es gut, dass französische Politiker einen gewissen Ausgleich zu den Großmachtallüren der Türkei aufbauen - und sei es durch Hintergrundgespräche.

    20 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • scoty
    • 12. Januar 2013 18:26 Uhr

    wie die Abstimmung verlaufen ist bzgl. der Palästinenser wissen wir.
    135 Länder sagten Ja zu Palästina und die wenigen " Heuchler " die sich enthalten haben oder es abgelehnt haben kennen wir ja nun.

    Von mir aus kann das türkische Millitär täglich Angriffe auf PKK stellungen starten.

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen sachlichen Umgangston. Danke. Die Redaktion/kvk

    • sole-98
    • 12. Januar 2013 18:11 Uhr

    Die Frau mit der sich Hollande traf war Fidan Dogan. Sie war Vertreterin des kurdischen Nationalrats in Paris. Leistete im europäischen Parlament in Straßbourg arbeit in dem sie zwischen kurdischen und internationalen Vertretern vermittelte. Dolmetschen gehörte außerdem auch zu ihren Aufgaben. Sie hatte zwar Kontakte zur PKK aber war eine friedliche Aktivistin. Sie tat nur Lobbyarbeit, was man in jeder demokratischen Institution kennt. Wie kann Erdogan so eine Person als eine Terroristin bezeichnen ? Das ist Polemik was Erdogan da treibt. Von einem Ehrenmann erwartet ich so eine Tat scharf zu verurteilen.

    9 Leserempfehlungen
  2. Der französische Präsident ist immer noch ein Halbgott. Und nein, das ist nicht ironisch gemeint.

    Nebenbei sollte Erdogan die PKK überflüssig machen, statt sich um das Türkentum, das Sexualleben von Sultanen und irgendwelche Jahreszahlen in dem ein Sultan vor 1000 Jahren irgend eine Stadt platt gemacht hat kümmern.

    9 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Der Mann hat Recht "
    • sibeur
    • 12. Januar 2013 18:17 Uhr

    Entfernt. Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung
    • sibeur
    • 12. Januar 2013 18:21 Uhr

    Entfernt. Die Redaktion/kvk

    Eine Leserempfehlung

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Mord | Europäische Union | Interpol | PKK | Abdullah Öcalan | Aufklärung
Service