Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) will bei einem Scheitern des Flughafenbaus in Berlin-Schönefeld zurücktreten. "Entweder das Ding fliegt oder ich fliege", sagte er in der ARD-Sendung Günther Jauch. "Ich stehe zu meiner Mitverantwortung, deshalb sitze ich hier."

Den Zustand der Baustelle des Flughafens BER nannte Platzeck schockierend: "Es ist dramatisch. Es ist ein Desaster. Wir müssen wahrscheinlich nicht abreißen, aber umbauen. Das wird an manchen Stellen nötig sein." Wegen Baumängeln vor allem beim Brandschutz war der Eröffnungstermin für den Hauptstadt-Airport in der vergangenen Woche ein viertes Mal verschoben worden – diesmal ohne neue Zielvorgabe. "So etwas darf nicht passieren", sagte der SPD-Politiker.

Das brisante Thema hatte Günther Jauch eine ungewöhnliche Absagewelle eingebracht. "So viele ratlose Sekretariate und komplett abgestellte Handys von Verantwortlichen haben wir bisher wirklich selten erlebt", sagte der Moderator zu Beginn seiner Sendung. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit hatte ebenso eine Teilnahme abgelehnt wie der Geschäftsführer der Flughafengesellschaft, Rainer Schwarz, und der Technikchef der Flughafengesellschaft, Horst Amann. Nur Platzeck wollte sich der Kritik stellen.

Zu den Rücktrittsforderungen an ihn und seinen Parteifreund Wowereit sagte der frühere SPD-Vorsitzende: "Man kann mit so einem Fall unterschiedlich umgehen. Nach 23 Jahren im Amt überlegt man auch dieses und jenes in einer schlaflosen Stunde."

Platzeck stellt heute um 11 Uhr die Vertrauensfrage im Landtag von Brandenburg. Eine Mehrheit ist Platzeck angesichts des großen Stimmenvorsprungs der rot-roten Koalition sicher: Sie hat 55 von 88 Sitzen. Zudem wird namentlich abgestimmt, was die Fraktionsdisziplin eventueller Kritiker erhöhen dürfte. Es ist das erste Mal in der Geschichte Brandenburgs, dass ein Regierungschef sich einer Vertrauensabstimmung stellt.

Am Mittwoch will der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft über die weitere Marschroute beraten. Als sicher gilt, dass Flughafenchef Rainer Schwarz abgelöst wird. Wowereit hat angekündigt, den Aufsichtsratsvorsitz niederzulegen; sein Nachfolger soll Platzeck werden.

"Halbwahrheiten und unrealistische Vorgaben" seit 2008

Der gekündigte Architekt Meinhard von Gerkan machte die Flughafengesellschaft für das Bau-Chaos verantwortlich. Deren Arbeit habe sich als "großangelegte Täuschung herausgestellt", heißt es laut Spiegel in der Klageschrift der Anwälte Gerkans. Die Manager hätten mit ständigen Umbauwünschen den Bauablauf "regelrecht zerschossen". Spätestens seit 2008 habe die Flughafengesellschaft mit Halbwahrheiten und unrealistischen Vorgaben gearbeitet.

Die Berliner Flughafengesellschaft wies die Vorwürfe zurück. Sie bestärke "ihre Kritik an der Arbeitsweise des Architektenbüros", sagte ein Sprecher.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit sagte dem rbb-Inforadio: "Jetzt ist es wirklich notwendig, dass die bautechnischen Dinge erledigt werden. Die Bauleute müssen jetzt die Probleme lösen. Anders wird es nicht gelingen." Zu Gerkans Vorwürfen sagte Wowereit: "Das Architektenbüro hat nachweislich schlechte Arbeit gemacht." Viele der Probleme seien durch eine mangelhafte Bauüberwachung verursacht worden.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist optimistisch, dass der Airport BER die durch die Verzögerungen entstehenden Mehrkosten wieder einspielen wird. "Was zusätzlich an Kapital hineinfließt vom Steuerzahler, das muss hinterher im Betrieb des Flughafens auch wieder verdient werden. Das fließt also zurück", sagte er in der ZDF-Sendung Berlin direkt. Ramsauer will externe Anwälte und Wirtschaftsprüfer aufklären lassen, wer für das Debakel verantwortlich ist.