Der letzte große Auftritt vor der Wahl lief ganz nach dem Geschmack des Fürsten: Da saß er, der 75-Jährige Karel Schwarzenberg, in einem Prager Künstlercafé, umgeben von seiner jungen Fangemeinde, und zündete sich gemütlich eine Pfeife an. Schwarzenberg gibt sich im Wahlkampf ganz als Bonvivant, als Freund der Künstler und als Verfechter der europäischen Werte. Als Präsident will er, der als Karl Fürst zu Schwarzenberg in den Hochadel geboren wurde und derzeit Außenminister der Prager Regierung ist, seine politische Karriere nun krönen.

Unter den neun Kandidaten für das Präsidentenamt, das erstmals in der tschechischen Geschichte durch eine Direktwahl vergeben wird, ist er der schillerndste. Immer wieder pendelt er zwischen seinen Rollen: Im bordeauxroten Pullunder mit seiner Fliege, die er zum Markenzeichen erhoben hat, geriert er sich als Denker und Staatsmann – und sein junges Wahlkampfteam verbreitet zugleich T-Shirts, auf denen der betagte Fürst mit Irokesenschnitt zu sehen ist.

Tatsächlich beherrscht Schwarzenberg beides, den Dialog mit den Jungen und Intellektuellen ebenso wie den Auftritt auf internationalem Parkett. "Wir brauchen einen Präsidenten mit hohen moralischen Grundsätzen", verkündet er bei seinen Wahlkampf-Auftritten, "einen Mann, der nicht kompromittiert ist durch seine Vergangenheit."

Zeman, Fischer und Schwarzenberg treten als Parteilose an

Damit spricht Schwarzenberg den Punkt an, der für die Tschechen wahlentscheidend sein könnte: Er unterstützte während des Kommunismus aus dem österreichischen Exil heraus die Dissidenten in der Tschechoslowakei und wurde nach der Wende zum Bürochef des ersten demokratischen Präsidenten Václav Havel. Auf dessen Tradition beruft sich Schwarzenberg und verspricht, in den Spuren des Dichters und einstigen Widerstandskämpfers zu wandeln.

Das ist der wesentliche Unterschied zu seinen beiden Konkurrenten, die in den Meinungsumfragen zur Wahl vorne liegen: Sowohl Jan Fischer (62) als auch Miloš Zeman (68) waren Mitglieder der kommunistischen Partei.

Beide treten wie Schwarzenberg zur Wahl am Freitag und Sonnabend als parteilose Kandidaten an, werden aber dem linken Lager zugerechnet. Und beide waren einst Premierminister: Zeman führte – damals noch Sozialdemokrat – von 1998 bis 2002 das Prager Kabinett und zog sich danach aus der Politik zurück. Er ist der Lieblingskandidat des amtierenden Präsidenten Václav Klaus und gilt vielen Tschechen als Vertreter eines alten Politikstils – rhetorisch gewandt, aber inhaltlich geprägt von der Zeit der wilden Privatisierung in den neunziger Jahren.