Afghanistan-InterviewsPrinz Harry bringt Taliban gegen sich auf

Leben nehmen, töten, ausschalten – Prinz Harry hat in Interviews über seinen Afghanistan-Einsatz gesprochen. Kriegsgegner sind entrüstet. Auch die Taliban meldeten sich.

Prinz Harry bei seinem Einsatz in Afghanistan im Dezember 2012

Prinz Harry bei seinem Einsatz in Afghanistan im Dezember 2012  |  © John Stillwell/WPA Pool/Reuters

Prinz Harry irritiert mit der Äußerung über seinen Einsatz in Afghanistan die britische Öffentlichkeit. Er hatte während seines Afghanistan-Einsatzes mehrere Interviews gegeben. Die Zitate durften erst nach seiner Rückkehr an die Öffentlichkeit kommen. Auf die Frage, ob er bei seinen Einsätzen als Bordschütze von Kampfhubschraubern auch Taliban-Kämpfer getötet habe, sagte Harry: "Ja, so wie viele andere auch." Wer versucht habe, seinen Kameraden etwas anzutun, sei "ausgeschaltet worden". Die britische Nachrichtenagentur Press Association (PA) zitierte ihn mit den Worten: "Ein Leben zu nehmen, um eines zu retten, darum drehte es sich bei uns."

Eine Sprecherin der Antikriegsorganisation Stop the War Coalition bezeichnete Harrys Kommentare als krass: "Diese arrogante und taktlose Einstellung dazu, Menschen in Afghanistan zu töten, egal, wer sie sind, wird nicht die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen."

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Auch die radikalislamischen Taliban reagierten: Ein Sprecher sagte, der Prinz vergleiche einen "historischen Krieg" mit Spielen. Seine Äußerungen würden von den Taliban "nicht sehr ernst" genommen. Damit nahmen die Taliban Bezug auf Harrys Worte, er habe bei den Einsätzen auch von seiner Liebe zu Spielekonsolen profitiert.

Insgesamt war Prinz Harry 20 Wochen am Hindukusch stationiert.

Prinz Harry kritisiert auch die Medien

Vor Veröffentlichung des Interviews hatte das Verteidigungsministerium in London bekannt gegeben, dass Harry seinen Einsatz in Afghanistan beendet hat. Im Camp Bastion, wo er als Hubschrauberpilot stationiert war, lebte er nach eigenen Angaben "so normal wie möglich". Harry war bereits im Winter 2007/2008 zehn Wochen als Fliegerleitoffizier am Hindukusch aktiv. Der damalige Einsatz war aber aus Sicherheitsgründen abgebrochen worden, nachdem sein Aufenthaltsort bekannt geworden war.

In einem weiteren Interview kritisierte Harry die britischen Medien scharf. Die Zeitungen druckten "Müll" und beraubten ihn seines Privatlebens, sagte er dem Sender ITV News. "Es macht mich traurig und wütend, dass die Leute mit dem Zeug durchkommen, das sie schreiben." Er sei überrascht, wie viele Briten diese Berichte lesen. Er hoffe, dass die Menschen nicht glaubten, was sie lesen. Eines der "besten" Dinge am Afghanistan-Einsatz sei gewesen, dass er "weit weg von all den Medien zu Hause" gewesen sei.

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Leserkommentare
  1. billig zu scherzen. We are amused.

    Antwort auf "Klar!"
  2. "Diese arrogante und taktlose Einstellung dazu, Menschen in Afghanistan zu töten, egal, wer sie sind, wird nicht die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen."
    Würde sie dann ein Vorstellungsgespräch vorschlagen, bevors zum munteren Metzeln geht?
    Ich frage mich irgendwie, wie sich diese "Kriegsgegner" so den durchschnittlichen Krieg vorstellen, wenn sie solche Äußerungen machen. Auch frage ich mich für was man bitte die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen soll. Ein Soldat tut das, was ihm befohlen wird und es ist wohl klar, dass man "lieber" auf Fremde schießt, als die eigenen Leute verrecken zu lassen.

    Bitte achten Sie auf eine angemessen Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

    4 Leserempfehlungen
    • 可为
    • 22. Januar 2013 20:43 Uhr

    "Diese arrogante und taktlose Einstellung dazu, Menschen in Afghanistan zu töten, egal, wer sie sind, wird nicht die Herzen und Köpfe der Menschen gewinnen."

    Ich würde fast vermuten man braucht so eine Einstellung als Selbstschutz, dass einem die Psyche nicht völlig durchgeht, wenn man täglich mit dem Töten konfrontiert wird.

    4 Leserempfehlungen
  3. ... wer hat den was anderes gedacht, klar muß er seine Kameraden verteidigen, das würde ich auch machen wenn ich in seiner lage wäre.

    Warum darf er nicht die Warheit sagen?
    Warum sollte er das schön reden?

    Ich bin gegen den Krieg ... ich kann aber auch keine Taliban ab die nur zerstören unterdrücken Steinigen und kleinen Mädchen in den Kopf schießen können ...

    Bauen die auch mal was auf oder schaffen Werte die auf der ganzen Welt Anerkennung finden??

    Komische Auslegung eines Glaubens, für mich ist das die absolute Ungläubigkeit ...

    8 Leserempfehlungen
  4. wie früher die Grosswildjäger in Afrika: Je mehr Nashörner oder Elefanten man abgeknallt hat, desto höher das Ansehen des Schützen. Oder wie Tontaubenschießen nach Punkten. Der gute Mann hätte die Klappe halten und weiter herumroyalen sollen. Die gelben Blätter brauchen Stoff!

    2 Leserempfehlungen
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    Wäre die vorhanden, wäre das unmenschlich.
    Es geht im Krieg nur darum, wer schneller schießt, wer besser zielt, wer ruhig bleibt und besonnen die Übersicht behält.
    Und wer die besseren Waffen hat.
    Die Zeit der gegenseitigen Skalpnahme ist passé.
    Wer aber meint, den Kriegsschauplatz auf den Wochenmarkt zu verlegen betreibt keinen "Freiheitskampf", auch keinen Krieg - sondern nur unmenschlichen Terror. Das schließt selbstverständlich das unmenschliche Verfahren mit zivilen wie militätrischen Geiseln und Gefangenen mit ein.
    Da zeigt sich dann deutlich, wo die Menschlichkeit noch einen Stellenwert hat - wie man den Anderen behandelt.
    Der Kriegschauplatz lässt nur das schnelle Handeln zu, nicht das Abwägen. Das Abwägen nur, wenn der Gegenüber unbewaffnet ist. Und da rächt sich dann eben, wenn die Eine Partei diejenige ist, die unter der Kleidung Sprenggürtel als Kriegsmittel ansieht - da kann das Abwägen schnell ins vorsichtige Ausschalten einer möglichen Gefährdung geraten - was nachvollziehbar ist.

  5. 22. Promi?

    Onkel Andrew hat seinen "A..." riskiert 1982 vor den Falklands, also es ist nicht so, dass die brit. Adeligen zu Hause in der warmen Stube sitzen und die anderen die Dreckarbeit machen lassen.

    Der Duke of York hat Verwundete von "Sir Tristram" und "Sir Galahad" runter geflogen, als die beiden nach arg. Angriffen brannten.
    Das war keine Show für ITV.

    8 Leserempfehlungen
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    • Grotter
    • 22. Januar 2013 21:06 Uhr

    Ja und warum erzählen Sie mir das? Hab ich das behauptet, dass ...?
    Das es selten genug ist, dass Abgehöriger gesellschaftlicher "Eliten" solcherlei Drecksarbeit erledigen ist ein Erfahrungswert, den Sie kaum bestreiten dürften. Auch wenn bekanntlich der Adel bislang bei seinem Anteil an militärischer Drecksarbeit in der Historie üblicherweise etwas besser abschnitt.

    • Grotter
    • 22. Januar 2013 21:06 Uhr

    Ja und warum erzählen Sie mir das? Hab ich das behauptet, dass ...?
    Das es selten genug ist, dass Abgehöriger gesellschaftlicher "Eliten" solcherlei Drecksarbeit erledigen ist ein Erfahrungswert, den Sie kaum bestreiten dürften. Auch wenn bekanntlich der Adel bislang bei seinem Anteil an militärischer Drecksarbeit in der Historie üblicherweise etwas besser abschnitt.

    Antwort auf "Promi?"
    • FloH48
    • 22. Januar 2013 21:14 Uhr

    wenn man Krieg spielt. Menschen töten Menschen. Ich kann die Entrüstung der Kriegsgegner über Harry nicht nachvollziehen. Diese Leute sollten sich auf das Wesentliche konzentrieren: die Kritik an diesem Krieg als Solcher.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mit der Logik"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sk
  • Schlagworte Taliban | Medien | Verteidigungsministerium | Afghanistan | Einstellung | Herz
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