Russische HomophobieWo bleibt der deutsche Protest?

In Russland soll Propaganda für Homosexualität unter Strafe gestellt werden – ein Verstoß gegen Menschenrechte. Aus Berlin hört man nichts dazu, kritisiert Ludwig Greven. von 

Wenn Außenminister Guido Westerwelle demnächst in Moskau aus dem Regierungsflieger steigt und mit seinem Mann Michael Mronz Hand in Hand die Gangway herunter schritte, könnte es ihm theoretisch passieren, dass er festgenommen wird und er eine Geldstrafe zahlen müsste. Denn in Russland soll, wenn es nach einer Gruppe von Duma-Abgeordneten geht, jede Form der Werbung für Homosexualität verboten werden. Dazu zählt für sie schon das bloße Zur-Schau-Stellen oder Küssen von Schwulen und Lesben in der Öffentlichkeit.

Natürlich wird Westerwelle bei seinem nächsten Moskau-Besuch nichts passieren. Denn ihn schützen sein diplomatischer Status und sein Amt, im Zweifel auch seine Vorsicht. So hat er seinen Lebenspartner sicherheitshalber auf Reisen in die Golfstaaten und andere homophobe Länder bislang nicht mitgenommen.

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Dennoch könnte man von der Bundesregierung und insbesondere ihrem schwulen Außenminister vernehmbaren Protest gegen diesen neuesten massiven russischen Angriff auf die Minderheiten- und Menschenrechte erwarten. Schließlich reiht er sich ein in eine lange Kette von Repressionen gegen Andersdenkende, Oppositionelle und Minderheiten jeder Art im Reich von Wladimir Putin. Und es handelt sich um einen eindeutigen Verstoß gegen die europäische Menschenrechtskonvention, die auch Russland unterschrieben hat. Sie verlangt, dass Schwule und Lesben vor jeder Form von Diskriminierung geschützt werden.

Angela Merkel war einstmals angetreten mit der Absicht, den Schmusekurs ihres Vorgängers Gerhard Schröder gegenüber Putin zu beenden und Menschenrechts- und andere kritische Fragen offen anzusprechen. Davon ist nicht viel geblieben, jedenfalls nicht in diesem Fall. Aber auch die übrige Regierung, wie überhaupt die deutsche Politik, mit Ausnahme der Grünen und des Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), schweigen.

Dabei bräuchten die Homosexuellen in Russland jede Unterstützung, wie alle, die dort von den herrschenden Moralvorstellungen der breiten Mehrheit und der orthodoxen Kirche abweichen. Schwule und Lesben werden im flächenmäßig größten Land der Erde seit jeher verfolgt und drangsaliert. Dreiviertel der Bevölkerung halten sie laut Umfragen für pervers und psychisch krank. Demonstrationen ihrer Aktivisten werden verboten und von der Polizeimacht brutal zusammen geknüppelt, wie gerade wieder ein öffentliches Küssen von Schwulen und Lesben vor dem Parlament als Protest gegen das neue Gesetz.

Dieses Gesetz, das den Segen des Präsidenten hat und das seine Partei Einig Russland deshalb mit Sicherheit verabschieden wird, wird die Lage der Homosexuellen in Russland weiter verschärfen. Denn künftig kann selbst das Hissen der Regenbogenfahne als ihr Symbol und jede Aufklärung über Homosexualität in der Öffentlichkeit bestraft werden. In St. Petersburg und anderen Regionen gelten bereits ähnliche Bestimmungen, die als Vorbild dienen. Die Erfahrungen damit sind angsteinflößend. Unter Schwulen und Lesben in Russland herrscht regelrechte Panik, viele denken daran, das Land zu verlassen.

Grund also genug für die Bundesregierung und andere EU-Staaten, immerhin "Partner" Russlands, gegen dieses völkerrechtswidrige Gesetz und die Behandlung der Homosexuellen zu protestieren. Allerdings ist auch in Deutschland der berüchtigte Paragraph 175, der Homosexualität früher im Westen der Republik unter Strafe stellte, erst 1994 vollständig gestrichen worden. Und noch bis in die 1970er Jahre galten Homosexuelle auch hierzulande als krank und wurden psychiatrisch behandelt, ähnlich wie in der Sowjetunion. Nicht auszuschließen, dass ein Gesetz wie in Russland auch in der deutschen Bevölkerung Unterstützung fände.

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Leserkommentare
    • Eddie24
    • 25. Januar 2013 16:34 Uhr

    Entfernt, überzogene Polemik. Die Redaktion/fk.

    3 Leserempfehlungen
  1. Was ist denn mit "Werbung" für Homosexualität gemeint? Etwa sowas hier:

    http://www.youtube.com/wa...

    ;-)

    2 Leserempfehlungen
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    bestimmt ein weit auslegbarer Begriff.

  2. Gastkommentar von Christian Bommarius Seite 5:

    http://lsvd.de/fileadmin/...

    daß die Verfolgung Homosexueller in Deutschland stattfand, ist weniger lange her, als allgemein vermutet wird - deshalb sollte schon als Vorbildfunktion in Berlin etwas zur Rehabilitation hier gesagt werden, wenn man sich schon nicht traut, direkt etwas in Richtung Russland zu sagen ..

    Eine Leserempfehlung
  3. 69. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Behauptungen. Danke, die Redaktion/au

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Erste Hilfe ..."
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    Bitte verzichten Sie darauf, anders lautende Ansichten pauschal herabzuwürdigen. Danke, die Redaktion/fk.

    Bitte verzichten Sie darauf, Bisexuelle und Transgender pauschal herabzuwürdigen. Danke.

  4. 70. [...]

    Entfernt, diskriminierend. Die Redaktion/fk.

    2 Leserempfehlungen
    • Vibert
    • 25. Januar 2013 17:07 Uhr

    sollte man aus Berlin was hören? Schliesslich ist Herr Putin ein lupenreiner Demokrat, also nicht immer nur auf schwarz-gelb rumreiten, gell, und dann beziehen wir auch noch "unser" Gas aus diesem Land. Da will man's sich doch wegen einer Menschenrechtsverletzung mehr oder weniger, bei dieser Vielzahl, mit diesem Land nicht verscherzen...

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    • sheep87
    • 25. Januar 2013 17:08 Uhr

    Achso also sind Sie der Meinung, jeder ist sich selbst der nächste?? Natürlich sagt die Kanzlerin dazu nichts..warum auch? Mit ihrer grenzenlosen Toleranz für jeden und alles, schafft Sie es doch auch so, die wirtschaftlichen Interessen Deutschlands zu vertreten. Ich bezweifle ganz stark, dass dies der rechte Weg ist..jedoch läuft es seit Jahrzehnten nicht anders in Deutschland..

    Eine Leserempfehlung

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