RaketentestsNordkorea droht nach Sanktionen mit atomarer Aufrüstung

Die Vereinten Nationen haben die Sanktionen gegen das Regime verschärft, selbst China stimmt dafür. Die Regierung in Pjöngjang reagiert gereizt.

Wegen eines Raketenstarts im Dezember hat der UN-Sicherheitsrat seine Sanktionen gegen Nordkorea ausgeweitet. Mehrere ranghohe Mitarbeiter der an dem Start beteiligten nordkoreanischen Unternehmen dürfen ab sofort nicht mehr ins Ausland reisen, entschied das UN-Gremium in einer einstimmig verabschiedeten Resolution. Zudem werden ihre Auslandskonten und die ihrer Unternehmen eingefroren.

Die neuen Sanktionen gelten für vier in der Resolution namentlich genannte nordkoreanische Manager und sechs Unternehmen, unter anderem Banken, Weltraumtechnik- und Handelsfirmen. Zuvor hatte der Rat bereits 2006 und 2009 Sanktionen gegen das kommunistische Land verhängt. Das Gremium forderte Nordkorea zudem auf, die Gespräche über ein Ende seines Atomprogramms wieder aufzunehmen.

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Die nordkoreanische Regierung reagierte mit Drohungen auf den Beschluss. Die Resolution ziele darauf ab, Nordkoreas "souveräne Rechte zu verletzen", teilte das Außenministerium mit. Deswegen werde man keine Atomgespräche mehr führen. Zudem werde das Land sein Militär stärken. "Wir werden physische Aktionen zur Ausweitung und Stärkung unserer militärischen Selbstverteidigungskräfte unternehmen", hieß es in der Erklärung. Dies schließe auch die "atomare Abschreckung" mit ein. "Unsere Wissenschaftler und Ingenieure (...) werden weitere Raketen entwickeln und noch leistungsfähigere Raketen starten lassen", kündigte das Ministerium an.

China und Russland stimmen für Resolution

Mit den "physischen Aktionen" könnte ein weiterer Atomtest gemeint sein. Nordkorea soll mittlerweile Schäden an seiner Atomtestanlage im Nordosten des Landes behoben haben, nach Einschätzung des US-koreanischen Instituts der John Hopkins University könnte es damit binnen zwei Wochen einen neuen Test vornehmen. Der südkoreanische Wiedervereinigungsminister Yu Woo Ik bezeichnete es kürzlich vor einem Parlamentsausschuss als "höchstwahrscheinlich", dass Nordkorea nach seinem Raketentest im Dezember einen Atomtest durchführe.

Auch China, das ursprünglich keine neuen Sanktionen wollte und vor einer Eskalation des Konflikts gewarnt hatte, stimmte im Sicherheitsrat für die Resolution. Der nun verabschiedete Beschluss sei ein Kompromiss, an dem vor allem die USA und China wochenlang gearbeitet hätten, hieß es aus Diplomatenkreisen. Russland stimmte ebenfalls zu. Aus Moskaus Sicht sei der nordkoreanische Raketenstart ein Verstoß gegen frühere UN-Resolutionen, zitierte die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti den russischen UN-Botschafter Witali Tschurkin. "Deswegen muss der Sicherheitsrat antworten."

Südkorea begrüßt Sanktionen

Der Raketenstart am 12. Dezember diente nach nordkoreanischen Angaben dazu, einen Satelliten ins All zu bringen. Die USA und Südkorea werfen dem kommunistischen Land aber vor, einen verdeckten Waffentest unternommen zu haben. Die Untersuchung der Trümmerteile habe ergeben, dass der Start der Unha-3-Rakete in Wirklichkeit ein Test zur Entwicklung von Interkontinentalraketen (ICBM) gewesen sei, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Der UN-Sicherheitsrat hatte den Raketenstart verurteilt.

Südkorea begrüßte die neuen Sanktionen gegen den Nachbarn. Nordkorea müsse die UN-Resolution vollständig befolgen, "indem es alle Atomwaffen und damit verbundenen Programme abschafft und alle Aktivitäten im Zusammenhang mit ballistischen Raketenstarts stoppt", teilte das südkoreanische Außenministerium mit. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief Nordkorea auf, "ein Vertrauensverhältnis mit seinen Nachbarländern aufzubauen und das Leben seines Volkes zu verbessern", wie ein Sprecher sagte.

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Leserkommentare
  1. Nun gut, kann sein, dass Kim Jong Un nur gelogen hat, trotzdem halte ich von Wirtschaftssanktionen gegen dieses Land nichts. Diese treffen sowieso nur die arme, hungernde Bevölkerung und liefern der Regierung Nordkoreas Begründungen für noch mehr Aufrüstung.

  2. ... einfach mit Nichtachtung strafen. Lasst sie doch machen was sie wollen. Ich glaube, das wuerde den Kim-Clan zutiefst verstoeren. Ich verstehe sowieso nicht, wieso so ein Bohei um Nordkorea gemacht wird. Genau das wollen die doch, damit sie sich wichtig fuehlen koennen.

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    • kitoi
    • 23. Januar 2013 8:55 Uhr

    Die Einzigen, die in der Region keine Atomwaffen und echten Raketen haben, sind die Nordkoreaner.

    Was soll also das Theater, wenn die Nordkoreaner auch Atomwaffen und Raketen haben wollen?

    Hätte Bush nicht den Schwachsinn mit der "Achse des Bösen" und dem verlogenen und mörderischen Krieg wegen angeblicher Atom- und Chemiewaffen in Irak begonnen, hätte man ja verhandeln können. Irak als funktionierender Staat und seine Machthaber hatten verhandelt und hatten keine Atom- und Chemiewaffen und wurden trotzdem angegriffen und von den USA vernichtet.

    Dass jetzt die nicht unbedingt für ihre Demokratie bekannten Machthaber Nordkoreas auf Nummer sicher gehen wollen, kann ich zumindest verstehen.

    Im Übrigen wäre die Alternative zu nordkoreanischen A-Waffen entweder die Abrüstung aller umliegenden A-Waffenstaaten oder aber die Integration Nordkoreas in Russland oder China mit einer Stationierung von A-Waffen in Nordkorea. Beides erscheint abwegig - also A-Waffen für Nordkorea.

    3 Leserempfehlungen
  3. ...in der heutigen Zeit eine Art "Unabhängigkeit".

    Sie stellen sicher, daß man von den USA/NATO etc. nicht in irgendeiner Art und Weise "beglückt" wird.
    Hätte der Iran Atomwaffen - dann wäre die NATO-Flotte wohl schon lange wieder zuhause, und alle würden sich um ihre eigenen Probleme kümmern und die Lage im persischen Golf wäre entspannt.
    (von Netanjahus "Iranhysterie" einmal abgesehen)

    Ich habe mich sowieso schon beim letzten Raketenstart Nordkoreas gewundert - was für ein Geschrei wegen eines Wettersatelliten!? Einen Tag später startet Indien eine Rakete - und keinen interessiert es - von dem letzten Atomtest in der Wüste Nevadas ganz zu schweigen.

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  4. Bei einer derartigen Bedrohung und Aggressivität von außen, kann so ein kleines Land ja nur auf massiven Eigenschutz setzen.

    Und am Ende leidet das Volk darunter und wir deuten noch drauf und lachen hämisch.

    Naja, was soll man von Leuten wie uns auch erwarten. Wir beuten die gesamte Welt aus, treiben Menschen in Elende, Krankheit und Tod für billige Produkte und hohe Gewinnmargen und fressen uns am Ende selbst auf.

    Und natürlich halten wir damit Diktatoren wie Kim noch oben, wir machen es solchen Leuten ja extra einfach.

  5. Ich sehe hier viele Kommentare, wo viele der Meinung sind das Nordkorea ja Total verarmt und Technologisch so weit zurück liegt das es ein wunder ist das sie überhaupt die Erfindung des Rads mitbekommen haben sollen ;) .

    Mann darf aber nicht vergessen auch ein Armes und Technologisches zurückgebliebenes Land kann eine große Gefahr sein für die Welt.

    Die Al-Quaida macht es vor, so statt auf Abfangbares Technisches Komonikationsnetzwerk zu setzten, benutzen die Terroristen Stift und Papier und Informationen werden nur von man zu man weitergegeben.
    Und wenn man sich die USA im Technisches vergleich zu Nordkorea ansicht liegen da Welten dazwischen, und nichts desto troz können die Nordkoreaner uns immer wieder Überraschen.

    Mann sollte auf garkeinen fall das Total verarmte und abgeschotterte Land unterschätzen vor 5 Jahren hättet man noch lachen können wenn einer sagt "Hey die Nordkoreaner haben Atomwaffen", heutzutage haben die auch zimlich viel dazugelernt und auf lange sicht hin werden die Nordkoreaner wohl oder über Atomwaffen bauen/besitzen/und auch abfeuern können.
    In einen Land das von Diktatur, Unterdrückung, Hungernde Bevölkerung, und unmenschliche Arbeitsbedinungen ( siehe Straflager), wird ein Land wie Nordkorea eine Nuklearwaffe früher oder später gegen America oder anderen Ländern (Nordkorea usw ) einsetzten um das zu bekommen was das Land benötigt.

    Lg HEUSCHRECKE

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    * gegen America oder anderen Ländern (Nordkorea usw)

    gegen America oder anderen Ländern (Südkorea usw)

  6. * gegen America oder anderen Ländern (Nordkorea usw)

    gegen America oder anderen Ländern (Südkorea usw)

  7. Ja ich würde Nordkorea auch nicht unterschätzen. Vorallem nicht Kim Jong Un...
    Zu dem Thema fällt mir aktuell einfach immer nur folgendes Bild ein... http://www.herbstmeister....

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Aufrüstung | Nordkorea | UN-Sicherheitsrat | Abschreckung | Atomprogramm | Atomwaffe
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