AfrikaFrankreich missglückt Befreiungsaktion in Somalia

In einer Geheimoperation sollte ein entführter französischer Agent in Somalia befreit werden. Die Aktion ist aber gescheitert: 19 Menschen starben, wohl auch die Geisel.

Denis Allex in einem von den Entführern im Jahr 2010 veröffentlichten Video

Denis Allex in einem von den Entführern im Jahr 2010 veröffentlichten Video  |  ©intelcenter/dpa

In einer militärischen Geheimoperation haben französische Agenten in Somalia versucht, ein französisches Entführungsopfer zu befreien. Laut Verteidigungsministerium in Paris starben dabei insgesamt 19 Menschen, darunter die Geisel und ein französischer Soldat. Zudem seien 17 Terroristen getötet worden. Ein weiterer französischer Soldat werde vermisst. Zunächst hatte das Verteidigungsministerium von zwei toten französischen Soldaten berichtet, sich dann aber korrigiert.

Die Entführer von der radikal-islamischen Al-Schabaab-Miliz meldeten dagegen, die Geisel sei noch am Leben, über ihr Schicksal solle "binnen zwei Tagen" entschieden werden. Auch ein verletzter französischer Soldat sei nun in ihrer Gewalt.

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Offiziell wird die Geisel Denis Allex genannt. Da es sich aber um einen Agenten des französischen Auslandsgeheimdienstes DGSE handelt, ist es sehr wahrscheinlich ein Deckname. Er wurde im Juli 2009 in Somalias Hauptstadt Mogadischu aus einem Hotel verschleppt. Einem zweiten Franzosen, der gemeinsam mit ihm entführt worden war, gelang später die Flucht.

Augenzeugen berichten von toten Zivilisten

Die missglückte Befreiungsaktion ereignete sich in dem südsomalischen Ort Bulomarer, etwa 110 Kilometer von Mogadischu entfernt. Die Operation des DGSE sei von mindestens vier französischen Hubschraubern unterstützt worden, berichtete Le Monde. Die Zeitung zitierte einen Augenzeugen, der von zahlreichen Leichen berichtete. Auch seien mindestens drei Zivilisten unter den Opfern.

Das französische Verteidigungsministerium teilte mit, dass es eine "offizielle Unterstützungsaktion" für die Übergangsregierung in Mogadischu gewesen sei. Man habe sich für die Operation entschieden, nachdem die Entführer drei Jahre lang jegliche Verhandlung verweigert hätten. Zudem sei das Opfer unter inhumanen Bedingungen gefangen gehalten worden.

Die BBC stellte einen Zusammenhang zu der französischen Militärintervention in Mali her: Die Regierung in Paris befürchte, dass dieser Einsatz schlimme Folgen für die insgesamt neun Franzosen, die in Nordafrika entführt seien, haben könnte.

Al-Schabaab in der Defensive

Die Al-Schabaab-Miliz hat in der Vergangenheit in Somalia zahlreiche Anschläge verübt. Vor einem Jahr schloss sie sich dem Terrornetzwerk Al-Kaida an. Sie versucht, im Süden des Landes einen islamischen Staat zu errichten.

Seit eineinhalb Jahren bekämpft eine internationale Truppe der Afrikanischen Union die Miliz. Mittlerweile hat Al-Schabaab seine Hauptstellungen im Süden und im Zentrum des Landes verloren. Dennoch ist die Miliz noch immer sehr mächtig in den ländlichen Regionen.

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Leserkommentare
  1. Ich hoffe die Sozialisten ziehen die Konsequenzen,
    die Regierung ist untragbar geworden.

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    Wieso ist wegen einem missglückten Befreiungsversuch die Regierung Hollande "untragbar" geworden?
    Sicherlich wird er und seine Regierung davon gewusst bzw. das ausdrücklich gebilligt haben. Aber was genau ist nun an dieser Entscheidung (bzw. an ihrem Unglück) der Grund, dass Frankreich Ihrer Meinung eine neue Regierung braucht? Hätte eine andere Regierung denn anders gehandelt (= eine andere Entscheidung mit dem Militär getroffen)?

    Das geht doch etwas zu weit.

    "Ich hoffe die Sozialisten ziehen die Konsequenzen,
    die Regierung ist untragbar geworden."

    Sie meinen doch nicht im Ernst, dass ein Politiker für die Operation die Verantwortung tragen muss? Das haben Militärs oder wahrscheihnlicher noch Geheimdienstchefs entschieden. Der Präsident wurde nur früher über den Ausgang informiert als die Bevölkerung.

    Ganz unabhängig davon, wenn Sie schon hier den Rücktritt fordern, sollte unter jedem innerpolitischen Artikel über unsere Regierung die gleiche Aufforderung stehen...

    • kai1
    • 12. Januar 2013 14:19 Uhr

    Ein sicherlich komplexes Geiselbefreiungsunternehmen in einem "hostile environment" birgt immer die Gefahr des Scheiterns in sich. Es ist aber unsinnig, deshalb den Rücktritt des Präsidenten zu fordern, der dieses Wagnis auf sich genommen hat.
    Schlimmer als ein Scheitern eines Unternehmens ist ein Unternehmen, das entweder aus Entschlussschwäche oder aufgrund eines unüberschaubaren Kompetenzwirrwarrs in der politischen Zentrale gar nicht erst unternommen wird - so geschehen vor der Küste Somalias, als ein Kommando der GSG9 sich auf dem US-Hubschrauberträger "Boxer" bereitmachte, die Crew eines von somalischen Piraten entführten deutschen Frachters zu befreien und von Berlin letztlich kein grünes Licht erhielt, obwohl der Kommandeur vor Ort bestätigt hatte, dass es eine reale Chance gab, das Unternehmen erfolgreich durchzuführen.
    Deutschland machte sich damit einmal mehr zum Gespött der Welt.
    Frankreich dürfte dies in diesem Fall kaum passieren. Und durch ihre Intervention hat die "Grande Nation" zudem erneut bewiesen, dass sie mehr Mut (und Mumm) als unser klägliches Staatsgebilde hat, wenn es darum geht, eigene Interessen durchzusetzen.

    Sie meinen, ein Herr Sarkozy - oder ein "Nicht-Sozialist" hätte anders gehandelt? Da erinnere ich nur einmal kurz an den Libyenkrieg...

    Für das Opfer sieht es nicht gut aus. Das oben abgebildete Foro erinnert an ähnliche Scharia-Urteile - ein solches steht nun vermutlich bevor. Medienwirksam wurden die Geiseln jeweils geschächtet.

  2. Traurig, dass wegen angeblich "großen" und "wichtigen" "Themen" arme Leute, wie Herr Allex ihr Leben lassen müssen.

  3. Wieso ist wegen einem missglückten Befreiungsversuch die Regierung Hollande "untragbar" geworden?
    Sicherlich wird er und seine Regierung davon gewusst bzw. das ausdrücklich gebilligt haben. Aber was genau ist nun an dieser Entscheidung (bzw. an ihrem Unglück) der Grund, dass Frankreich Ihrer Meinung eine neue Regierung braucht? Hätte eine andere Regierung denn anders gehandelt (= eine andere Entscheidung mit dem Militär getroffen)?

    Das geht doch etwas zu weit.

    16 Leserempfehlungen
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    • scoty
    • 12. Januar 2013 13:20 Uhr

    wie die Sicherheitsbehörden in Toulouse mit einem einzelnen Täter zu kämpfen hatten bzw. versagt haben.

    Wollen wir hoffen das in Mali keine französische Soldaten umkommen.

  4. Wenn das tatsächlich eine ernstgemeinte Frage sein soll, haben sie sich soeben außerhalb der freiheitlich-demoratischen Grundordnung gestellt.

    Ich bitte sie!

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    • xy1
    • 12. Januar 2013 13:21 Uhr

    Frankreich versuchte einen französischen Staatsbürger aus den Klauen einer Räuberbande zu befreien.
    Was ist schlecht daran?
    Soll man sich gegen Banditen nicht wehren?
    Fehlt noch Ihr Lob für die Entführer.

    • scoty
    • 12. Januar 2013 13:20 Uhr

    wie die Sicherheitsbehörden in Toulouse mit einem einzelnen Täter zu kämpfen hatten bzw. versagt haben.

    Wollen wir hoffen das in Mali keine französische Soldaten umkommen.

    Antwort auf "Ernstgemeinte Frage"
    • xy1
    • 12. Januar 2013 13:21 Uhr

    Frankreich versuchte einen französischen Staatsbürger aus den Klauen einer Räuberbande zu befreien.
    Was ist schlecht daran?
    Soll man sich gegen Banditen nicht wehren?
    Fehlt noch Ihr Lob für die Entführer.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Ernstgemeinte Frage?"
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    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

  5. 7. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

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    • noitom
    • 12. Januar 2013 13:30 Uhr

    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

    • noitom
    • 12. Januar 2013 13:30 Uhr
    8. [...]

    Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/mo.

    3 Leserempfehlungen
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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, rav
  • Schlagworte Afrika | Frankreich | BBC | Somalia | Verteidigungsministerium | Agent
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