Für Baschar al-Assad war es der erste öffentliche Auftritt seit sieben Monaten, für die internationale Gemeinschaft ein weiterer Beleg für die Unbelehrbarkeit des syrischen Machthabers. Sein Aufruf für eine nationale Mobilmachung gegen die "Marionetten des Westens" stößt auf Unverständnis und wird vor allem mit Rücktrittsforderungen quittiert.

Am weitesten geht dabei Ägyptens Präsident Mohammed Mursi, der sich in einem CNN-Interview indirekt für einen Kriegsverbrecherprozess gegen seinen Amtskollegen ausgesprochen hat. Auf die Frage des Moderators Wolf Blitzer, ob er für einen Kriegsverbrecherprozess gegen Assad vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sei, sagte Mursi: "Nicht ich will es, das syrische Volk will es. Und wir unterstützen das syrische Volk." Wenn das Blutvergießen in Syrien beendet sei, werde es dort ein unabhängiges Parlament und eine gewählte Regierung geben. "Und dann werden sie entscheiden, was sie mit denen machen, die Verbrechen begangen haben."

Assad selbst gibt sich derweil kompromisslos. Bei seiner Rede am Sonntag schloss er eine Zusammenarbeit mit seinen Gegnern kategorisch aus. Er werde nicht mit Banden, Extremisten oder "Marionetten" des Westens verhandeln, sagte er und versprach all jenen, die ihr Land nicht verraten hätten, als Gegenleistung politische Reformen, eine neue Verfassung und Regierung sowie die Freilassung von Gefangenen. Als Voraussetzung für eine politische Lösung verlangte er, dass der Westen und arabische Länder ihre Hilfe für die "Terroristen" einstellten.

"Leere Versprechen", "scheinheilige Rede"

Die US-Regierung bezeichnete diese Vorschläge als realitätsfern. Eine Sprecherin des Außenministeriums sagte, Assad habe alle Legitimität verloren und müsse zur Seite treten, um eine politische Lösung und einen demokratischen Übergang zu ermöglichen. "Die Ansprache ist nur ein neuer Versuch des Regimes, sich an die Macht zu klammern." Dadurch würden die Bemühungen des Syrien-Sondergesandten Lakhdar Brahimi untergraben und die blutige Unterdrückung des syrischen Volks werde fortgesetzt.

Auch der britische Außenminister William Hague nannte die Rede "mehr als scheinheilig". Auf Twitter schrieb er: "Der Tod, die Gewalt und die Unterdrückung, die sein Land verschlingen, sind von ihm selbst gemacht, leere Reformversprechen täuschen niemanden." Und nach Ansicht des türkischen Außenministers Ahmet Davutoğlu könne Assad nach dem Tod von 60.000 Menschen keine Führungsrolle mehr beanspruchen.

Unterstützung für seine Initiative erhält der syrische Präsident von seinen Verbündeten in Teheran. "Der Iran begrüßt und unterstützt diesen umfangreichen Plan als eine realistische Lösung der Krise und den Beginn einer stabilen und leuchtenden Zukunft in Syrien", sagte Außenminister Ali-Akbar Salehi nach Angaben der Nachrichtenagentur Mehr. Assads Plan basiere auf einer innersyrischen Lösung und stehe im Einklang mit den internationalen Plänen für ein Ende der Gewalt.