SyrienAssad ruft zur vollständigen nationalen Mobilisierung auf

Syriens Präsident Assad will mit allen Mitteln an der Macht bleiben: Seine Anhänger rief er auf, das Land gegen die oppositionellen "Mörder" zu verteidigen.

Eine Anhängerin von Syriens Präsidenten Baschar al-Assad zeigt sein Porträt im Fußballstadion von Kuwait City.

Eine Anhängerin von Syriens Präsidenten Baschar al-Assad zeigt sein Porträt im Fußballstadion von Kuwait City.  |  ©Marwan Naamani/AFP/Getty Images

Syriens Präsident Baschar al-Assad hat die Oppositionellen als "Mörder" bezeichnet und zur vollständigen nationalen Mobilisierung aufgerufen, um den Aufstand gegen ihn niederzuschlagen. In seiner ersten öffentlichen Rede seit mehr als einem halben Jahr sagte er vor Anhängern in Damaskus: "Es ist ein Konflikt zwischen dem Volk auf der einen Seite und Mördern und Kriminellen auf der anderen Seite." Die Rebellen bezeichnete er als Al-Kaida-Terroristen.

"Das Leiden ist über das gesamte Land gekommen", sagte der Präsident. "Es gibt keinen Raum mehr für Freude, es fehlen Sicherheit und Stabilität auf den Straßen." Die Nation gehöre allen und müsse von allen geschützt werden. Assad kündigte einen "nationalen Dialog" nach dem Ende der Militäreinsätze an, sagte aber, dass er nicht mit Banden, Extremisten und auch nicht mit einer Marionette des Westens sprechen werde.

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Seinen Verbündeten Russland, China und Iran dankte Assad dafür, dass sie die ausländische Einmischung in Syrien zurückgewiesen hätten. Den Westen und arabische Staaten forderte er auf, ihre Hilfe für die Aufständischen einzustellen und sich aus einer politischen Lösung in Syrien herauszuhalten.

Noch am Samstag wurde darüber spekuliert, ob Assad auf einen Plan eingehen werde, den der internationale Syrien-Vermittler Lakhdar Brahimi bei seinem Besuch in Damaskus im Dezember erwähnt hatte. Dieser sollte auf einer im Juni in Genf ausgehandelten Vereinbarung beruhen und sieht einen Waffenstillstand, die Bildung einer Übergangsregierung und die Organisation von Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen vor. Assads Rücktritt wurde in der Vereinbarung nicht verlangt.

Einen Rücktritt hat Assad bislang kategorisch ausgeschlossen. In einem Interview mit einem russischen Fernsehsender Anfang November lehnte er auch einen Gang ins Exil ab. Er werde in Syrien leben und sterben, sagte er. Die Assad-Gegner sehen seinen Rücktritt hingegen als unverzichtbar an.

Wieder ist ein Pilot geflohen

Unterdessen gerät das Assad-Regime immer mehr unter Druck: Laut Medienberichten flüchtete am Samstag erneut ein syrischer Pilot mit seinem Kampfjet über die Grenze in die türkische Provinz Adana. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Im Großraum von Damaskus versuchten Regierungstruppen am Samstag weiterhin, den Vormarsch der Rebellen mit massiven Operationen zu stoppen. Dabei gab es erneut Luftschläge gegen Regimegegner im Umland, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London mit. Vor allem in der Ortschaft Al-Naschabija habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben. In einer Reihe von Vororten gebe es zudem weiterhin heftige Kämpfe. Unabhängige Quellen konnten diese Angaben nicht bestätigen. In der Damaszener Innenstadt meldeten Aktivisten die Explosion einer Autobombe in dem Stadtteil Rukn ad-Din. Im Christenviertel Bab Tuma schlug eine Mörsergranate ein.

In Syrien herrscht seit fast zwei Jahren ein bewaffneter Konflikt zwischen Regierungstruppen und Rebellen. Seitdem wurden nach Schätzungen der Vereinten Nationen mehr als 60.000 Menschen getötet.

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Leserkommentare
  1. Wer englisch lesen kann, dem moechte ich das empfehlen. Fuer mich, ich hatte Freund dort ein Arzt Ehepaar, sie konnten fliehen ist es das beste was ich je gelesenn habe. Assad, was der sagt wenn man das liest und teilweise kennt, ist nicht zu trauen, das Land liegt in Ruinen, die Panzer, Bomben, das war seine Armee, niemand sonst. Was hier verkannt wird, seine Gruppe, fast eine Kaste, eine Minoritaet war die absolute Unterschicht im System. Jetzt kommt Ihre Rache. Selbst die Rebelen haben keinen erkennbaren Fuehrer. Sie sind verient in der Wut, wer bombardiert Ihre Oelpresse, wer erschoss ihere Soehne als sie ueber die Strasse gingen, wer .........die Liste ist lang. So wie dort hat es das ganze Mittelmeer lang nirgends gewuetet. das geht es lang.
    http://www.spiegel.de/int...

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  2. 10. [...]

    Entfernt. Bitte kommentieren Sie den Inhalt des Artikels. Die Redaktion/mak

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    • M.R.K
    • 06. Januar 2013 13:27 Uhr

    "...Und Houry sagt: "Die Beobachtungsstelle hat auf jeden Fall ein gutes Netzwerk am Boden in Syrien". Man könne natürlich nicht alles nachrecherchieren, doch im Allgemeinen seien die Informationen der Beobachtungsstelle verlässlich gewesen. Ähnliches erzählt ein Sprecher von Amnesty International auf Anfrage.

    Weil es so wenig gesicherte Informationen gebe, könne man die Beobachtungsstelle als Quelle wohl nutzen, meint daher auch der Politikwissenschaftler André Bank vom GIGA-Institut für Nahost-Studien in Hamburg. Allerdings wüssten weder er noch andere Nahostexperten, die er kenne, mehr über die Hintergründe der Organisation."

  3. Ceauşescu, inklusive eines Balkan-stalinistisch hysterisierten Publikums, dass ständig aufspringt; Seele und Blut verspricht und drohend mit den Fäusten in die Luft pumpt ...

    ... speziell dann, wenn der Chef von Amnestie und Versöhnung spricht.

    Kurz bevor das ganze wie eine Rebellion gegen einen schwachen Chef aussieht, ergänzt dieser dann:

    'aber nicht aufkosten unserer Würde'

    und das Publikum exerziert eine raffiniert angesteuerte und luzide choreographierte Ekstase.

    Baschar al Assad ist kein Remake von Erich Mielke, vielmehr steht der blutigste Augendoktor aller Zeiten auf den Schultern dieses alten Genossen - und blickt weit.

    Baschar, stammelt, stottert, grinst; aber jeder* weiß: er bombardiert dazu. Eine Dimension von rhetorischer Wirkkraft, die wohl linguistisch noch nicht annähernd erschlossen ist.

    *fast jeder ...

    3 Leserempfehlungen
    • Pereos
    • 06. Januar 2013 12:56 Uhr

    "Er sollte das Angebot annehmen wenn er klug ist und ins Exil gehen."

    In Syrien stehen sich 2 Gruppen gegenüber,die sich nicht besiegen können und kräftig vom Ausland hüben wie drüben aufgerüstet werden.
    Und sich gegenseitig das Schrecklichste antun.

    Gelöst werden könnte der Konflikt nur,wenn Assad ins Exil geht und eine Regierung aus bisheriger Regierung und Opposition gebildet wird. Wenn dann der Frieden von Blauhelmen abgesichert werde würde hätte das Land eine Perspektive. So aber wird es weiter vor die Hunde gehen und die Menschen in Syrien weiter und weiter leiden....

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    Antwort auf "Das Anfang vom Ende"
  4. Überall in der Welt wo es zu mehr oder weniger legitimen Aufständen gegen die Obrigkeit oder Invasoren/Besatzer kommt, muss Al Kaida herhalten.

    Lieber Assad, ist es so schwer zu akzeptieren, dass Du ein mieser Diktator bist und das Volk dich hasst, weil du sie knechtest?

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  5. von der Rede im Sportpalast kam mir auch sofort. Es ist also abzusehen, wohin die Reise geht.

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    Antwort auf "Das Anfang vom Ende"
    • HMRothe
    • 06. Januar 2013 13:07 Uhr

    in die Reihe der New-Hitler-Ernenner:
    1. New Hitler - Abd el-Nasser, ernannt von Anthony Eden, weil er den Suez-Kanal verstaatlichte
    2. New Hitler - Saddam Hussein, weil er nach dem "guten" Angriffskrieg gegen Iran plötzlich noch einen "bösen" Angriffskrieg gegen Kuweit draufsetzte
    3. Ihr New Hitler ist nun also Bashar Assad. Welche Länder hat Syrien während seiner Präsidentschaft angegriffen? Wo befinden sich die von Bashar Assad errichteten Konzentrationslager? Zur Vertreibung welcher syrischen Bevölkerungsgruppe hat er in der von ihm verfassten und an alle syrischen Hochzeitspaare verschenkten Hetzschrift aufgerufen? Zusatzfrage: Wie heisst diese Hetzschrift?

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    Antwort auf "..."Titobanditen""
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    • M.R.K
    • 06. Januar 2013 13:24 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als relativierend gelesen werden können. Die Redaktion/mak

    • docaffi
    • 06. Januar 2013 14:00 Uhr

    Entfernt. Bitte untermauern Sie Ihre Äußerungen mit Argumenten. Die Redaktion/mak

  6. Also ich versteh ihn ja schon, den Bascher, dass er nicht zuruecktreten will. Weil wo soll er denn auch hintreten? Nach Russland vielleicht? Is doch viel zu kalt. Oder China? Mit all der Luftverschmuzzung da. Und Iran is auch nicht sooo toll. Da isses schon besser in seinem Palast daheim mit seiner Frau und den Freunden und IPads ham sie auch.
    Und der Kakhdar Dings, der UN Heini, der hat ihm doch auch nix besseres vorgeschlagen.
    Ueberdies bleibt zu vermerken, dass der Pilot nicht nachTurkey geflohen ist, sondern sich verflogen hat. Verstehts? Geflohen - Verflogen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters, nf
  • Schlagworte Syrien | Exil | Konflikt | Parlamentswahl | Vereinte Nationen | Waffenstillstand
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