Geberkonferenz in KuwaitUN wollen 1,1 Milliarden Euro für Syrien

700.000 Flüchtlinge, ein noch "nie dagewesenes Ausmaß des Schreckens": Die UN sorgen sich um die Opfer des syrischen Bürgerkriegs und fordern mehr Hilfe.

Syrische Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Syrische Flüchtlinge in einem Flüchtlingslager in Jordanien  |  © Jeff J Mitchell/Getty Images

Der Bürgerkrieg in Syrien steht heute auf der Tagesordnung einer internationalen Konferenz in Kuwait. Unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen sind Vertreter von 59 Staaten zusammengekommen, um über weitere Hilfen für das Krisenland zu beraten. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hofft auf neue finanzielle Unterstützung von insgesamt 1,1 Milliarden Euro. 

Bereits im Vorfeld hatte eine Reihe von Staaten weitere Hilfsgelder zugesagt. Die USA wollen weitere 115 Millionen Euro zahlen, was Präsident Barack Obama auf einem über YouTube verbreiteten Video mit arabischen Untertiteln selbst verkündete. "Ich möchte mich direkt an das syrische Volk wenden", sagte er. "Diese Hilfsgelder sorgen für warme Kleidung für Kinder und Medizin für Ältere, Mehl und Weizen für Ihre Familien und Decken, Stiefel und Öfen für diejenigen, die in beschädigten Gebäuden ausharren."

Anzeige

Auch die Europäische Union bewilligte weitere 100 Millionen Euro und verdoppelte damit ihre bisherige Hilfszusage. Die humanitäre Lage in Syrien sei katastrophal, hieß es seitens der EU-Kommission in Brüssel. Man wolle das Geld den "großen Hilfsorganisationen" zur Verfügung stellen. Deutschland wiederum stockt seine Hilfe um zehn Millionen Euro auf.  "Damit wollen wir die Not der Menschen lindern", sagte Außenminister Guido Westerwelle.

Brahimi macht "keinerlei Fortschritte"

Nach UN-Angaben sind derzeit vier Millionen Menschen in Syrien auf die Unterstützung der Staatengemeinschaft angewiesen, viele erhalten tägliche Essensrationen. Zudem flüchten immer mehr Syrer vor der Gewalt in ihrem Land: Wie das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen mitteilte, sollen mehr als 700.000 Menschen inzwischen Zuflucht in den Nachbarländern gefunden haben. An allen Grenzen reiße der Strom der Flüchtlinge nicht ab, sagte eine Sprecherin. Besonders dramatisch sei die Zunahme in Jordanien und im Libanon.

Ein düsteres Bild der Lage in dem Bürgerkriegsland zeichnet der internationale Syrien-Sondergesandte Lakhdar Brahimi. "Syrien bricht vor den Augen der Weltgemeinschaft auseinander", sagte er in einer Sitzung des UN-Sicherheitsrats am Dienstag und berichtete von einem "noch nie dagewesenen Ausmaß des Schreckens". Er selbst, so der 79-Jährige, könne nur wenig ausrichten, seine Gespräche für eine politische Lösung des Konflikts machten "keinerlei Fortschritte".

Brahimi, der für die Arabische Liga und die Vereinten Nationen in dem Konflikt vermitteln soll, geht davon aus, dass sich Syriens Präsident Baschar al-Assad vorerst an der Macht halten werde. Aber: "Die Legitimität der syrischen Führung ist ernsthaft, wahrscheinlich unwiderruflich, beschädigt." Er appellierte deshalb an die Mitglieder des höchsten UN-Gremiums, ihre gegenseitige Blockade zu überwinden und zu handeln. "Nur die internationale Gemeinschaft kann helfen, und da vor allem der Sicherheitsrat", sagte Brahimi. Damit meinte er Russland und China, die bislang mit ihrem Veto drei entsprechende Resolutionen verhindert hatten.

Neues Massaker in Aleppo

Seit März 2011 kämpfen in Syrien Rebellen gegen die Truppen von Staatschef Assad. Dabei starben nach UN-Schätzungen bislang mehr als 60.000 Menschen. Erst am Dienstag wurde wieder ein neues Massaker bekannt. In der Metropole Aleppo wurden die Leichen von Dutzenden jungen Männern entdeckt, die gefesselt und dann mit einem Kopfschuss getötet worden sein sollen. Die Rebellen, die das Stadtviertel kontrollieren, und die Regierungstruppen machten sich gegenseitig für das Massaker verantwortlich. Beide Seiten sahen sich bereits mit Vorwürfen schwerer Menschenrechtsverstöße konfrontiert.

Inzwischen trägt der Bürgerkrieg zunehmend die Züge eines Stellvertreterkonflikts verfeindeter Religionsgruppen. Die Rebellen sind zum Großteil sunnitische Muslime. In Armee und Regierung sind die Schaltstellen dagegen mit Alawiten besetzt, einer Abspaltung des schiitischen Islam.

Zur Startseite
 
Leserkommentare

Wegen des Relaunches steht die Kommentarfunktion gegenwärtig einigen Nutzern nicht zur Verfügung.

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP, kg
  • Schlagworte Euro | Syrien | Barack Obama | EU-Kommission | Europäische Union | Guido Westerwelle
  • Neu auf ZEIT ONLINE
    1. Neu im Ressort
      1. Anzeige
      2. Anzeige
      3. Anzeige
      4. ARTIKEL ZUM THEMA Ausland IM RÜCKBLICK
        Juli | Juni | Mai | April | März
      Service