SyrienKämpfe um Damaskus

Syriens Rebellen rücken auf die Hauptstadt vor, die Armee schlägt aus der Luft zurück. Ein Pilot soll in seinem Kampfjet in die Türkei geflogen sein, um zu desertieren.

Ein syrisches Mädchen auf einer nahezu menschenleeren Straße in einem Viertel von Damaskus

Ein syrisches Mädchen auf einer nahezu menschenleeren Straße in einem Viertel von Damaskus  |  © Omar Al-Khani/AFP/Getty Images

Mit massiven Militärschlägen im Großraum Damaskus versucht das syrische Regime den Vormarsch der Rebellen auf die Hauptstadt zu stoppen. Der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London zufolge habe es dabei erneut Luftschläge gegeben. Vor allem die Ortschaft Al-Naschabija sei betroffen gewesen, hieß es. Dort habe es zahlreiche Tote und Verletzte gegeben.

In einer Reihe von Vororten gebe es zudem weiterhin heftige Kämpfe. In der Damaszener Innenstadt meldeten Aktivisten die Explosion einer Autobombe im Stadtteil Rukn ad-Din. Im Christenviertel Bab Tuma schlug eine Mörsergranate ein. Wie die meisten Nachrichten aus Syrien lassen sich diese Angaben aber nicht unabhängig prüfen.

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Ein Pilot der syrischen Regierungstruppen hat sich derweil Medienberichten zufolge mit seinem Kampfflugzeug in die benachbarte Türkei abgesetzt. Er landete demnach mit seiner Mig-23 in der türkischen Provinz Adana. Der Mann hatte zuvor bei einem Einsatz im Grenzgebiet Syriens Kontakt zum Militär der Türkei aufgenommen, berichteten türkische Medien. Eine offizielle Bestätigung der Berichte gab es nicht.

Einen ähnlichen Fall gab es aber vor etwa einem halben Jahr: Damals war ein syrischer Kampfpilot mit seiner Maschine ins benachbarte Jordanien geflogen und desertiert. Nach der Landung auf einem Militärflughafen bat er um politisches Asyl.

In der Türkei hatte am Vortag der Einsatz von Patriot-Abwehrraketen begonnen, die das Land vor Angriffen aus Syrien schützen sollen. Die US-Armee leitete die Verlegung von Soldaten und Ausrüstung in die Türkei ein, in den kommenden Tagen sollen insgesamt 400 Soldaten auf dem Luftwaffenstützpunkt Incirlik im Süden des Landes ankommen. Auch Deutschland ist an dem Einsatz beteiligt.

In Ägypten dementierte unterdessen der Islamist Mohammed al-Sawahiri einen Medienbericht über seine angebliche Inhaftierung in Syrien. Die britische Zeitung Independent hatte gemeldet, dass der Bruder des Al-Kaida-Anführers Eiman al-Sawahiri in der Unruheprovinz Daraa festgenommen worden sei, wo er Oppositionelle getroffen habe.

"Ich kam vor weniger als einem Jahr aus dem Gefängnis, wo ich 15 Jahre verbracht habe. Seitdem habe ich Ägypten nicht verlassen", sagte er der staatlichen ägyptischen Zeitung Al-Ahram. Al-Sawahiri war in den neunziger Jahren von einem ägyptischen Militärgericht wegen Terrorismus verurteilt worden. Nach dem Arabischen Frühling kam er auf freien Fuß.

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Leserkommentare
  1. Interview mit dem Piloten, sollte für Thumann (Bürochef der ZEIT in der Türkei) doch ein Leichtes sein.
    Immer dieses hätte haben könnte sein und dann nichts.

    Obwohl Damaskus sollte ja bereits vor einem Jahr vor dem Fall stehen (www.zeit.de/politik/ausla..., www.zeit.de/politik/ausla...) und warum werden wenn der Endsieg Nahe ist und Assad eigentlich schon auf der Flucht ist jetzt noch Patriotraketen stationiert. Denn vor der sich im Falle des Sieges herausbildenen Demokratie braucht man doch keine Angst haben.

    6 Leserempfehlungen
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    möchte Assad morgen zum syrischem Volk sprechen. Also ist die Situation mal wieder anders als beschrieben. Die Medien sind einfach nicht mehr glaubwürdig und haben auch die Informationshoheit verloren. Hier der Link: http://www.spiegel.de/pol...

  2. in Syrien wird noch eine ganze Weile andauern.
    Denn der vom syrischen Volk legitimierte! Muslimbruder Ahmad Mouaz Al-Khatib verträgt sich nur bedingt mit dem Kharijidenbruder Aiman al-Sawahiri.

  3. möchte Assad morgen zum syrischem Volk sprechen. Also ist die Situation mal wieder anders als beschrieben. Die Medien sind einfach nicht mehr glaubwürdig und haben auch die Informationshoheit verloren. Hier der Link: http://www.spiegel.de/pol...

    2 Leserempfehlungen
    • Chorus
    • 05. Januar 2013 23:57 Uhr

    Die syrische Opposition ist sehr heterogen. Sie besteht aus verschiedensten Gruppen mit unterschiedlichen Zielsetzungen. Absehbar ist, dass sich die aggressivsten Kräfte durchsetzen werden, zumal sie von islamistischen Kreisen weiter mit Waffen versorgt werden. Diese bewaffneten Gruppen verteidigen nicht Demokratie, sie bekämpfen sie.

    Anscheinend ist Assad bisher nicht Teil der Lösung, sondern des Problems. Mit Krieg und Waffenlieferungen sind die Probleme aber nicht zu lösen.

    Wenn Assad stürzt, dann werden islamistische Kräfte die Macht übernehmen. Die Islamisten tragen nicht zu einem Friedensprozess bei - auch nicht gegenüber Israel.

    2 Leserempfehlungen
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    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

  4. ... syrischen Staates, der Vormarsch der Rebellen scheint unaufhaltsam zu sein, der Untergang des Assadregimes nur eine Frage von Tagen.

    So wie vor 2 Monaten, vor 3 Monaten, vor 5 Monaten, vor 8 Monaten, ...... .

    4 Leserempfehlungen
  5. Und dann?

    Dann geht es erst richtig los! Dann wird auch die Kinderlähmung wieder vor den Toren Europas stehen.
    http://www.welt.de/politi...

    Eine Leserempfehlung
  6. 7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wenn Assad stürzt ..."

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Syrien | Damaskus | Asyl | Frühling | Independent | Soldat
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