Irgendwann hielten die Zelte nicht mehr stand. Der Sturm fegte mit einer solchen Gewalt über das Lager, bis zu 60 Kilometer in der Stunde, dass die Verankerungen einfach aus dem Boden rissen. Innerhalb weniger Stunden bildeten sich Pfützen teilweise so groß wie Fußballfelder. Und plötzlich wurde der Frust unerträglich. Mit Stöcken und Steinen griffen syrische Flüchtlinge die Mitarbeiter des Camps an, sieben jordanische Helfer wurden verletzt, sagt die Polizei.

Der Vorfall ereignete sich vergangene Woche in Zaatari, einem Flüchtlingslager im Norden Jordaniens, knapp 25 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Ghazi Sarhan, Sprecher der Jordan Hashemite Charity Organization, bittet um Verständnis für die Flüchtlinge: "Die Bedingungen im Camp sind hart, in solchen Situationen kann es schon mal zu Aufständen kommen." Sarhans Organisation leitet das Camp gemeinsam mit der UNHCR, der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen.

Mehr als 180.000 Syrer sind seit Beginn des Aufstands gegen Baschar al-Assad im März 2011 nach Jordanien geflohen. Im Juli 2012 hat das Camp in Zaatari aufgemacht. Inzwischen leben 57.000 Menschen hier.

Die weißen Flüchtlingszelte mit dem UNHCR-Aufdruck erstrecken sich so weit das Auge reicht. Viel mehr als ein Dach über dem Kopf bieten sie ihren Bewohnern nicht. Auf dem Boden liegen Matratzen, in der Ecke steht ein Gaskocher. Bis zu sieben Leute teilen sich ein Zelt. Die Leiter des Camps versuchen, keine Fremden miteinander unterzubringen. Doch das ist schwierig, denn jeden Tag kommen 500 bis 1.000 neue Flüchtlinge hinzu. Wie viele Menschen sich eine Waschgelegenheit teilen, wissen die Verantwortlichen schon gar nicht mehr. Das Technische Hilfswerk baut derzeit neue Sanitärräume für die Flüchtlinge.

Nichtstun reibt die Flüchtlinge auf

Nun haben drei Tage Dauerregen das Lager in einen schlammigen Sumpf verwandelt, viele Zelte stehen unter Wasser. Nachts sinken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Solch extremes Wetter ist in der Region eine Ausnahme und überfordert Campleitung und Flüchtlinge gleichermaßen. Einige Bewohner haben Mauern aus Schlamm um ihre Behausungen gebaut, um sich vor Überschwemmung zu schützen. Kinder spielen in den Pfützen, während Erwachsene Hilfspakete des Welternährungsprogramms zu ihren Zelten tragen. Einige haben Plastiktüten über ihre Schuhe gezogen, als Ersatz für Gummistiefel.

Viele leben hier seit Monaten unter diesen kargen Bedingungen. Manche von ihnen sagen, die Situation im Lager sei schlimmer als in Syrien.

Frustrierend ist vor allem das Nichtstun, das Warten auf Frieden, auf die Rückkehr nach Hause, auf Arbeit und Alltag. Nur wenige Syrer haben eine Beschäftigung, die etwas Geld einbringt. Zwar gibt es Arbeitsprogramme, doch die Hilfsorganisationen haben schon Schwierigkeiten, einige Hundert Menschen zu versorgen, von mehreren Tausend ganz zu schweigen.

Einige Campbewohner sind deshalb selbst aktiv geworden. An der Hauptstraße des Flüchtlingslagers haben sie kleine Stände aufgebaut. Es gibt karge Cafés, in denen Männer Wasserpfeife rauchen, provisorische Friseursalons, Menschen verkaufen Süßigkeiten und Kosmetikartikel.