Jordanien : Im Schlamm warten sie auf Frieden in Syrien
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"Wir haben nicht genug Wasser, und wir frieren"

Mohammed al-Khays, 26, und sein älterer Bruder Ibrahim bieten hier Falafel an. Ibrahim formt aus den pürierten Kichererbsen kleine Bällchen und wirft sie in das heiße Fett, Mohammed löffelt sie wenige Minuten später wieder heraus. Von morgens früh um sieben bis abends um neun. Tagein, tagaus. Mohammed hasst es. Er hat BWL studiert, auch programmieren könne er. "Und jetzt sieh mich an", sagt er. "Jetzt mache ich Falafel."

Vor zwei Monaten sind sie zu Fuß aus Daraa gekommen, der Stadt, in der 2011 der Aufstand gegen das syrische Regime begonnen hat. 15 Kilometer waren es bis zur Grenze. Sie erzählen, dass Assads Truppen ihr Haus zerstört haben. Einer ihrer Brüder ist dabei ums Leben gekommen, danach sind sie geflohen.

Naive Hoffnung auf schnelle Rückkehr

Wie es ihrer Familie geht, wissen die Brüder nicht. Sie können ihre Eltern nicht erreichen, die Leitungen sind tot. Mohammed macht sich Sorgen, andererseits will er nicht, dass sie hierher kommen, denn auch seine eigene Lage findet er kaum auszuhalten. "Wir haben nicht genug Wasser, und wir frieren", sagt er. Am liebsten wolle er zurück nach Syrien – aber erst, wenn die Kämpfe aufgehört haben. "Vielleicht in zwei Monaten oder so."

Eine naive Hoffnung, findet Camp-Sprecher Sarhan. Seit zwei Jahren dauern die Kämpfe in Syrien an, mehr als 60.000 Menschen sind in dem Bürgerkrieg bisher gestorben. Eine Aussicht auf Frieden gibt es nicht. "Dort drüben", sagt Sarhan und deutet in die Ferne, "sollen bald ein paar Tausend neue Zelte entstehen".
 

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