Kriegsreporter Wenn jedes Foto das letzte sein könnte
Seite 2/2:

Die Auftraggeber tragen eine große Verantwortung

Libyen, sagt Tung heute, war anders als Syrien, sicherer, einfacher. "Ich will nicht diejenige sein, die sagt, Journalisten ohne Kriegserfahrung sollten nicht dorthin gehen, denn ich habe dasselbe in Libyen gemacht. Doch die Bedingungen sind viel schwieriger." Es gibt keine anderen Journalisten, die jungen Kollegen weiterhelfen können. "In Syrien bist du allein. Du weißt nicht, wem du trauen kannst, was sicher ist." Es brauche Zeit, bis man sich zurechtfinde, sagt sie. Zeit, die man in Syrien nicht hat. Im vergangenen August wurde die japanische Journalistin Mika Yamamoto in Aleppo erschossen – ein paar Stunden nachdem sie in Syrien eingereist war.

Der Konflikt ist so gefährlich geworden, dass kaum eine Zeitung, kaum ein Fernsehsender eigene Reporter nach Syrien sendet. Es ist eine Frage des Geldes, aber mehr noch eine Frage der Verantwortung angesichts des enormen Risikos. Wer informiert die Familie im Todesfall? Wer verhandelt mit Geiselnehmern? Und dann, wenn einer dieser Fälle eingetreten ist, kommt unweigerlich die Frage: Hat man alle nötigen und möglichen Vorkehrungen getroffen? War der Journalist ausreichend ausgebildet und ausgerüstet? Verständlich, dass nur die wenigsten Redaktionen Journalisten in ihrem Auftrag nach Syrien schicken. Für einen großen Teil der Fotografen, die momentan aus Syrien berichten, ist es das erste Mal, dass sie in einem Kriegsgebiet sind.

Kein Geld für eine schusssichere Weste

Auch wenn die Chance, einen Auftrag in dem Land zu bekommen, für freie Journalisten gegen Null geht, können sie ihre Berichte und Bilder doch leicht verkaufen. Sie müssen nicht mit Angestellten konkurrieren und können ihre Arbeit auch in großen Medien unterbringen. Dahinter steckt eine große Verlockung: Geschichte miterleben zu dürfen, darüber berichten und sich einen Namen machen zu können. Doch zugleich sind gerade diese Kollegen der Gefahr besonders ausgesetzt: Sie sind allein für sich verantwortlich. Oft schaut niemand danach, ob sie ausreichend vorbereitet und erfahren genug sind – niemand hält sie zurück. Für die wichtigsten Hilfsmittel und Absicherungen fehlt ihnen manchmal das Geld: für eine schusssichere Weste etwa, für die Versicherung oder für ein Satellitentelefon.

Inzwischen gibt es Organisationen, die sich um diese Probleme kümmern. Sie organisieren Erste-Hilfe-Kurse oder unterstützen die Finanzierung von Workshops für die Arbeit in Krisen- und Konfliktgebieten.

"Wenn du tot bist, bist du tot"

20. April 2012. Ein Jahr nach dem Tod ihres Mentors Chris Hondros steht Nicole Tung vor einer Gruppe von Journalisten in New York. Sie ringt um Worte. Die Gruppe hat gerade drei Tage Erste-Hilfe-Training hinter sich gebracht. Nicht das übliche, sondern eines, das auf Kriegs- und Krisengebiete ausgerichtet ist. Wie behandelt man Schusswunden? Wie abgerissene Beine? Und wie bleibt man selbst sicher? Der Buchautor und Dokumentarfilmer Sebastian Junger hat dieses kostenlose Training unter dem Namen Risc (Reporters Instructed In Saving Colleagues) ins Leben gerufen – in Erinnerung an seinen Freund und Kollegen Tim Hetherington. Der hätte vielleicht überleben können, wenn er vor genau einem Jahr sofort Erste Hilfe bekommen hätte. Weinend  bedankt sich Tung bei Junger für das Training. Unter den Kursteilnehmern ist auch James Foley, der heute verschwunden ist.

Alle hier sind irgendwann unerfahren in einen Krieg geflogen. Und viele geben zu, dass sie naiv und schlecht vorbereitet waren, kein ausreichendes Training hatten und keine angemessene Ausrüstung. Am Ende, sagt Tung, geht es nicht um die eigene Person. "Wenn du tot bist, bist du tot. Deine Familie und deine Freunde sind diejenigen, die den Preis zahlen, mit den Konsequenzen fertig werden müssen."

 
Leser-Kommentare
  1. sollte keine Menschenleben kosten. Die nun ergriffenen Massnahmen zum Überleben sind sicherlich wichtig genau so wie mehr Vorsicht.
    Durch den Mut der Fotografen in den Kriegsgebieten die vermutlich alle einmal jung begonnen haben sind wir immer informiert worden.

    Jedoch in der heutigen Zeit überdenke ich solche Fotos gerne und überlege ob es halbwegs objektiv oder bewusst so abgedruckt wurde.

    3 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Durch den Mut der Fotografen in den Kriegsgebieten die vermutlich alle einmal jung begonnen haben sind wir immer informiert worden."
    da frage ich mich wo sie sich informiert haben. sorry, also ich habe hier zwar sehr viele, aber kaum aussagekräftige bilder oder artikel zum lybien krieg gefunden.

    "Durch den Mut der Fotografen in den Kriegsgebieten die vermutlich alle einmal jung begonnen haben sind wir immer informiert worden."
    da frage ich mich wo sie sich informiert haben. sorry, also ich habe hier zwar sehr viele, aber kaum aussagekräftige bilder oder artikel zum lybien krieg gefunden.

  2. ...ergreift halt jede Chance, um nicht von Harz IV leben zu müssen:

    "Gerade junge, unerfahrene Reporter und Fotografen zieht es an die Front."

    4 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    allen anderen Berufen zählt halt nicht Erfahrung , sondern Vitamin B damit wird man dann als Slawist der in Russland nicht viel gerissen hat, Bürochef in Istanbul und Experte für den Mittleren Osten.

    Die die diesen Job als Berufung ansehen, können sehen wie sie klar kommen. Zur Thematik gibt es auch einen schönen Film der Bang Bang Club.

    Wie hilfreich das Sicherheitstraining der Bundeswehr ist sei auch dahingestellt, besonders wenn man die Bundeswehr dieser Tage in der Türkei sieht.

    Trotzdem Hut ab vor den Andrenalinjunkies, man hofft nur das sie keine Familie mehr haben. Über die Naivität der anfänglichen Unverwundbarkeitsannahme der Frau Tung kann man jedoch nur den Kopf schütteln. Denn im Krieg gibt es nur eine Wahrheit, Menschen sterben.

    allen anderen Berufen zählt halt nicht Erfahrung , sondern Vitamin B damit wird man dann als Slawist der in Russland nicht viel gerissen hat, Bürochef in Istanbul und Experte für den Mittleren Osten.

    Die die diesen Job als Berufung ansehen, können sehen wie sie klar kommen. Zur Thematik gibt es auch einen schönen Film der Bang Bang Club.

    Wie hilfreich das Sicherheitstraining der Bundeswehr ist sei auch dahingestellt, besonders wenn man die Bundeswehr dieser Tage in der Türkei sieht.

    Trotzdem Hut ab vor den Andrenalinjunkies, man hofft nur das sie keine Familie mehr haben. Über die Naivität der anfänglichen Unverwundbarkeitsannahme der Frau Tung kann man jedoch nur den Kopf schütteln. Denn im Krieg gibt es nur eine Wahrheit, Menschen sterben.

  3. "Durch den Mut der Fotografen in den Kriegsgebieten die vermutlich alle einmal jung begonnen haben sind wir immer informiert worden."
    da frage ich mich wo sie sich informiert haben. sorry, also ich habe hier zwar sehr viele, aber kaum aussagekräftige bilder oder artikel zum lybien krieg gefunden.

    2 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich erinnere mich an ein wunderbares Zeit-Dossier, in dem der Journalist und ein Rebellenanfüher sich mit einem mit Waffen und Kämpfern beladenen Boot nach Tripolis geschlichen haben.

    Ich erinnere mich an ein wunderbares Zeit-Dossier, in dem der Journalist und ein Rebellenanfüher sich mit einem mit Waffen und Kämpfern beladenen Boot nach Tripolis geschlichen haben.

    • tb
    • 24.01.2013 um 19:59 Uhr

    Als Leser frage ich mich , welche Qualität dann die Reportagen haben können.

    4 Leser-Empfehlungen
  4. Ich erinnere mich an ein wunderbares Zeit-Dossier, in dem der Journalist und ein Rebellenanfüher sich mit einem mit Waffen und Kämpfern beladenen Boot nach Tripolis geschlichen haben.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "wie bitte?"
  5. Wäre hier nur anzumerken, dass es da auch Jene gibt, die alles andere als unerfahren sind...:

    "Auslandsspionage
    Bei ihrer verdeckten Propagandaarbeit gehen die Militärspezialisten mit verwandten Abteilungen des
    deutschen Staatsapparates vor. Die ,,Deutsche Welle", Kooperationspartner der Propagandatruppe, hat
    organisierte Kontakte mit Journalisten einräumen müssen, deren enge Beziehungen zur deutschen Auslandsspionage
    (Bundesnachrichtendienst/BND) unbestritten sind. Verbindungen zwischen dem Psycho-Bataillon und einer angeblich privaten ,,Internationalen Medienhilfe" (IMH/Hennef bei Köln) sind nachgewiesen...

    ...Bundeswehr: Psychologischer Krieg
    ANDERNACH (Eigener Bericht) - Der deutsche militärische Apparat für psychologische Kriegführung
    wird zentralisiert und auf zusätzliche operative Aufgaben ,,am Gegner" eingestellt. Die Psycho-Truppe der Bundeswehr, die bis jetzt aus rund 700 Soldaten besteht (,,Bataillon Operative Information 950"), sucht für weltweite Aktivitäten in kommenden Kriegen u.a. Rundfunktechniker, Videotechniker, Computerexperten und Printjournalisten. Das Bataillon tritt gemeinsam mit Organisationen auf, die geheimdienstlicher Kontakte verdächtigt werden..."

    http://ub.unibw-muenchen....

    ...und damit Jene in Gefahr bringen, die tatsächlich neutral und ohne "Auftrag" berichten.

    5 Leser-Empfehlungen
  6. allen anderen Berufen zählt halt nicht Erfahrung , sondern Vitamin B damit wird man dann als Slawist der in Russland nicht viel gerissen hat, Bürochef in Istanbul und Experte für den Mittleren Osten.

    Die die diesen Job als Berufung ansehen, können sehen wie sie klar kommen. Zur Thematik gibt es auch einen schönen Film der Bang Bang Club.

    Wie hilfreich das Sicherheitstraining der Bundeswehr ist sei auch dahingestellt, besonders wenn man die Bundeswehr dieser Tage in der Türkei sieht.

    Trotzdem Hut ab vor den Andrenalinjunkies, man hofft nur das sie keine Familie mehr haben. Über die Naivität der anfänglichen Unverwundbarkeitsannahme der Frau Tung kann man jedoch nur den Kopf schütteln. Denn im Krieg gibt es nur eine Wahrheit, Menschen sterben.

    • Plupps
    • 24.01.2013 um 21:42 Uhr

    Ehrlich gesagt, empfand ich weder die Berichterstattung aus Lybien noch aus Syrien in irgendeinerweise qualitativ gut.
    Wenn Leute da hin fahren wollen, gut, aber bitte nicht mit dem Weltgewissen kommen. Das Weltgewissen benötigt nicht unbedingt die frischesten Blutbilder.

    Mir tun die Toten leid, aber Adrenanlinjunkies gibt es auch andere. Nur dass bei verrückten Motorradstunts nicht so getan wird, als würden die Piloten etwas für den Rest der Menschheit tun.

    5 Leser-Empfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service