AfghanistanUSA ziehen sich auf Unterstützerrolle zurück

Präsident Obama will die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan schon im Frühjahr an örtliche Truppen übergeben. US-Soldaten sollen nur noch unterstützen.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai und US-Präsident Barack Obama während der Pressekonferenz

Afghanistans Präsident Hamid Karsai und US-Präsident Barack Obama während der Pressekonferenz  |  © Larry Downing/Reuters

Das amerikanische Militär soll vom Frühjahr an nur noch eine unterstützende Rolle in Afghanistan übernehmen. Das gaben Präsident Barack Obama und der afghanische Präsident Hamid Karsai nach ihrem Treffen im Weißen Haus in Washington bekannt. "Von diesem Frühjahr an werden unsere Soldaten eine andere Mission haben – die Ausbildung, Beratung und Unterstützung der afghanischen Kräfte", sagte Obama.

Die Umwandlung der Aufgabe der US-Truppen am Hindukusch sei ein "historischer Moment und ein weiterer Schritt hin zu einer vollständigen afghanischen Souveränität", sagte Obama. Er versicherte, dass die Soldaten im Notfall weiter in den Kampf gegen Taliban-Kämpfer eingreifen würden. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien mittlerweile aber in der Lage, die Führungsrolle zu übernehmen.

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Karsai begrüßte, dass die afghanischen Einheiten künftig im Land für Sicherheit sorgen sollen. "Wir werden unser Bestes geben, um Afghanistan gemeinsam mit den USA und unseren anderen Verbündeten so schnell wie möglich Frieden und Stabilität zurückzubringen", sagt er.

Obama fordert Immunität für US-Soldaten

Keine klare Aussage gab es in der Frage, ob die Vereinigten Staaten auch nach dem Abzug der internationalen Truppen Ende 2014 weiterhin Soldaten am Hindukusch stationieren werden. Eine solche Möglichkeit sei diskutiert worden, hieß es lediglich in einer gemeinsame Erklärung. Zuvor müssten Einzelheiten über den künftigen rechtlichen Status der Truppen geregelt werden. Obama bekräftigte, dass nur dann amerikanische Soldaten stationiert bleiben, wenn sie vor Strafverfolgung durch afghanische Behörden geschützt sind. Karsai sagte, dass er sich für die Immunität der US-Soldaten einsetzen wolle.

Vor seinem Besuch bei Obama war Karsai mit Außenministerin Hillary Clinton und Verteidigungsminister Leon Panetta zusammengetroffen. Panetta hatte Karsai am Donnerstag versichert, die USA würden Kabul auch nach dem Abzug der ausländischen Kampftruppen zur Seite stehen. "Wir haben gemeinsam Opfer erbracht – das hat eine Verbindung geschaffen, die in der Zukunft nicht gebrochen wird", sagte der Verteidigungsminister. Karsai hatte erwidert: Mit Hilfe amerikanischer Unterstützung werde es gelingen, "dass Afghanistan nie wieder von Terroristen von der anderen Seite unserer Grenze bedroht wird".

Vollständiger Truppenabzug nach 2014 nicht ausgeschlossen

Derzeit sind noch etwa 66.000 US-Soldaten in Afghanistan im Einsatz. Zuletzt hatten amerikanische Medien über eine Reihe von Szenarien für die Zeit nach 2014 berichtet. Demnach erarbeitete das Pentagon auf Wunsch des Weißen Hauses Vorschläge für eine deutlich stärkere Truppenreduzierung als ursprünglich angedacht. Die USA könnten 3.000, 6.000 oder 9.000 Soldaten im Land belassen. Anfang der Woche sagte ein enger Berater Obamas, dass auch ein vollständiger Abzug der USA nach 2014 nicht ausgeschlossen sei.

Obama sagte dazu am Freitag, er habe noch keine Entscheidung getroffen. In den kommenden Wochen werde er weitere Empfehlungen von seinen Generälen erhalten. Auf dieser Grundlage werde seine Regierung einen "verantwortlichen Plan" für den Abzug ausarbeiten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, sk, nf
  • Schlagworte Barack Obama | Hamid Karsai | Hillary Clinton | Leon Panetta | Medien | Militär
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