Patriot-EinsatzDemonstranten attackieren deutsche Soldaten in der Türkei

Kurz nach Beginn des Nato-Einsatzes in der Türkei haben Demonstranten eine Gruppe deutscher Soldaten angepöbelt. Türkische Sicherheitskräfte verhinderten Schlimmeres.

Gegner des Nato-Einsatzes in der Türkei haben im südtürkischen Ort Iskenderun fünf Bundeswehrsoldaten angegriffen. Die in Zivil gekleideten Soldaten wurden beim Verlassen eines Geschäftes von etwa 40 Demonstranten angepöbelt und bedrängt.

Türkische Sicherheitskräfte hätten eingegriffen und eine weitere Eskalation verhindert, teilte die Bundeswehr mit. Verletzt wurde niemand.

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Die Deutschen gehören zum Einsatzkontingent "Active Fence Turkey", das den Nato-Partner Türkei mit Patriot-Luftabwehrraketen gegen mögliche Angriffe aus Syrien schützen soll. Waffen und Ausrüstung für den Einsatz waren am Montag im Hafen von Iskenderun angekommen.

Die Angreifer gingen nicht zimperlich vor. "Dabei wurde einem der Soldaten ein Sack über den Kopf gezogen, in dem sich weißes Pulver oder Puder befand. Die Soldaten konnten in umliegende Geschäfte flüchten", hieß es bei der Bundeswehr.

Die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, die Demonstranten gehörten zur Jugendorganisationen TGB der kleinen linksnationalistischen Partei IP (Arbeiterpartei). Sie hätten Sprechchöre gegen die Nato und den Einsatz von Nato-Soldaten in der Türkei gerufen.

TGB-Aktivisten haben in den vergangenen Jahren mehrfach ausländische Soldaten und Touristen attackiert und ihnen Säcke über den Kopf gezogen. Die tätlichen Angriffe gelten auch als Reaktion auf die Gefangennahme türkischer Soldaten im Irak durch US-Soldaten im Jahr 2003. Den Türken waren damals mit Säcken über den Köpfen zum Verhör abgeführt worden.

Das deutsche Einsatzkontingent ist in der Stadt Kahramanmaras stationiert, etwa 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt. Insgesamt werden etwa 350 deutsche Soldaten den Nato-Partner Türkei gemeinsam mit Einheiten aus den USA und den Niederlanden vor möglichen Raketenangriffen schützen.

Die Bundeswehr setzte am Mittwoch den Aufbau ihrer Gerätschaften am Rande der Stadt fort, wie ein Sprecher sagte. Am Dienstag waren auch in Iskenderun Waffen und Geräte der niederländischen Einheit auf einem Schiff eingetroffen. Raketen der US-Truppen sollen in den nächsten Tagen ankommen.

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Leserkommentare
    • Jokus
    • 23. Januar 2013 17:34 Uhr

    Es wirkt natürlich lächerlich, wenn ausgerechnet Soldaten, die in die Türkei kamen, um die Türkei zu schützen, nun sofort (ein Glück!) Reißauß nahmen, als türkische Zivilisten sie angriffen...Doch was nun? Sollten sie etwa schwer bewaffnet sich nur unters türkische Volk begeben?

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  1. Während unsere Soldaten nur Raketen und Waffen ins Land bringen, werden sie brutal mit Säcken und weißem Puder attackiert. Da kann man mal sehen, wozu Kriegsgener so fähig sind!

    2 Leserempfehlungen
  2. 36. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf nicht seriös belegbare Behauptungen. Danke, die Redaktion/jp

  3. 37. 23456

    Diese Behauptung ist einfach nur merkwürdig.
    Denn was ist nun die Aussage?
    Wirklich sehr sehr komisch, bietet Interpretationen in jede Richtung.

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  4. "Die türkische Zeitung Hürriyet berichtete, die Demonstranten gehörten zur Jugendorganisationen TGB der kleinen linksnationalistischen Partei IP (Arbeiterpartei)."
    Das ist vermutlich so etwas wie der "Schwarze Block" der "antifa-bewegten" linksradikalen Chaoten in Deutschland.

    4 Leserempfehlungen
    • marconi
    • 23. Januar 2013 17:53 Uhr

    auf den Vorfall in der Türkei beziehen. Wir sollten vor unserer Haustür zuerst einmal kehren.

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    Es ist schon erstaunlich, welches Bild der interessierte Leser über den Syrienkonflikt und dessen Folgen vorgesetzt bekommt.

    Eine "Angriff" von Demonstanten erweckt mehr Aufmerksamkeit als die Notlage von 4 Millionen Menschen, die in Syrien unter den Folgen der Auseinandersetzungen leiden.

    Die letzten Berichte der Zeit informierten über einen kurdischen Bürgermeister und das "Gerichtswesen" der "Rebellen". Jetzt ein Zusammenstoß mit Demonstranten.

    Über die Situation in Syrien fehlt jede Information.

    Wie sieht es dort tatsächlich aus?

    Hier nur zwei Beispiele allgemein verfügbarer Informationen.

    Syrian harvests devastated as conflict continues, UN agricultural agency says.

    "23 January 2013 – Twenty-two months of conflict has left Syria’s farming sector in tatters with production dropping severely, requiring urgent assistance to rural areas, the United Nations agricultural agency said today"

    http://www.un.org/apps/ne...

    Und die Ursache? Ban ki Moon und Brahimi trafen sich am Montag.

    "Both expressed deep disappointment at the appalling levels of killing and destruction carried out by both the Government and the opposition, fuelled by outside powers providing weaponry to both sides, according to information from Mr. Ban’s spokesperson."

    http://www.un.org/apps/ne...

    Meine Bitte an die Redaktion: berichten Sie bitte umfassender. Die jetzigen Schwerpunkten machen manchen Leser sehr nachdenklich.

  5. Von Demonstranten angegriffen .
    Das ist eine unangenehme Sache womit sich die Sicherheitskräfte in der besagten Stadt jetzt auseinandersetzen müssen.
    Aber in einer funktionierenden Demokratie kann und wird man keine Demonstrationen verhindern, schlimmer wäre es wenn es umgekehrt sein würde.
    Laut den Nachrichten, wurden zwei Bundeswehrsoldat Säcke über ihren Kopf gezogen und anschließend haben die Soldaten sich in einem Geschäft in Sicherheit gebracht.
    Die Demonstranten wollten auf sich aufmerksam machen, mit Methoden die nicht sehr gastfreundlich sind.
    Aber 40 Demonstranten , zeigen was für eine unterstüzung von der dortigen Bevölkerung gegeben wird, fast keine.
    Ich hoffe das es nicht mehr zu so einen Vorfall kommen wird, und Wünsche den dortigen Bundeswehrsoldaten einen angenehmen Aufenthalt in frieden .

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, jam
  • Schlagworte Türkei | Nato | Bundeswehr | Bundeswehrsoldat | Hafen | Rakete
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