Anti-Terror-KampfUN starten Untersuchung über zivile Opfer von Drohnen

Unbemannte Flugzeuge töteten in den vergangenen Jahren Tausende Terrorverdächtige. Über die Zahl ziviler Opfer gibt es kaum Erkenntnisse. UN-Experten wollen das ändern.

Der UN-Sonderbeauftragte für den Schutz der Menschenrechte im Anti-Terror-Kampf, Ben Emmerson, wird mit neun weiteren Fachleuten die Folgen von Drohneneinsätzen für die Zivilbevölkerung untersuchen. Es geht dabei um 25 Drohneneinsätze in Pakistan, im Jemen, in Somalia, in Afghanistan und in den Palästinensergebieten.

Zivile Opfer der Angriffe gibt es laut offiziellen Angaben kaum. Menschenrechtsaktivisten beklagen seit Langem, dass das nicht stimme. Nach Angaben der britischen Initiative Bureau of Investigative Journalism wurden allein in Pakistan zwischen 475 und 891 Zivilisten durch US-Drohnen getötet.

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Die Expertengruppe prüfe nun, ob es glaubhafte Hinweise gibt, dass Unschuldige bei den Angriffen getötet worden sind, sagt er. Falls ja, könnten nach internationalem Recht Ermittlungen eingeleitet werden. Emmerson wies den Verdacht zurück, dass sich die Untersuchung gegen einzelne Länder wie die USA oder Israel wende. Es gehe nicht um einen bestimmten Staat.

Die Zahl der weltweiten Drohneneinsätze hatte sich nach UN-Angaben in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Dies sei eine echte Herausforderung für das internationale Recht, sagte Emmerson. Zudem äußerte er die Befürchtung, dass in naher Zukunft auch Terroristen Drohnen einsetzen könnten, um Menschen zu töten.

USA halten Akten über Drohneneinsätze geheim

Er versicherte, dass die USA und Großbritannien ihm Unterstützung für seine Arbeit signalisiert hätten. Zugleich beklagte er "fehlende Transparenz" bei der Nutzung der unbemannten Fluggeräte.

Emmerson hatte die USA im vergangenen Jahr bereits mehrfach aufgefordert, ihre Drohnenangriffe zu begründen und zu untersuchen. Andernfalls müsse die Vereinten Nationen tätig werden. USA halten ihre Dokumente über die Angriffe – im Interesse der nationalen Sicherheit – bislang geheim.

Die USA setzen Drohnen unter anderem im Jemen, in Pakistan und in Afghanistan ein. In Afghanistan feuerten die Fluggeräte nach US-Angaben im letzten Jahr 506 Raketen ab. Im Jahr 2011 waren es lediglich 294 gewesen.

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Leserkommentare
  1. die Opfer jedes Krieges sind weiterhin unschuldige Zivilisten.
    Es werden zunehmend Kriege, tausende Kilometer außerhalb des eigenen Territoriums, gegen "Terroristen" geführt. Verletzt, getötet, verstümmelt werden aber nicht Terroristen, sondern Tausende "Terrorverdächtige". Also wehrlose Alte, Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer.
    Wie immer schon.
    Die Schuldigen an derartigen Kollateralschäden wurden und werden nie gefunden, erst recht nicht getroffen. Sie reichen sich am Ende über die Leichenberge die Hände, um neue Formen der Zusammenarbeit miteinander zu vereinbaren.
    In der Regel reicht es aus, wenn dann die schwächere Seite dem Stärkeren den ungehinderten Zugriff auf Rohstoffe seines Landes gegen persönliche Entlohnung anbietet.
    Klappt doch.

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    ..."Verletzt, getötet, verstümmelt werden aber nicht Terroristen, sondern Tausende "Terrorverdächtige".Also wehrlose Alte, Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer."

    Das ist schon richtig und bedauerlich, Ihre conclusio, daran wären insbesondere die USA schuld (da sie ja von Kräften "außerhalb" dieser Länder sprechen) ist jedoch falsch.

    Richtig ist vielmehr, dass für drei Viertel der Opfer Taliban und Konsorten verantwortlich sind:

    "Der Krieg in Afghanistan hat im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Zivilisten das Leben gekostet. Das ist die höchste Opferzahl seit fünf Jahren, wie aus einem Bericht der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA) hervorgeht. Seit 2007 steige die Zahl der Opfer kontinuierlich, hieß es von der UNAMA. "Immer mehr Männer, Frauen und Kinder in Afghanistan werden in diesem Krieg getötet." Zu lange schon zahlten afghanische Zivilisten den höchsten Preis für diesen Krieg, sagte Ján Kubis, der UN-Sondergesandte für Afghanistan.
    Für etwa 77 Prozent der Tötungen seien Angriffe der Aufständischen verantwortlich. Regierungsfeindliche Gruppen wie die Taliban und das mit ihr verbündete Haqqani-Netz hätten 2.332 Zivilisten getötet. Immer mehr Frauen und Kinder zählten zu den Todesopfern, schreibt die UNAMA. Grund dafür sei die geänderte Taktik der Taliban-Kämpfer: Sie verwendeten immer häufiger ferngezündete Bomben oder Sprengsätze, die wie Landminen funktionierten."

    http://www.zeit.de/politi...

  2. ..."Verletzt, getötet, verstümmelt werden aber nicht Terroristen, sondern Tausende "Terrorverdächtige".Also wehrlose Alte, Frauen, Kinder, Jugendliche und Männer."

    Das ist schon richtig und bedauerlich, Ihre conclusio, daran wären insbesondere die USA schuld (da sie ja von Kräften "außerhalb" dieser Länder sprechen) ist jedoch falsch.

    Richtig ist vielmehr, dass für drei Viertel der Opfer Taliban und Konsorten verantwortlich sind:

    "Der Krieg in Afghanistan hat im vergangenen Jahr mehr als 3.000 Zivilisten das Leben gekostet. Das ist die höchste Opferzahl seit fünf Jahren, wie aus einem Bericht der UN-Unterstützungsmission in Afghanistan (UNAMA) hervorgeht. Seit 2007 steige die Zahl der Opfer kontinuierlich, hieß es von der UNAMA. "Immer mehr Männer, Frauen und Kinder in Afghanistan werden in diesem Krieg getötet." Zu lange schon zahlten afghanische Zivilisten den höchsten Preis für diesen Krieg, sagte Ján Kubis, der UN-Sondergesandte für Afghanistan.
    Für etwa 77 Prozent der Tötungen seien Angriffe der Aufständischen verantwortlich. Regierungsfeindliche Gruppen wie die Taliban und das mit ihr verbündete Haqqani-Netz hätten 2.332 Zivilisten getötet. Immer mehr Frauen und Kinder zählten zu den Todesopfern, schreibt die UNAMA. Grund dafür sei die geänderte Taktik der Taliban-Kämpfer: Sie verwendeten immer häufiger ferngezündete Bomben oder Sprengsätze, die wie Landminen funktionierten."

    http://www.zeit.de/politi...

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    "Für etwa 77 Prozent der Tötungen seien Angriffe der Aufständischen verantwortlich. "

    Dann ist der Krieg ja ein voller Erfolg für die Afhganische Zivilbevölkerung. 23% werden von NATO/US-Truppen getötet und 77% von den verhassten Fundamentalisten,die die USA mit Hilfe Pakistans und Saudi-Arabiens im kalten Krieg gefördert hatten.US-Militärs entrichten amerikanischen Medien zufolge für jeden Truck ihrer Versorgungskonvois hohe Schutzgelder an Warlords und möglicherweise sogar an die "regierungsfeindlichen" Taliban.Diese verhandelten im übrigen 2012 mit der Karzai-Marionettenregierung über den Bau der TAPI-Pipeline.Aber nein,der Bau der Pipeline spielte selbstverständlich nie eine Rolle in diesem Krieg.
    http://newint.org/feature...

    Zum Thema Drohnenkrieg empfehle ich Jeremy Scahill's neuen Dokumentarfilm "Dirty Wars: The World is a Battlefield"
    http://www.democracynow.o...
    "And they—and so the soldiers raid this house, and they kill these people. And instead of realizing that they had made a horrible mistake and that the intelligence was wrong and it resulted in these people being killed, they actually covered up the killings. And we interview the survivors of this raid, including a man who watched, while he was zip-cuffed, soldiers, American soldiers, digging bullets out of his wife’s dead body." (Jeremy Scahill)

  3. Hierbei muss besonders berücksichtigt werden wer als Militant bzw. terrorverdächtig gilt und zwar alle Männer im Militäralter, typischerweise also die zwischen 18 und 65 werden als Militante definiert.
    So können natürlich die zivilen Opferzahlen kleingehalten werden.

    http://www.antikrieg.com/...

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  4. Drohnen töten (lediglich) Terrorverdächtige.
    Das wurde bereits im Artikel gesagt.
    Terrorverdächtige sind keine Zivilisten.
    Wes des Terrors nicht verdächtigt wird,
    braucht keinen Drohnentod zu fürchten.

    gms

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    Wer entscheidet über den Verdacht? Erhalten die Terrorverdächtigen posthum wieder die Stellung von Zivilisten, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt hat?

    Was macht man, um nicht des Terrors verdächtigt zu werden?

    Ich weiß, dass Sie das nur satirisch gemeint haben und konnte nicht widerstehen, die Satire noch etwas auszuführen.

    • Plupps
    • 24. Januar 2013 21:50 Uhr

    Legitimes Todesopfer ist, wen Obama auf der Liste ankreuzt . Seine Entourage inklusive. Kollateralschaden sind die Nachbarn - weil Versehen.
    Nach der Logik, müsste man auch die Taliban fragen, wer ihrer Meinung nach ein legitimes OPfer ist. Vermutlich jeder der vom Sheik auf die Liste gesetzt wird, also alle US-Helfer plus Familien. Kollateralschaden wäre dann ein Frommer, der zufällig des Weges kommt.

    Aber im Ernst: Der aberwitzige Vergleich soll nur illustrieren wie sehr die PR-Sprache des US-Militärs die Berichterstattung prägt. Aber bei Obama setzt es bei deutschen Medien schnell aus. Jedenfalls schwer vorstellbar, dass Todeslisten von Putin so geschluckt würden - wobei der ja keine abzeichnet

    3 Leserempfehlungen
  5. Wer entscheidet über den Verdacht? Erhalten die Terrorverdächtigen posthum wieder die Stellung von Zivilisten, wenn sich der Verdacht nicht bestätigt hat?

    Was macht man, um nicht des Terrors verdächtigt zu werden?

    Ich weiß, dass Sie das nur satirisch gemeint haben und konnte nicht widerstehen, die Satire noch etwas auszuführen.

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  6. ich dachte immer, "Terrorverdächtiger" sei ein Militäreuphemismus für "ziviles Opfer" - sonst wäre es ja ein Terrorist gewesen.

    Wodurch sich dann auch die ganzen Terrorverdächtigen erklären, die nicht einmal 10 Jahre alt sind...

    P.S.: warum macht man sich so viele Sorgen darüber, daß Terroristen Zivilisten töten könnten, während das Töten von Zivilisten durch westliche Militärmacht jahrelang als unbedenklich galt?

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    • xy1
    • 24. Januar 2013 22:40 Uhr

    Wo ist die Untersuchungskomission der UN über die durchweg zivilen Opfer der zahllosen Terrorakte der letzten Jahre an bevölkerungsreichen Plätzen?

    Sind diese nicht genau so erwähnenswert?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Opfer | Recht | USA | Afghanistan | Drohne | Ermittlung
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