US-Armee : Durch Selbstmord starben mehr US-Soldaten als im Afghanistan-Einsatz

Die Suizidrate in der US-Armee ist im vergangenen Jahr weiter gestiegen. Verteidigungsminister Panetta spricht von einem der dringlichsten Probleme der Streitkräfte.
US-Soldaten in Afghanistan © Tony Karumba/AFP/Getty Images

In den USA nehmen sich immer mehr Soldaten das Leben. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Selbstmorde auf 349 gestiegen, sagte Pentagonsprecherin Cynthia Smith. Das sind mehr Tote, als die Armee im selben Jahr durch Kampfhandlungen in Afghanistan zu verzeichnen hatte. Dort starben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP im vergangenen Jahr 295 US-Amerikaner, berichtet die Militärzeitung Stars and Stripes.

Die Zahl der Selbstmorde ist in den vergangenen Jahren dabei kontinuierlich gestiegen: Im Jahr 2010 waren es 295 Fälle, ein Jahr später 301. Am häufigsten nahmen sich Soldaten das Leben, die an den Kämpfen in Afghanistan beteiligt waren.

Die hohe Zahl an Selbsttötungen bereiten den US-Streitkräften seit Längerem Sorge. Verteidigungsminister Leon Panetta sprach bereits vor Monaten von "einem der komplexesten und dringlichsten Probleme" der Streitkräfte.

Steigende Zahl kam für viele überraschend

Trotz dieses Wissens waren die neuen Zahlen nach Angaben der Militärzeitung für viele überraschend. Es war angenommen worden, dass das Ende des Einsatzes im Irak und der bevorstehende Rückzug der Truppen aus Afghanistan die Fallzahlen beeinflussen würden.

David Rudd, Forscher an der Universität Utah, sagte Stars and Stripes, er rechne nicht damit, dass die Selbstmordrate in nächster Zeit rasch abnehmen werde. Soldaten seien bei ihrer Rückkehr in die Heimat mit zahlreichen Problemen konfrontiert: Sie hätten Schwierigkeiten eine Arbeit zu finden, Geld- und Beziehungsprobleme, Depressionen und nicht selten posttraumatische Stresssymptome und Suchtprobleme.

Das Pentagon kündigte Konsequenzen an. Panetta sagte, es müsse ein Klima geschaffen werden, das psychisch bedrängten Soldaten Hilfe biete. Dafür wurden nun unter anderem Telefon-Hotlines eingerichtet.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Ist er das?

Jeder Soldat der amerikanischen Armee weiss (oder könnte es wissen), für was und wen er den Kopf hinhält und entscheidet sich - aus meist wirtschaftlichen Gründen - für den Dienst an der Waffe. Und dies auch noch in der tiefen Überzeugung für "the home of the brave" das Richtige zu tun.
Diese Einstellung ist mit dafür verantwortlich, dass die USA in den letzten 50 Jahren die Welt mit Territorial- oder Rohstoff-Kriegen überziehen konnte.
In Deutschland sterben übrigens jährlich 10.000 Leute an Suizid - die interessiert aber niemand, da sich hier keine blutigen Schlagzeilen generieren lassen.