In den USA nehmen sich immer mehr Soldaten das Leben. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Selbstmorde auf 349 gestiegen, sagte Pentagonsprecherin Cynthia Smith. Das sind mehr Tote, als die Armee im selben Jahr durch Kampfhandlungen in Afghanistan zu verzeichnen hatte. Dort starben nach Angaben der Nachrichtenagentur AP im vergangenen Jahr 295 US-Amerikaner, berichtet die Militärzeitung Stars and Stripes.

Die Zahl der Selbstmorde ist in den vergangenen Jahren dabei kontinuierlich gestiegen: Im Jahr 2010 waren es 295 Fälle, ein Jahr später 301. Am häufigsten nahmen sich Soldaten das Leben, die an den Kämpfen in Afghanistan beteiligt waren.

Die hohe Zahl an Selbsttötungen bereiten den US-Streitkräften seit Längerem Sorge. Verteidigungsminister Leon Panetta sprach bereits vor Monaten von "einem der komplexesten und dringlichsten Probleme" der Streitkräfte.

Steigende Zahl kam für viele überraschend

Trotz dieses Wissens waren die neuen Zahlen nach Angaben der Militärzeitung für viele überraschend. Es war angenommen worden, dass das Ende des Einsatzes im Irak und der bevorstehende Rückzug der Truppen aus Afghanistan die Fallzahlen beeinflussen würden.

David Rudd, Forscher an der Universität Utah, sagte Stars and Stripes, er rechne nicht damit, dass die Selbstmordrate in nächster Zeit rasch abnehmen werde. Soldaten seien bei ihrer Rückkehr in die Heimat mit zahlreichen Problemen konfrontiert: Sie hätten Schwierigkeiten eine Arbeit zu finden, Geld- und Beziehungsprobleme, Depressionen und nicht selten posttraumatische Stresssymptome und Suchtprobleme.

Das Pentagon kündigte Konsequenzen an. Panetta sagte, es müsse ein Klima geschaffen werden, das psychisch bedrängten Soldaten Hilfe biete. Dafür wurden nun unter anderem Telefon-Hotlines eingerichtet.