Allerdings sammeln sich auch Unterstützer Hagels. Mehrere Politiker, darunter Zbigniew Brzezinski, Brent Scowcroft und Frank Carlucci, traten in einem offenen Brief an die Washington Post für Hagel ein. Michael Moore schrieb in der Huffington Post, Hagel habe immerhin 2007 die Wahrheit über den Irakkrieg gesagt – in dem sei es um Öl gegangen. Allerdings hat auch Hagel für den Einmarsch gestimmt.

Mehrere Kolumnisten der New York Times stellten sich hinter Hagel. So schrieb Roger Cohen, Hagel sei die richtige Wahl; die Führer der jüdischen Organisationen repräsentierten nicht die Mehrheit der Juden in Amerika. Und Tom Friedman meinte, Hagel wäre ein großartiger Verteidigungsminister. Auch die beiden den Demokraten nahestehenden pro-israelischen Lobbys Americans for Peace Now und J-Street setzen sich für Hagel ein. "Es ist beunruhigend, dass jemand mit dem Status von Chuck Hagel, der seinem Land gedient hat, in dieser Art und Weise verleumdet wird", sagte Jeremy Ben-Ami, Direktor von J-Street, der New York Times.

Es ist erstaunlich, dass Obama überhaupt so viel Gegenwind bekommt – dass er Hagel nominiert hat, um Netanjahu zu ärgern, darf man getrost in das Reich der Verschwörungstheorien verweisen. Denn eigentlich gehört die Nominierung zu den Versuchen, den Republikanern entgegenzukommen, die immerhin die Mehrheit im Repräsentantenhaus haben, wenn auch nicht im Senat. Auch Robert Gates, Obamas erster Verteidigungsminister, ist Republikaner. Für die Republikaner geht es nach der verlorenen Wahl aber womöglich nur darum, Streit mit Obama zu suchen, meint zumindest der demokratische Abgeordnete Chris Murphy aus Connecticut.

Geste an das Militär

Allerdings: Womöglich richtet sich Obamas Friedensangebot gar nicht an die Republikaner in Washington, sondern, quasi über deren Köpfe hinweg, an weiße, konservative Wähler im Mittelwesten, bei denen der Präsident nicht die Mehrheit hat. Die lautstarken Proteste der Lobby verstellen den Blick darauf, dass Hagel bei konservativen Wählern eher beliebt ist. Auch die meisten Leserkommentare in Zeitungen sind pro Hagel. Es gibt sogar eine Petition, Obama den Rücken zu stärken. Außerdem dürfte Hagels Nominierung auch eine Geste an das Militär sein.

Da das Trommelfeuer gegen Hagel bislang nicht gefruchtet hat, versuchen die Republikaner nun, Schützenhilfe von Liberalen zu erlangen: Die Vereinigung der schwulen Republikaner, die Log Cabin Republicans, haben eine ganzseitige Anzeige in der New York Times aufgegeben. Sie erinnern daran, dass der Senator 1998 die Ernennung von Bill Clintons Botschafter in Luxembourg, James Hormel kritisiert hatte. Dessen offene sexuelle Orientierung würde ihn davon ablenken, effektiv zu arbeiten. Dafür hatte sich Hagel erst kürzlich bei Hormel entschuldigt. Er hat sich aber auch gegen offen Schwule im Militär und gegen die gleichgeschlechtliche Ehe ausgesprochen und das nicht zurückgenommen. Dass ihn die Log Cabins dafür kritisieren, ist allerdings erstaunlich, liegt er doch damit voll auf der republikanischen Parteilinie.