Obamas Verteidigungsminister Der etwas andere Republikaner

Verkehrte Welt in Washington: US-Präsident Obama holt einen Republikaner als Verteidigungsminister, und der Applaus kommt vor allem von links.

Chuck Hagel (Archivbild)

Chuck Hagel (Archivbild)

Barack Obama, demokratischer Präsident der USA und gerade wiedergewählt, will einen Republikaner als Verteidigungsminister bestellen – und die Republikaner sind beleidigt. Hingegen werfen sich ausgewiesene Linke wie der Filmemacher Michael Moore für den Kandidaten in die Bresche. Es geht um Chuck Hagel, langjähriger Senator aus Nebraska und ein dekorierter Veteran des Vietnamkrieges, der heute an der Georgetown University in Washington lehrt.

Chuck Hagel sei ein amerikanischer Held, sagte Obama vor der Presse, und der erste einfache Soldat, der gedient habe und verwundet worden sei, der Verteidigungsminister werde. Der Senator, der im Einsatz seinen eigenen Bruder gerettet habe, sei "ein Champion" bei den Truppen. Er verstehe, was es bedeute, für Amerika zu kämpfen, im Schlamm und im Blut zu liegen.

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Mehrere republikanische Senatoren, darunter Lindsay Graham (North Carolina) und Susan Collins (Maine) haben sich gegen Hagel ausgesprochen. Hagel habe schon lange keine Bindung mehr an die Republikanische Partei, sagte Graham. Zudem wäre er der Verteidigungsminister in der Geschichte der USA, der gegenüber Israel am feindseligsten sei. Graham kündigte an, sich der Nominierung im Senat womöglich mit einem sogenannten Filibuster, einer Endlosrede, widersetzen zu wollen.

Hagel hat 2008 in einem Interview mit dem Diplomaten Aaron David Miller gesagt, die jüdische Lobby Aipac (American Israel Public Affairs Committee) schüchtere viele Politiker in Washington ein. Er aber sei Senator der Vereinigten Staaten, nicht Israels. Während er Israel unterstütze, gelte seine Loyalität der Verfassung der USA. Zudem hatte sich Hagel dagegen ausgesprochen, mehr Truppen in den Irak und Afghanistan zu schicken und gegen die Iran-Sanktionen gestimmt.

Daraufhin warf das Wall Street Journal Hagel vor, er unterstelle Politikern in Washington, nicht aus Überzeugung israel-freundlich zu sein, sondern aus Furcht. Der republikanische Senator John McCain, der 2008 gegen Obama unterlag, meinte, Hagel habe sich unangemessen geäußert. Dem schloss sich auch Joe Lieberman an, der frühere demokratische Senator aus Connecticut, nun parteilos.

"Außerhalb des Mainstreams"

Abraham Foxman von der Lobbyorganisation Anti-Defamation League sagte, Hagels Haltung zu Israel sei "disturbing", beklagenswert, sie grenze an Antisemitismus. Auch David Harris vom American Jewish Committee und Malcom Hoenlein von der Dachorganisation Conference of Presidents of Major American Jewish Organizations zeigten sich besorgt. Die Lobbyorganisation Israel Project schickte Materialien an Kongressmiglieder, um die Nominierung Hagels zu stoppen. Hagels Position zu Israel sei "außerhalb des Mainstreams sowohl der Demokraten als auch der Republikaner", sagte Josh Block vom Israel Project.

Noch mehr empören sich die Neokonservativen, die seit George W. Bushs Abgang kaltgestellt sind. Deren Hausorgan Weekly Standard, von Rupert Murdoch herausgegeben, beschuldigte Hagel, ein Antisemit zu sein. Standard-Chefredakteur Bill Kristol, der auch dem Emergency Committee on Israel vorsteht, sagte, die Amtsübername durch Hagel sei unverantwortlich. Kristol, der seine Karriere in Washington als Stabschef von Vizepräsident Dan Quayle begonnen hat, ist ein Neocon der ersten Stunde und zudem einer der frühen Förderer von Sarah Palin. Er initiierte auch die Kampagne der Republikanerin gegen die UN-Gesandte Susan Rice, die Obama zur Außenministerin machen wollte und der vorgeworfen wird, bei der Attacke auf das US-Konsulat in Bengasi nicht frühzeitig die Wahrheit gesagt zu haben.

Auch aus Israel kommt Kritik. Der israelische New-York-Times-Kolumnist Shmuel Rosner warf Hagel vor, der habe sich geweigert, Briefe zu unterzeichnen, um Israel gegen die zweite Intifada zu unterstützen und die Europäische Union zu drängen, die Hisbollah als terroristische Organisation anzuerkennen. Im Libanonkrieg habe Hagel beide Seiten aufgefordert, die Schlächterei zu beenden statt Israel zu unterstützen. Rosner betreibt das Blog The Israel Factor, das Noten an US-Politiker vergibt, was Israelfreundlichkeit angeht. Hier hätten sowohl Obama als auch Chuck Hagel die schlechtesten Noten erzielt, sagt Rosner. Hagel könne Obamas Rache an den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu sein, der im Wahlkampf für Mitt Romney eingetreten sei.

Leser-Kommentare
    • J-M
    • 08.01.2013 um 17:09 Uhr

    Die Redaktion hat an dieser Stelle journalistisch versagt, weil sie nicht von der meinung von J-Street, der größten progressiven israelischen Lobby in den USA, berichtet hat.

    Ein Klick auf den folgenden Link genügt, um zu sehen, wie viele Juden/Israelis in den USA zu der Nominierung stehen.

    http://jstreet.org/

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    Redaktion

    Liebe(r) J-M,

    damit liegen Sie offensichtlich falsch – ich zitiere von der zweiten Seite des Artikels:

    "Auch die beiden den Demokraten nahestehenden pro-israelischen Lobbys Americans for Peace Now und J-Street setzen sich für Hagel ein. "Es ist beunruhigend, dass jemand mit dem Status von Chuck Hagel, der seinem Land gedient hat, in dieser Art und Weise verleumdet wird", sagte Jeremy Ben-Ami, Direktor von J-Street, der New York Times."

    Beste Grüße, C. Luther

    • J-M
    • 09.01.2013 um 17:30 Uhr

    ...und ich habe Unrecht und zu schnell und zu hart geurteilt. Entschuldigung!

    Redaktion

    Liebe(r) J-M,

    damit liegen Sie offensichtlich falsch – ich zitiere von der zweiten Seite des Artikels:

    "Auch die beiden den Demokraten nahestehenden pro-israelischen Lobbys Americans for Peace Now und J-Street setzen sich für Hagel ein. "Es ist beunruhigend, dass jemand mit dem Status von Chuck Hagel, der seinem Land gedient hat, in dieser Art und Weise verleumdet wird", sagte Jeremy Ben-Ami, Direktor von J-Street, der New York Times."

    Beste Grüße, C. Luther

    • J-M
    • 09.01.2013 um 17:30 Uhr

    ...und ich habe Unrecht und zu schnell und zu hart geurteilt. Entschuldigung!

  1. obama hat israel materiell und militärisch noch stärker unterstützt,als die bush administration.daran wird sich grundsätzlich nichts ändern.dass obama eine andere siedlungspolitik israels will,ist kein geheimnis.dass obama sich von israel keine vorgaben machen lassen will,wie die weltmacht usa auf den iran reagieren soll,entspricht dem selbstverständnis einer grossen mehrheit der bevölkerung,nicht zuletzt belegt durch die überwiegende mehrheit der jüdischen wähler für obama ,trotz der plumpen einmischungsversuche netanyahus zugunsten romneys.die nominierung hagels ist somit nur folgerichtig.

  2. Redaktion

    Liebe(r) J-M,

    damit liegen Sie offensichtlich falsch – ich zitiere von der zweiten Seite des Artikels:

    "Auch die beiden den Demokraten nahestehenden pro-israelischen Lobbys Americans for Peace Now und J-Street setzen sich für Hagel ein. "Es ist beunruhigend, dass jemand mit dem Status von Chuck Hagel, der seinem Land gedient hat, in dieser Art und Weise verleumdet wird", sagte Jeremy Ben-Ami, Direktor von J-Street, der New York Times."

    Beste Grüße, C. Luther

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Schade Zeit-Online"
    • fse69
    • 09.01.2013 um 9:14 Uhr

    "...Der durchschnittliche US-Wähler bemisst seine Politiker nach anderen Kriterien. Der Streit verläuft innnerhalb der USA, und dreht sich um den richtigen American WAY of Life...."

    ... die Natur dieses sog. "Way of life", bzw. eine Besonderheit der amerikanischen Demokratiekultur: nämlich die Abhängigkeit von politischen Karrieren von Spenden, die schon längst ein mindestens so bedeutsamer Parameter für politischen Erfolg geworden sind, wie der letztlich ausschlaggebende Erfolg beim Wähler. Mit Wählerstimmen kann man als AIPAC einen US-Politiker nicht unmittelbar unter Druck setzen. Sehr wohl kann man ihm aber zu verstehen geben, dass man ihm erhebliche Steine in den Weg legen kann, was die Akquisition von unerlässlichen Spenden und Geldquellen anbelangt. Man kann durch Beziehungen innerhalb von Eliten Einfluss auf Nominierungen nehmen, usw. usf.

    Hier ein Auszug aus der deutschen Übersetzung der oben verlinkten Arbeit:

    "...Der Erfolg von AIPAC ist seiner Fähigkeit geschuldet, Gesetzgeber und Kongreßbewerber zu belohnen, wenn sie ihre Pläne unterstützen, oder zu bestrafen, wenn sie sie herausfordern. Geld ist bei US-Wahlen kritisch (...) und AIPAC stellt sicher, daß seine Freunde starke finanzielle Unterstützung durch die Myriaden von proisraelischen politischen Aktionskommittees erhalten. Diejenigen, die als israelfeindlich betrachtet werden, können im Gegensatz dazu sicher sein, daß AIPAC direkte Wahlkampfhilfe für ihre politischen Gegner propagieren wird..."

    Antwort auf "Es ist skurril"
  3. schüchtert nicht ein. Viel eleganter: AIPAC kauft sich den US Congress. Was bei uns als Bestechlichkeit mit korrupt-krimineller Färbung wahrgenommen würde, ist im politischen Alltag der USA gang und gäbe. So formulierte der Chef von Greenpeace International:
    "The US Congress is the best congress money can buy..."

    Eine Leser-Empfehlung
    • mores
    • 09.01.2013 um 17:01 Uhr

    Hoffentlich wird der nominierte VERTEIDIGUNGS(!)-Min. auch ernannt u. beendet die unendliche Gewaltspirale im Nahen Osten, anstatt Israel zu Gefallen den bereits programmierten Iran-Angriff zu forcieren!

    • J-M
    • 09.01.2013 um 17:30 Uhr

    ...und ich habe Unrecht und zu schnell und zu hart geurteilt. Entschuldigung!

    Antwort auf "Schade Zeit-Online"

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