InaugurationAmerika feiert die zweite Amtszeit Obamas

Hunderttausende haben in Washington die Vereidigung von Präsident Obama verfolgt. In seiner Antrittsrede für die zweite Amtszeit ging er auch auf umstrittene Themen ein.

US-Präsident Barack Obama führt mit Ehefrau Michelle die Vereidigungsparade an.

US-Präsident Barack Obama führt mit Ehefrau Michelle die Vereidigungsparade an.  |  © Doug Mills-Pool/Getty Images

In Washington haben Hunderttausende Menschen mit Präsident Barack Obama dessen offizielle Amtseinführung gefeiert. In einer Zeremonie auf den Stufen des Kapitols leistete Obama den Amtseid. Offiziell war der Präsident – im kleinen Rahmen – bereits am Sonntag für vier weitere Jahre vereidigt worden.

In seiner Antrittsrede beschwor Obama den Zusammenhalt der USA, um die anstehenden Herausforderungen zu meistern. "Mehr denn je müssen wir diese Dinge gemeinsam tun, als eine Nation und ein Volk", sagte der Präsident. Das Land müsse in der Wirtschaftspolitik, bei der Reform des Einwanderungsrechts, der Verbesserung des Bildungssystems und im Kampf gegen den Klimawandel handeln. "Wir können uns keine Verzögerungen leisten", sagte er. Kommentatoren sprachen von einer ungewöhnlich konkreten Antrittsrede – Obama habe unmissverständlich klargestellt, dass er die nächsten vier Jahre nutzen will.

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Obama präsentierte die Vision einer offenen und toleranten Nation, die sich der Gleichheit aller Bürger verpflichtet sieht. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis unsere homosexuellen Brüder und Schwestern rechtlich wie alle anderen behandelt werden", sagte er. "Unsere Reise wird nicht vollendet sein, bis wir einen besseren Weg finden, die aufstrebenden, hoffnungsfrohen Einwanderer willkommen zu heißen."

"Jahrzehnt des Krieges" ist vorbei

Der Präsident erneuerte seinen Ruf nach mehr sozialer Gerechtigkeit, der bereits seinen Wahlkampf im Herbst gegen den republikanischen Herausforderer Mitt Romney bestimmt hatte. Die USA könnten nicht erfolgreich sein, "wenn es immer weniger Menschen sehr gut geht und eine wachsende Mehrheit kaum über die Runden kommt", sagte Obama. Frauen müssten gemessen an ihren Leistungen bezahlt werden, Kinder aus armen Familien die gleichen Chancen wie alle andere auch erhalten.

Obama ging auch auf die Rolle der USA in der Welt und ihr Eintreten für den Frieden ein. "Wir glauben weiterhin, dass anhaltende Sicherheit und dauerhafter Frieden keinen immerwährenden Krieg erfordern." Ein "Jahrzehnt des Krieges" sei vorbei. Die Vereinigten Staaten würden aber auch weiterhin von Asien bis Afrika, vom Nahen Osten bis Lateinamerika die Demokratie unterstützen. Amerika müsse weiterhin "eine Quelle der Hoffnung für die Armen, die Kranken und die Marginalisierten sein".

Die Menschenmassen, die sich seit dem frühen Morgen vor dem Kapitol versammelt hatten, jubelten und schwenkten US-Flaggen. Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt waren bis zu 800.000 Zuschauer auf der National Mall erwartet worden. Viele von denen, die nicht dort sein konnten, diskutierten das Ereignis auf Twitter.  Das Fernsehen übertrug live.

Nach dem Amtseid und der Rede führte Obama die traditionelle Vereidigungsparade an. Hunderttausende Menschen säumten die Straßen, als die Limousine mit dem Präsidenten und der First Lady im Schritttempo vom Kapitol in Richtung Weißes Haus fuhr – gefolgt von Musikkapellen und Festumzugswagen. Wie vor vier Jahren stieg das Paar auf der Strecke aus und ging zu Fuß weiter, um der jubelnden Menge zuzuwinken. Am Abend wollen die Obamas zwei Partys besuchen.

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Leserkommentare
  1. I think so.

    Unter dem unmittelbaren Eindruck der Rede Obamas:
    Von was für Kleingeistern werden wir in Deutschland regiert!

    God bless Germany!

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es war eine hervorragende Rede. Es war überhaupt eine überwältigende Zeremonie.

    Fahnen, Nationalhymne, Liebe zum Land, ... you name it! Und vor allen Dingen: Respekt vor der demokratischen Institution (auch wenn es dem Boehner sichtlich schwer fiel).

    [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

  2. wegweisend. Freiheit, Verantwortung für "schwächere", die Ahnen und und und. So eine Rede zeugt von Größe, die ich tatsächlich nicht aus dem Bundestag kenne. Es wird sich noch zeigen,..ob das "Geld" oder das "Volk" das sagen hat.

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    Solche Reden hört man auch nicht oft im Senat oder Kongress. Also der Vergleich zum Bundestag hingt! Aber ja Obama ist ein Mann der mit Worten sehr gut umgehen kann, habe ihn 2007 mal in New York sprechen gehört!

    ...bei der Umsetzung haperts dann doch - wie bei einem deutschen Politiker auch.

  3. Solche Reden hört man auch nicht oft im Senat oder Kongress. Also der Vergleich zum Bundestag hingt! Aber ja Obama ist ein Mann der mit Worten sehr gut umgehen kann, habe ihn 2007 mal in New York sprechen gehört!

  4. Es war eine hervorragende Rede. Es war überhaupt eine überwältigende Zeremonie.

    Fahnen, Nationalhymne, Liebe zum Land, ... you name it! Und vor allen Dingen: Respekt vor der demokratischen Institution (auch wenn es dem Boehner sichtlich schwer fiel).

    [...]

    Gekürzt. Bitte beachten Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/ls

  5. ... sollte man in Deutschland den Amtseid von PolitikerInnen auch zu so einer Massenveranstaltung machen. Vielleicht würde es dann ein paar Leuten mehr auffallen, dass dieselben Leute anschließend den Eid brechen, indem sie permanent eine Realpolitik machen, die vom Verfassungsgericht korrigiert werden muss.

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    In Deutschland wird nur eine ganz, ganz kleine Zahl von Gesetzen vom Verfassungsgericht beanstandet:
    http://www.bundesverfassu...
    Sie verbreiten also einen Mythos.

  6. In Deutschland wird nur eine ganz, ganz kleine Zahl von Gesetzen vom Verfassungsgericht beanstandet:
    http://www.bundesverfassu...
    Sie verbreiten also einen Mythos.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Vielleicht..."
  7. ...bei der Umsetzung haperts dann doch - wie bei einem deutschen Politiker auch.

  8. Ich war heute nachmittag etwas müde und muß wohl vor dem Fernseher eingeschlafen sein. Ich träumte, das in Amerika eine neue Zeit anbricht. In meinem Traum war ich hellwach, als ich hörte, das die beiden Präsidenten Bush nicht zur historischen Amtseinführung des ersten wiedergewählten schwarzen Präsidenten gekommen sind. „Now it´s serious“, dachte ich Die Atmosphäre bei den künstlerischen Beiträgen lie0en Flower Power Zeiten anklingen. We, the poeple, erinnerten hingegen an „Wir sind das Volk“. President Obama sprach von einer Erneuerung der Verfassung Amerikas, orientiert an der Würde des Menschen. Er sprach von den unveräußerlichen Menschenrechten, der Würde des Menschen, aller Menschen, aller Amerikaner, aber auch aller anderen Menschen. Er erneuerte das Versprechen des amerikanischen Traums, das alle Menschen gleich sind, und die gleichen Chancen bekommen sollen. Ein historischer Wendepunkt Amerika, oder nur ein Traum? Viel Kraft und viel Glück Amerika

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters jam
  • Schlagworte Barack Obama | Reise | Wirtschaftspolitik | Amtseid | Frieden | Klimawandel
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