USADie unverzichtbare Nation

Trotz des sich abzeichnenden Ostasien-Schwenks: US-Präsident Obama wird auch in seiner zweiten Amtszeit um eine starke Nahost-Präsenz nicht herumkommen. von Nora Müller

US-Präsident Barack Obama

US-Präsident Barack Obama in Fort Bragg, North Carolina  |  © Davis Turner/Getty Images

"Stell' Dir vor, es brennt in Nahost und wir gehen nicht hin!" Ob Barack Obama, dessen zweite Amtszeit nun offiziell beginnt, insgeheim schon einmal diese außenpolitische Option erwogen hat, ist nicht bekannt. Fest steht aber: Der US-Präsident wird Amerikas Positionierung als pazifische Macht weiter vorantreiben und Washingtons nahöstliche Verstrickungen – unliebsames Erbe der Bush-II-Ära – schnellstmöglich lösen. Der Schwenk Richtung Asien, das nicht nur die wirtschaftlich dynamischste Weltregion, sondern auch der Schauplatz wachsender Rivalität zwischen den Großmächten USA und China ist, macht nicht zuletzt aus budgetären Gründen Einschnitte auf anderen Feldern der US-Außenpolitik unumgänglich.

Nora Müller

ist als Projektleiterin im Bereich Internationale Politik der Körber-Stiftung tätig.

Angesichts der Nahost-Müdigkeit vieler Amerikaner und der Aussicht auf vor allem Schiefergas-bedingte Energieunabhängigkeit scheint aus Washingtons Sicht ein allmählicher Rückzug aus dem Krisen-geplagten Nahen und Mittleren Osten eine sinnvolle Option. Die Ironie der Geschichte: Je intensiver die Obama-Administration den Pivot to Asia forciert, desto stärker zwingen die Ereignisse in Nahost die USA dazu, sich gerade mit der Region zu beschäftigen, aus der sie sich doch peu à peu zurückziehen wollen. Heute ist die Lage im Nahen und Mittleren Osten fragiler denn je: Eine Politik des "Wir sind dann mal weg" kann es für Washington auf absehbare Zeit daher nicht geben.

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Der Wandel in der arabischen Welt ist eingetreten ohne Zutun der USA und nicht immer mit der Stoßrichtung, die man sich in Washington und anderen westlichen Hauptstädten erhofft hatte. Kein Zweifel: Bei der Bewertung der Arabischen Revolution ist strategische Geduld gefragt. Gleichzeitig ist unverkennbar, dass die Auflösung der alten Ordnung in den Transformationsstaaten kurzfristig eher zu weniger als zu mehr Stabilität geführt hat. Der blutige Bürgerkrieg in Syrien belegt dies ebenso wie die Verhärtung der politischen Fronten zwischen Muslimbrüdern und ihren Gegnern in Ägypten und die mühsame Suche nach einer neuen Ordnung im Post-Gaddafi-Libyen. Und nicht zu vergessen: die überkommenen regionalen Konfliktherde – vor allem die erst vor wenigen Wochen wieder eskalierten Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern und der Streit um das iranische Nuklearprogramm – deren Lösung umso dringlicher geworden ist.

Kommt es zum Re-Pivot Richtung Westen?

Martin Indyk, Washingtoner Nahost-Experte und Exspitzendiplomat, mag das Kind mit dem Bade ausschütten, wenn er angesichts dieser regionalen Entwicklungen einen Re-pivot, einen Rück-Schwenk weg von Asien und zurück zum Nahen Osten fordert. In einem Punkt jedoch hat er recht: Der Nahe und Mittlere Osten wird auch weiterhin beachtliche Ressourcen amerikanischer Diplomaten und Militärs binden. Die USA sind in Nahost bis auf Weiteres eine unverzichtbare Nation. Denn wer sonst verfügt über vergleichbare militärische und politische Ressourcen, um zur Stabilisierung einer Region beizutragen, die mittelfristig ein Unsicherheitsfaktor mit globaler Ausstrahlung bleiben wird? Die Antwort lautet: niemand. Auch nicht wir Europäer. Spätestens die Libyen-Intervention 2011 hat deutlich gemacht: Ohne die USA und ihre militärische Potenz geht es nicht.

Und vergessen wir eines nicht: Amerika hat handfeste Interessen im Nahen und Mittleren Osten. Dazu gehören die Sicherheit Israels ebenso wie die Terrorismusbekämpfung, die Nichtverbreitung von ABC-Waffen, die Freiheit von Handels- und Verkehrsrouten und – zumindest für die nächsten Jahre noch – der Zugang zu den Öl- und Gasquellen der Region. Selbst für den Fall, dass die USA in puncto Energieversorgung einmal autark sein sollten: Die großen asiatischen Volkswirtschaften, unter ihnen auch wichtige US-Verbündete wie Japan und Südkorea, wären weiterhin von Öl und Gas aus Nahost abhängig, nicht nur als Energieträger, sondern auch als Rohstoff zur Herstellung verschiedenster Hightech-Waren. Am Ende könnte es auch die globalisierte Wirtschaft sein, die Amerika im Nahen und Mittleren Osten hält.

Leserkommentare
  1. Und letzteres (die japanische Politik) ist Schuld der USA? Seltsam....

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    für Sie?

    • 可为
    • 21. Januar 2013 13:00 Uhr

    einem Russen - es gab im 2.WK keinen keine humanitären Gründe sich mit Stalin gegen Hitler und nicht mit Hitler gegen Stalin zu verbünden - alles klare Interessenpolitik.

    Was unseren Vorteil, Freiheit, Demokratie und sturz der Diktatur bedeutet, bedeutete für die Russen das genaue Gegenteil.
    Um nicht zu sagen unsere Befreiung ist nicht Ziel, sondern lediglich Abfallprodukt der US-Politik; sowie unsere tolle Stellung als Königskind nur dem kalten Krieg zu verdanken ist - da gibt es ebenfalls kein Interesse an uns per se, wichtig ist für die USA nur, dass wir einen freien Markt haben...

    Antwort auf "Relativierung"
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    1. Für das Bestehen der Dikattur in Russland sind die USA nicht verantworlich.
    2. Ich habe hier in Sachen Motivlage schon erläutert, dass ich diesen Einwand für etwas seltsam halte.
    3. Ich glaube nicht, dass es nur um den reinen Markt ging (das wäre möglicherweise auch mit dem NS Regime zu haben gewesen); wohl aber um ein Motivbündel. Wie auch immer: es hat uns genutzt, es hat Europa genutzt: 1945 dem Westen, nach 1990 auch dem Osten.

  2. 1. Für das Bestehen der Dikattur in Russland sind die USA nicht verantworlich.
    2. Ich habe hier in Sachen Motivlage schon erläutert, dass ich diesen Einwand für etwas seltsam halte.
    3. Ich glaube nicht, dass es nur um den reinen Markt ging (das wäre möglicherweise auch mit dem NS Regime zu haben gewesen); wohl aber um ein Motivbündel. Wie auch immer: es hat uns genutzt, es hat Europa genutzt: 1945 dem Westen, nach 1990 auch dem Osten.

    Antwort auf "Erzählen sie das mal"
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    • 可为
    • 21. Januar 2013 13:08 Uhr

    sind die USA aber auch nicht für den Sturz der Diktatur in Dtld. verantwortlich!
    Ausserdem wäre es völlig egal gewesen, welche Hälfte Europas nach 45 in Diktatur ohne freien Markt verbleibt...Was wenn nicht der freie Markt waren denn dann die Gründe?

    • 可为
    • 21. Januar 2013 13:08 Uhr

    sind die USA aber auch nicht für den Sturz der Diktatur in Dtld. verantwortlich!
    Ausserdem wäre es völlig egal gewesen, welche Hälfte Europas nach 45 in Diktatur ohne freien Markt verbleibt...Was wenn nicht der freie Markt waren denn dann die Gründe?

    Antwort auf "Erzählen Sie mal...."
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    1.Den Verweis auf die Diktatur in D. verstehe ich nicht. Bezweifeln Sie, dass die USA am 2. WK teilgenommen haben?
    2. Es ist natürlich eine Tragödie, dass Ost- und Mitteleuropa 1945 nicht frei wurde. Dafür liegt die Verantwortung (zumindest ganz wesentlich) nicht bei den USA.
    3. Ich denke, dass die USA von ganz verschiedenen Gründen angetrieben wurden, darunter auch, nicht Europa ganz in den Fängen diverser totalitärer Regime aufgehen zu sehen.

  3. 45. Gründe

    1.Den Verweis auf die Diktatur in D. verstehe ich nicht. Bezweifeln Sie, dass die USA am 2. WK teilgenommen haben?
    2. Es ist natürlich eine Tragödie, dass Ost- und Mitteleuropa 1945 nicht frei wurde. Dafür liegt die Verantwortung (zumindest ganz wesentlich) nicht bei den USA.
    3. Ich denke, dass die USA von ganz verschiedenen Gründen angetrieben wurden, darunter auch, nicht Europa ganz in den Fängen diverser totalitärer Regime aufgehen zu sehen.

    Antwort auf "Wenn sie es so sehen,"
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    • 可为
    • 21. Januar 2013 14:12 Uhr

    bezweifeln sie, dass sie mit Stalin verbündet waren?
    zu 3.: warum nicht?

    • 可为
    • 21. Januar 2013 14:12 Uhr

    bezweifeln sie, dass sie mit Stalin verbündet waren?
    zu 3.: warum nicht?

    Antwort auf "Gründe"
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    ad 1: natürlich nicht.
    ad 2: wahrscheinlich, weil die politische Elite in den USA (damals) der Auffassung war, dass "der Westen", d.h. Werte wie Demokratie, Freiheit, Grundrechte verteidigenswert sind. Und es hat ja auch geklappt.

  4. ad 1: natürlich nicht.
    ad 2: wahrscheinlich, weil die politische Elite in den USA (damals) der Auffassung war, dass "der Westen", d.h. Werte wie Demokratie, Freiheit, Grundrechte verteidigenswert sind. Und es hat ja auch geklappt.

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    • 可为
    • 21. Januar 2013 14:37 Uhr

    die ganze Zeit versuche zu verdeutlichen - falls dies der Fall gewesen wäre, hätte man auch Stalin angreifen müssen, der sich Polen gegenüber ebenfalls als Aggressor gezeigt hat, und diese Werte genauso wenig, wenn nicht noch weniger vertrat als Dtld.. Mit ihm hat man sich aber verbündet - und das nach ihrer Aussage, um "Werte wie Demokratie, Freiheit, Grundrechte" zu verteidigen?!

    Das sind Entscheidungen die bereits 39 gefällt wurden, und somit offiziell von GB und Frankreich stammen - aber wenn sie die Schuld für den Fortbestand der SU nach 45 nicht bei den USA sehen, dann können sie auch den Verdienst des Sturzes der Nazis bei ihnen ansetzen. Beides sind Resultate der selben Entscheidung!

    • 可为
    • 21. Januar 2013 14:37 Uhr

    die ganze Zeit versuche zu verdeutlichen - falls dies der Fall gewesen wäre, hätte man auch Stalin angreifen müssen, der sich Polen gegenüber ebenfalls als Aggressor gezeigt hat, und diese Werte genauso wenig, wenn nicht noch weniger vertrat als Dtld.. Mit ihm hat man sich aber verbündet - und das nach ihrer Aussage, um "Werte wie Demokratie, Freiheit, Grundrechte" zu verteidigen?!

    Das sind Entscheidungen die bereits 39 gefällt wurden, und somit offiziell von GB und Frankreich stammen - aber wenn sie die Schuld für den Fortbestand der SU nach 45 nicht bei den USA sehen, dann können sie auch den Verdienst des Sturzes der Nazis bei ihnen ansetzen. Beides sind Resultate der selben Entscheidung!

    Antwort auf "Antworten"
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    Nein, das sehe ich nicht so:
    1. Natürlich ist Geschichte insgesamt unvollkommen, hart, blutig. Die westlichen Alliierten haben gemeinsame Sache mit Stalin gemacht, zu einem hohen Preis. Was wäre die Alternative gewesen.
    2. Die These, wenn man nicht alles schaffe, dann habe man nichts geschaft, ist totalitär.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Barack Obama | Europäische Union | USA | USA | Asien | Euro-Krise
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