US-SenatGabrielle Giffords wirbt eindringlich für schärferes Waffenrecht

Im US-Senat haben die Beratungen über eine Reform des Waffenrechts begonnen. Zum Auftakt wirbt Giffords mit einem emotionalen Auftritt für eine Verschärfung.

Mit einem emotionalen Auftritt der bei einem Attentat verletzten früheren Abgeordneten Gabrielle Giffords hat im US-Senat die Diskussion um ein verschärftes Waffenrecht begonnen. Giffords rief den Kongress zum Handeln auf: "Wir müssen etwas tun. Es wird schwer sein, aber jetzt ist die Zeit", sagte die frühere Abgeordnete der Demokraten, die noch immer Mühe hat, sich zu artikulieren.

Im Senat wird ein Gesetzentwurf der Demokraten von Präsident Barack Obama behandelt, der das Verbot von halbautomatischen Waffen vorsieht. "Gewalt ist ein großes Problem. Zu viele Kinder sterben", sagte Giffords mit Bezug auf den Amoklauf von Newtown.

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Giffords war im Januar 2011 selbst Opfer eines Anschlags geworden: Als sie ihren Wahlkreis im Bundesstaat Arizona besuchte, schoss ein junger Mann ihr aus nächster Nähe in den Kopf. Die Politikerin überlebte schwer verletzt. Sechs Menschen starben, darunter ein neunjähriges Mädchen.

Giffords und ihr Mann trotzen NRA

Bei dem Amoklauf in einer Grundschule in Newtown hatte ein junger Mann Mitte Dezember 20 Kinder und 6 Erwachsene erschossen, bevor er sich selbst tötete. Obama forderte den Kongress daraufhin auf, schärfere Waffengesetze zu verabschieden. Der im Senat diskutierte Entwurf würde die Herstellung, die Einfuhr und den Verkauf von mehr als 150 verschiedenen, meist halbautomatischen Waffen untersagen. Außerdem ist ein Verbot von Magazinen mit mehr als zehn Patronen geplant.

Zur Anhörung wurde Giffords von ihrem Ehemann Mark Kelly begleitet. Die Politikerin und der Ex-Astronaut hatten Anfang Januar die Initiative Americans for Responsible Solutions (Amerikaner für verantwortungsbewusste Lösungen) gegründet, die sich für eine Verschärfung des Waffenrechts einsetzt und der mächtigen Waffenlobby NRA in der öffentlichen Debatte Paroli bieten soll.

NRA lehnt jede Verschärfung ab

Im Senat sagte auch der Vize-Präsident der NRA, Wayne LaPierre, aus. Er gab dabei die bekannte Position seiner Organisation wieder: Schärfere Waffengesetze seien "keine ernste Lösung für die Verringerung von Kriminalität", sagte er. "Gesetzestreue Waffenbesitzer werden nicht akzeptieren, für die Taten von gewalttätigen oder gestörten Kriminellen verantwortlich gemacht zu werden."

Die Erfolgschancen für eine Verschärfung des Waffenrechts sind nicht besonders groß: Traditionell sperren sich die Republikaner in Senat und Repräsentantenhaus gegen strengere Regeln. Auch Abgeordnete von Obamas Demokraten, die ländliche Wahlkreise vertreten, lehnen eine Verschärfung ab.

Bei den Anhörungen soll es deshalb darum gehen, eine im Senat und Repräsentantenhaus mehrheitsfähige Schnittmenge auszuloten. Nach Einschätzung des demokratischen Senators Charles Schumer dürfte dies am ehesten bei den strengeren Hintergrund-Überprüfungen von allen Waffenkäufern der Fall sein. Bislang müssen nur Besitzer von Waffenläden ihre Kunden überprüfen. Die Regierung schätzt, dass 40 Prozent aller Käufer solche Kontrollen umgehen, indem sie sich ihre Waffe von Privatleuten oder auf Messen besorgen.
 

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Leserkommentare
  1. keine Autorität hat - wer dann? Hoffentlich hat sie Erfolg!

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    der Status Geschädigter garantiert nicht automatisch Fachkompetenz.

    Die Unterstützung dieses "Verschärfungsvorschlages" disqualifiziert eigentlich von Selbst.

    Zumal, die Geschädigte sollte das wissen, wohl mehr als 90 % aller Delikte mit Kurzwaffen begangen werden.....

    Beste Grüße CM

  2. Solange ein Großteil der Bevölkerung der Absurden Meinung ist, dass mehr Waffen mehr Sicherheit bedeuten, sehe ich schwarz für dieses Land. Es werden noch zahlreiche Menschen (leider auch Kinder) sterben müssen, bevor hier ein Umdenken stattfindet.

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  3. der Status Geschädigter garantiert nicht automatisch Fachkompetenz.

    Die Unterstützung dieses "Verschärfungsvorschlages" disqualifiziert eigentlich von Selbst.

    Zumal, die Geschädigte sollte das wissen, wohl mehr als 90 % aller Delikte mit Kurzwaffen begangen werden.....

    Beste Grüße CM

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    um zu erkennen, dass die leichte Verfügbarkeit von allen möglichen Waffen in den USA ein Problem ist? Nein, diese Fachkompetenz hat Frau Gifford möglicherweise nicht - und haben vielleicht auch nicht die Eltern der Opfer von Newtown. Es gibt jedoch auch so etwas wie die Autorität der Opfer - denn sie wissen besser, wovon wirklich die Rede ist.

    Wer, wenn nicht sie, weiß am besten, welche Waffen sich für welche Art von Verbrechen eignen?

  4. der Gesetzentwurf sieht eben nicht das Verbot halbautomatischer Waffen vom Funktionsprinzip her vor, sondern bestimmte Baumuster und läßt viele andere Baumuster nach dem Gleichen Funktionsprinzip unberührt!

    Technisch völlig sinnlos im kriminalpräventiven Zweck, könnte deshalb auch juristisch einfach anfechtbar sein da dieser Entwurf den Kern des Scheiterns schon in seinem mangelhaften Ansatz beinhaltet.

    Eigentlich nur ein aufgeblasener Feinstein-Act, der aus Sicht der Gefahrenabwehr auch nur eine Lachnummer war.

    Beste Grüße CM

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  5. Auf Anhieb finde ich keine englischsprachige Quelle die dies bestätigt. Es ist immer von "assault weapons ban" die Rede.

    Das einzige Sturmgewehr (engl. assault rifle) das ich schon in der Hand hatte (G36 als Grundwehrdienstleistender) bot die Möglichkeit entweder einen vollautomatischen Modus (=Dauerfeuer) und einen halbautomatischen Modus (=Einzelfeuer) einzustellen. Halbautomatisch bedeutet also nur, dass die Waffe automatisch die nächste Patrone in die Kammer einführt.

    Ich glaube eigentlich, dass es bei dem Vorschlag darum geht *voll*automatische Waffen zu verbieten, also solche die Dauerfeuer ermöglichen. Denn halbautomatische Waffen gibt es wirklich sehr viele, auch übliche Handfeuerwaffen. Kann es sein, dass das ein Fehler im Artikel ist?

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    Das Bushmaster-Gewehr des Amokläufers war ebenfalls nur eine halbautomatische Waffe. Aber auch damit ließ sich eine "ansehnliche" Kadenz erzielen.

    Sturmgewehre unterscheiden sich von gewöhnlichen Handfeuerwaffen noch durch folgende Eigenschaften:

    Mit ihnen kann man, im Vergleich zu einer Pistole, wesentlich treffsicherer schießen.

    Gewehre mit einer höheren Präzision, wie Jagdgewehre oder auch Scharfschützengewehre, sind im Nachbereich eher ungeeignet und haben in der Regel nur sehr kleine Magazine.

    Die Durchschlagskraft ist wesentlich höher, als bei einem Revolver, so dass normale Schutzkleidung, z.B. von Polizei und Sicherheitskräften durchschlagen werden kann.

    Diese Waffen sind als Verteidungswaffen ziemlich sinnlos, da man diese Art Waffen in der Regel nicht bei sich trägt.

    Ein Amokläufer, der solch ein Sturmgewehr hat und vielleicht noch eine Schutzweste trägt, ist selbst für die Spezialkräfte der Polizei ein sehr großes Risiko. Hat ein Täter aber weniger durchschlagskräftige Waffen und muss diese oft nachladen, so ergeben sich für die Einsatzkräfte Zeitfenster, indenen sie die Initiative übernehmen können.

    Alles, was zu einer Abrüstung in diesem Sektor beiträgt, ist daher zu begrüßen. Die Personen, die Handfeuerwaffen lediglich zu ihrem eigenen Schutz tragen, wären von diesen Regelungen nicht betroffen.

    Wenn man keine Ahnung hat...
    ...sollt man sih kundig machen.

    Nein, "richtige" Sturmgewehre sind in den USa schon seid den 30ern unterstrenger Kontrole und dürfen seid 1986nicht mehr neu in Umlauf gebracht werden. Es geht drzeit um habautomatischen Waffen, genau genommen solche, die wie Sturmgewehre aussehen.

    Der Begriff "Assault Weapon" lässt sich am besten mit dem Begriff "Anscheinswaffe" nach §37 WaffG76 vergleichen. Und jetzt: google marsch!

  6. im Artikel wird ausgführt, dass die Erfolgschancen für eine Verschärfung des Waffenrchts gering sind. In der Denke der NRA ist Gifford ein bedauerlicher Kollateralschaden, der sogar hätte vermieden werden können durch mehr Waffen, wenn nämlich Gifford und Begleiter besser mit Waffen hätten umgehen können.

    Waffen werden dann in den USA verboten, wenn die Amerikaner erkennen, dass die Story vom Tellerwäscher zum Millionär eine Mythos ist, und dass es so etwas wie eine Klassengesellschaft gibt, und dass für die Misere der x% 10% die Verantwortung tragen, und eine Minderheit oder eine Terrorgruppe mit Gewalt gegen die Geld Machtelite vorgeht.

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    Viele Waffenbefürworter würden Ihnen darauf antworten, dass sie für freien Waffenbesitz sind, um im Ernstfall gerade einen solchen bewaffneten Widerstand auch gegen "Washington" zu ermöglichen. In diesem Sinne halten sie das Recht auf Waffenbesitz für einen Garanten der Demokratie, die man zur Not eben auch gegen "Washington" verteidigen muss.

    Und ja wahrscheinlich bedauern sie Gifford dennoch, argumentieren aber wahrscheinlich zugleich, dass es weniger Gewaltverbrechen geben würde, wenn sich jeder Bürger ungeachtet der eigenen Sicherheit maximal gegen Verbrecher wehren würde. Sicherheit durch Abschreckung sozusagen. Dies hat bei der Besiedlung des Westens gegen Kriminelle funktioniert (der "Wilde Westen" war in der Tat sicherer, als man denkt) und hat auch "die Kommunisten" im Kalten Krieg in Schach gehalten. Gelegentliche "Tragödien" gelten in diesem Denken als "Preis der Freiheit".

    In diesem Sinne wäre es sinnvoller, wenn die US Gesellschaft einfach mitfühlender werden würde. Das muss noch nicht einmal über den Staat laufen, sondern kann auch über private Initiativen laufen. Gerade private Initiativen würden dabei dem konservativen Denken in den USA entgegen kommen. Genau dieses Denken muss aber so langsam mal gestärkt werden, wenn die US Amerikaner ihre Waffen behalten und gleichzeitig die Gewalt senken möchten.

  7. um zu erkennen, dass die leichte Verfügbarkeit von allen möglichen Waffen in den USA ein Problem ist? Nein, diese Fachkompetenz hat Frau Gifford möglicherweise nicht - und haben vielleicht auch nicht die Eltern der Opfer von Newtown. Es gibt jedoch auch so etwas wie die Autorität der Opfer - denn sie wissen besser, wovon wirklich die Rede ist.

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    Richtig, zumal ja sonst von der Lobby immer sofort aufgeschrien wird, wenn die Opfer von Schusswaffen für schärfere Waffengesetze "instrumentalisiert" werden - weil man nach solchen Ereignissen eine Debatte anstrengen will. Da wird gesagt, man wisse ja schlielich nicht, was die Opfer wirklich dazu sagen würden, denn man kann sie ja schließlich nicht mehr fragen.

    Hier haben wir aber ein Opfer dass sich glücklicherweise noch selbst zu Wort melden kann. Da sollte man dann vielleicht doch mal zuhören.

    im Interesse an einer zweckmäßigen Gefahrenabwehr ist es definitv nicht hilfreich oder zielführend, wenn mit erratischen und emotional beladenen Positionen zu argumentieren.

    Ein Geschädigter "weiß" nix, schon garnicht besser; jedenfalls liefert er nur durch den med. Befund aussagekräftige Daten.

    Beste Grüße CM

  8. Richtig, zumal ja sonst von der Lobby immer sofort aufgeschrien wird, wenn die Opfer von Schusswaffen für schärfere Waffengesetze "instrumentalisiert" werden - weil man nach solchen Ereignissen eine Debatte anstrengen will. Da wird gesagt, man wisse ja schlielich nicht, was die Opfer wirklich dazu sagen würden, denn man kann sie ja schließlich nicht mehr fragen.

    Hier haben wir aber ein Opfer dass sich glücklicherweise noch selbst zu Wort melden kann. Da sollte man dann vielleicht doch mal zuhören.

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, tis
  • Schlagworte Barack Obama | US-Senat | Amoklauf | Charles Schumer | Grundschule | Repräsentantenhaus
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