US-Waffenindustrie : Gewehre für Kinder

Die amerikanische Waffenindustrie wirbt um Nachwuchs. Millionen Dollar gehen in Werbung und Lobbyarbeit, damit mehr Kinder mehr Pistolen und Gewehre in die Hand bekommen.
Ein Mädchen auf einer Veranstaltung der Waffen-Organisation National Rifle Association (NRA) © Tom Gannam /Reuters

"Wer weiß?", fragte ein Artikel des US-Magazins Junior Shooters, "vielleicht findest auch du eine Bushmaster AR-15 unter deinem Baum an einem frostigen Weihnachtstag." In dem Text ging es um das Sturmgewehr, mit dem mehrere Massaker verübt wurden, unter anderem die von Newtown und Aurora. Thema waren solche Vorfälle nicht. Junior Shooters wird von der Waffenindustrie unterstützt. Die Zeitschrift richtet sich an Kinder und zeigt auf der Titelseite schon mal eine 15-Jährige, die stolz eine halbautomatische Waffe präsentiert.

Die Morde in der Grundschule von Newtown, bei denen 20 Kinder und sechs Erwachsene starben, haben viele Menschen in den USA aufgeschreckt. Nun möchte die Regierung von Präsident Barack Obama die Gesetze verschärfen: Sturmgewehre wie die AR-15 sollen verboten und Waffenkäufer strenger kontrolliert werden.

Doch in der Debatte über den Umgang mit Waffen spielt bisher ein Punkt kaum eine Rolle, wie die New York Times in einem langen Text schreibt: Die Industrie setzt alles daran, dass Kinder und Jugendliche sich an Gewehre gewöhnen und schon früh das Schießen lernen. Zig Millionen Dollar fließen dafür in Werbung und Lobbying.

Munition für Pfadfinder

Pfadfindergruppen bekämen Gewehre und Munition geschenkt. Wettbewerbe, bei denen Kinder sich im Schießen mit Waffen messen, würden gesponsert. Zudem bekämpfe die Waffenlobby Gesetze in einzelnen Staaten, die ein Mindestalter für die Jagd vorsehen.

Grund für die Mühen: Die Waffenbefürworter befürchten, dass ihnen der Nachwuchs ausgeht. Zwar haben in den letzten Jahren die Waffenverkäufe zugenommen. Auch ist der Schießsport wieder sehr populär in den USA. Doch die Urbanisierung und die Alterung der Gesellschaft lassen langfristig schlechtere Geschäfte mit Gewehren und Pistolen befürchten.

Zudem ändert sich das Freizeitverhalten: Heute spielt man lieber zu Hause mit der Videokonsole, anstatt mit der Schrotflinte durch den Schlamm zu robben. So schrumpfte die Zahl der registrierten Jäger von sieben Prozent der Bevölkerung im Jahr 1975 auf fünf Prozent 2005. Deshalb hat die Industrie in den letzten fünf Jahren ihre Bemühungen um den minderjährigen Nachwuchs verdoppelt.

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Kommentare

224 Kommentare Seite 1 von 18 Kommentieren

Wirklich jeder ?

Ich habe ja nichts dagegen, wenn die Jägerschaft Deutschlands, ein beträchtliches Waffenarsenal beherbergt, auch bei alleinlebenden Frauen, welche nachts durch die Straßen gehen müssen, ist es meiner Meinung nach gerechtfertigt. Es geht in diesem Artikel aber um Waffen in Kinderhänden!!! Nicht etwa um eine neue Methode zur Erwerbung des Waffenscheines, im verschärften Ton! Stellen sie sich vor, jedes gesunde Kind ab der Einschulung an, bekommt die Möglichkeit, eine Waffe besitzen zu können. Viele Eltern wären dafür, da die Waffe ein zusätzlichen Schutz bedeutet, aber auch der Zweitgutachter kann von den Kindern getäuscht werden und viele Unfälle mit tödlichen Folgen könnten zustande kommen. Besonders in der Teenager-Zeit, zum Beispiel wenn es um ein Mädchen geht. Der Streit zwischen den Jungen eskaliert, und es knallt. Zuletzt wurde ein Junge von seinem Klassenkameraden erstochen. Leider macht eine Schusswaffe dann keinen großen Unterschied mehr!

Stellen sie sich die Frage, werte(r) Konny2012, würden sie Waffen in Kinderhänden verantworten wollen ? Das käme der Absolution gleich, als wären die Kinder gleichgestellt mit den Kindersoldaten in Afrika, falls Ausnahmezustände auftreten würden. Und bekanntlich achtet dann nur jeder auf sich selbst, egal ob dafür ein anderer Mensch stirbt, wie es zum Beispiel in der Disco in Brasilien passiert ist, als Menschen totgetrampelt wurden!

Lesen schadet nie

Ich weiß ja nicht, ob SIE Ahnung haben, aber ich weiß, dass Sie nicht lesen können. Ich schrieb, dass es besser wäre, wenn Waffen von Sportschützen ausschließlich an den Trainings- und Wettkampfstätten aufbewahrt werden dürften.

Ach, es ist so, dass Sportschützen keine Waffen zu Hause haben dürfen? Meines Wissens nach dürfen sie diese zu Hause aufbewahren und zum Schießstand transportieren.

Sehr geehrter Bengurion,

durch stetige Wiederholung wird die AUfbewahrungsforderung auch nicht realtätsnäher.

Dazu gab es in neuster Zeit wiederholt Anhörungen von Sachverständigen vor einer Kommission des Deutschen Bundestages. Und alle Sachverständigen waren und sind der Ansicht das der Vorschlag der Zentrallagerung so ziemlich die am wenigsten zweckmäßige Aufbewahrungsform darstellt. Denn diese ist so hochproblematisch das die Forderung danach schon über Fahrlässigkeit weit hinausgeht; allein die Ausplünderung einer solchen Aufbewahrungsstätte für den 4-fach Mord von Eisslingen spricht da Bände.
Es geht nichts über die Einzelaufbewahrung mit ordentlichem Verschluss.

Beste Grüße CM

Sehr geehrter Milalu,

auch so herum betrachtet, stimmt das "normal" vielelicht für Vereinsmitlieder; für die stark deviant strukturierten Täter trifft das eben nicht zu. Soweit es auch deren sichergestellten Aufzeichnungen rekonstruierbar ist hatte alle ein schwer gestörtes Verhältnis zu Schusswaffen und Sprengstoff.

So sehr gestört übrigens, das genau dieser Umstand die Zahl der Geschädigten durchaus mit begrenzt hat (wenn auch sehr gegen den Täterwillen), auch wenn das in sich erstmal etwas widersprüchlich klingt.

Beste Grüße CM

Sehr geehrter BetrachterDerWahrheiten,

das ist recht einfach erkärbar.

1. Laien i.A. und leider zu viele Berufswaffenträger neigen dazu die tatsächliche Wirkung von Schusswaffen zu überschätzen. Allein die fachlich gut gestützte Erkenntnis das bei allen Kurzwaffen nur die Trefferlage, und nicht wie gelegentlich vermutet, das "Kaliber" über die Wirkung entscheidet hat sich noch nicht wirklich herumgsprochen.
Bei Amokdelikten steht bisher die Zahl der Geschädigten gegenüber der jeweils verschossenen Munition meist in krassen Mißverhältnis, nur wenn die Tatausführung sich auf Entfernungen unter etwa 9 m abspielte stieg die Trefferrate, meist wars noch weniger, dann trafen die Täter häufiger tödlich.

2. Die krankhafte Fixierung auf SW als Tatmittel hat in einigen Fällen die objektiv viel effektiveren Wirkmittel wie Brand- und Splitter deutlich in den Hintergund treten lassen
Ausnahmen wie Emstetten, wo der Täter meherer Zentner an entsprechenden Sprengvorrichtungen mitführte, aber glücklicherweise nicht zünden konnte, lassen da bei "fachgerechter" Tatausführung Opferzahlen in ganz anderen Größenordnungen erwarten; selbst wenn nur primitive Selbstlaborate als Sprengstoff verwendet werden!

Beste Grüße CM

Und in Australien meinen immer noch viele,

dass es den Kindern gut tut, wenn man sie schon im jungen Alter an Alkoholtrinken gewöhnt - angeblich werden sie sich dann in Zukunft nicht besaufen und auch nicht heimlich trinken. Blöd nur, dass die Rechnung für dieses Land überhaupt nicht aufgeht: 'Koma-Saufen' blüht und gedeiht, in allen Altersklassen und bei beiden Geschlechtern. Tote gibt es auch, immer wieder, aufgrund von Alkoholexzessen, mal ist es eine Schlägerei, mal ein Autounfall, manchmal auch Alkoholvergiftung.
Dass es in Frankreich so wunderbar klappt hat nichts mit der Frühgewöhnung zu tun, sondern vielmehr mit einer völlig anderen Ess-und Trinkkultur: In Australien trinkt man, um sich zu beweisen und um (möglichst schnell) besoffen zu werden. In Frankreich wohl eher nicht. Aber wie ich letzten von französischen Bekannten gehört habe, ändert sich das auch dort langsam.

So schlimm ISDN die Europäer doch nicht.

Haben Sie sich mal mit den Meinungen der Amerikaner zu Europa beschäftigt? Allein die Überzeugung, dass man selber irgendwie von Gott erwählt und gesegnet wurde, dass man im großartigsten Land der Welt lebt, mit dem besten Justizsystem, dem besten dies, dem besten das, deutet an, dass man denkt, mit dem anderen stimmt was nicht.
Beide Seiten sehen alles aus der jeweiligen Perspektive und bewerten es entsprechend. Da kommt es schon zu Unstimmigkeiten.
Und ja, als Europäer kann ich nur den Kopf schütteln über so manches, was in den US vor sich geht.