Die stellenweise höchst aggressiv geführte Debatte um den Außenminister wird in den deutschen Medien mit Befremden diskutiert. Doch es wäre falsch, sie als eine erneut erwachende antideutsche Stimmung im Land, die zu einer Verschlechterung der bilateralen Beziehungen führen könnte, zu deuten. Denn die Debatte hat mit den Beziehungen zu Deutschland nichts zu tun; es handelt sich um einen internen tschechischen Streit. Hier kämpfen vor allem ältere und weniger gebildete Menschen darum, an nationalen Narrativen festzuhalten – in dem Fall ist es die historische Opfer-Erzählung der Tschechen – die dabei helfen, Neues und von außen Kommendes abzuwehren. Dieser Mechanismus ist Teil des bereits beschriebenen bequemen Provinzialismus.

Karel Schwarzenberg hat Zeman im Wahlkampf als Mann der Vergangenheit bezeichnet. Ob der 75-jährige Adelige eher die Gegenwart repräsentiert oder gar die Zukunft, sei dahingestellt. Sicher aber hätte er eine neue Art der politischen Auseinandersetzung gebracht.

Mit Miloš Zeman ist nun jemand an der Macht, der mit seinem Vorgänger Václav Klaus in den neunziger Jahren nicht nur eine Brüderschaft jenseits aller politischen Werte zum alleinigen Machterhalt schloss. Er ähnelt diesem auch stilistisch. Auf die zehn Jahre eines Präsidenten, der sich allzu oft in der Provokation um ihrer selbst Willen und in eitler Trotzigkeit gefiel, könnten nun fünf weitere Jahre folgen.

Es bleibt nur zu hoffen, dass Zeman sich gegenüber seiner Zeit als Premierminister geändert hat. Vielleicht gelingt es ihm, zu einem sachlicheren, ruhigeren Stil zu finden und auch versöhnliche Töne anzuschlagen. Vielleicht gelingt es ihm, diejenigen einzubinden, die zurzeit noch gegen ihn sind. Denn diese, die Jungen und gut Ausgebildeten, sind die Zukunft des Landes und diese darf nicht erst in fünf Jahren beginnen.