Die regierungskritische kubanische Bloggerin Yoani Sánchez profitiert von der neu eingeführten Reisefreiheit in Kuba: "Unglaublich! Sie haben mich zu Hause angerufen, um mir zu sagen, dass mein Pass fertig ist", twitterte die 37-Jährige. Später schrieb sie: "Hier ist er, was noch fehlt, ist endlich dieses Flugzeug besteigen zu können." Sie freue sich über den Pass, sei aber auch traurig, dass viele ihrer Freunde keine Reisegenehmigung bekommen hätten.

Anfang vergangener Woche war in Kuba ein neues Gesetz in Kraft getreten, das den Einwohnern des kommunistischen Landes erstmals seit fünfzig Jahren die grundsätzliche Reisefreiheit gewährt: Volljährige Kubaner dürfen ab jetzt mit einem Reisepass ausreisen, die Ausstellung ist aber mit Kosten von 100 US-Dollar (etwa 76 Euro) verbunden, eine hohe Summe für die meisten Kubaner. Zudem gibt es immer noch Beschränkungen, etwa für Spitzensportler und Hochqualifizierte.

Sánchez war in der Vergangenheit wiederholt die Ausreise verweigert worden. Weil sie auf ihrem Blog Generation Y kritisch über die kubanische Politik und die Lebensumstände in ihrem Land schreibt, wurde sie verhaftet. 2008 erhielt Sánchez von der spanischen Zeitung El País den Ortega-y-Gasset-Preis für Online-Journalismus. Da die meisten Kubaner keinen Internet-Anschluss haben, sind ihre Leser aber vor allem außerhalb Kubas zu Hause.