Wahl in ItalienWer sind Italiens Protestwähler?
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Absolute Mehrheit für den Protest

Der Frust der Süditaliener drückte sich allerdings vor allem durch eine massive Stimmenenthaltung aus. Die Wahlbeteiligung dort lag deutlich unter dem Landesschnitt. Betrachtet man sowohl die Wahlenthaltungen als auch die Stimmen an Grillo als Protest, wie es manche Beobachter in Italien tun, dann hätte dieses Protestpotenzial die absolute Mehrheit erreicht.

Insgesamt gab es bei dieser Parlamentswahl starke Wählerwanderungen – und zwar vor allem weg von den beiden großen Bündnissen: So verlor Berlusconis PDL im Vergleich zur Wahl 2008 rund 6,5 Millionen Stimmen, die Mitte-Links-Allianz PD von Pier Luigi Bersani rund 4,4 Millionen. Viele dieser Wählerstimmen gingen an Grillos Bewegung.

Grillos Wähler sind jung

Tatsächlich zeigt sich, dass überall dort, wo Grillos "Fünf Sterne" besonders viele Wählerstimmen gesammelt hat, sowohl PDL als auch PD gleichermaßen gelitten haben. Umfragen bestätigen: 32 Prozent der Grillo-Wähler wählten 2008 die PDL, 25 Prozent die PD. Ein Zeichen dafür, dass sich diese Wähler nicht nach den üblichen Kategorien "Links" und "Rechts" einordnen lassen.

Die Partei spricht vor allem Jugendliche der Internet-Generation an. Laut demographischen Analysen sind rund 16 Prozent der Grillo-Wähler jünger als 22 Jahre. Das Durchschnittsalter ihrer künftigen Abgeordneten liegt bei 37 – erstaunlich für ein Land, in dem die Parlamentarier älter sind als fast überall sonst in Europa. "Es ist ein Generationenkampf", sagte der 65-jährige Grillo dazu in seiner üblichen Kriegsrhetorik.

Das Label Protestpartei passt indes nur bedingt. Spricht man mit Anhängern der Fünf-Sterne-Bewegung über die Wahlergebnisse, landet man schnell bei Bio-Produkten und Agrarwissenschaft. Ihr Feind sind vor allem die traditionellen Parteien. Deshalb lehnen sie prinzipiell jede Frage zum Thema Regierungskoalition ab. Die Grillo-Anhänger wiederholen dann gern die Worte ihres Spitzenmannes: "Wir sind nicht hier, um Kompromisse zu schließen. Wir sind hier, um die alte Parteien wegzufegen."

Ein vorübergehendes Phänomen scheinen die "Grillini" nicht zu sein: Am besten schnitt die Bewegung in Sizilien ab, wo sie bereits im regionalen Parlament vertreten ist. Ihre dortigen Anhänger hat die Bewegung also noch nicht enttäuscht.

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Leserkommentare
  1. Kann ein demokratisch entstandenes Wahlergebnis wirklich zugleich demokratisches Chaos bedeuten? - Meine vorläufige Antwort wäre ein spontanes Nein. Das Chaos entsteht weder durch die Wahl, durch die Wahlergebnisse, ergo nicht durch die Wähler - das ist Punkt eins. Es ist zudem kein Chaos - da fleucht alles hin und her, nichts ist an seinem Platz. Hier ist erstmal alles zum Stillstand gekommen - Chaos und eine schlichtes 'weiter so' wurden unterbrochen.
    Demokratie zeichnet sich dadurch aus, dass es in der Lage sein muss, neuen Anforderungen neue Lösungen entgegenzubringen. Damit wäre also eine neue Partei, wie die Grillos eher eine Antwort auf das vorherige Chaos.

    Ansonsten eine schlichte und nüchterne Analyse, bis auf diese Zwischenüberschrift. also Danke.

    14 Leserempfehlungen
  2. Vielleicht sind die anderen nur schlauer als die Deutschen? Und haben erkannt, dass die Probleme in den Strukturen liegen und sich aus diesen Verkrustungen ursächlich ergeben, anstatt - wie oft vorgegaukelt wird - sich wie ein Erdbeben einfach zu ereignen?

    Wurde anderswo vielleicht verstanden, dass man die etablierten Parteien an der Wahlurne noch so bunt nach Farben mischen kann - und doch keine alternative Politik dabei entsteht?

    Gehen die Menschen deshalb in anderen Ländern auf die Straße und demonstrieren? Wählen die Italiener jetzt das Chaos, weil sie in der Schule mitbekommen haben, dass kippende Systeme ab einem gewissen Punkt nicht mehr gerettet, sondern lediglich in einem gänzlich neuen Zustand wieder stabilisiert werden können?

    Wir werden bei der nächsten Bundestagswahl wieder die üblichen Verdächtigen wählen. Und nichts wird sich zum besseren wenden. Wachkoma & Lähmung ...

    Da könnte der Wähler aus Jux doch einfach mal sämtliche Stimmen zwischen der Linken & den Piraten aufteilen - und dann mit wissenschaftlicher Neugier beobachten, was eigentlich daraus entsteht.

    Das ist sicher spannender als Merkel in Endlosschleife oder der kleine Schröder namens Peer.

    Wecken wir doch einfach mal den Italiener in uns!

    30 Leserempfehlungen
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    • Gerry10
    • 27. Februar 2013 20:27 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/au

    • Lefty
    • 28. Februar 2013 12:14 Uhr

    Ihr (vielleicht) nicht ganz ernstgemeinter Vorschlag mag unsere einzige Möglichkeit sein,die verkrusteten Strukturen aufzubrechen.
    Meine Unterstützung für Ihren Kommentar.

  3. Da wird nach einer demokratischen Wahl in den Medien von Populismus, Anti- Elitarismus, Clowns und demokratiscem Chaos gesprochen.
    Gerade so als ob die Bürger nicht qualifiziert währen sich Ihre Regierung oder die Zusammensetzung Ihres Parlamentes selbst zu bestimmen!

    Man könnte zu dem Eindruck kommen das es vielen Medien garnicht recht ist das der Souverän ( ja den gibt es in demokratischen Ländern, oder es sind keine Demokratien mehr)hier eine eigene Meinung vertritt und mit der Vertretung durch die üblichen Volksvertreter Imitatoren auch politische Elite genannt, nicht mehr zufrieden ist.

    Wenn es sich hier wirklich um Eliten handelt dann werden Sie einen gerechten und ausgewogenen Weg finden die Probleme zu lösen auch in der jetzigen Zusammensetzung oder es handelt sich schlicht und ergreifend nicht um Eliten und sind nur brauchbar wenn es keine Probleme gibt!

    Aber wie sehr unser demokratisches Europa bereits verkommen ist konnte ich gestern in einem anderen Artikel lesen!

    Da hat tatsächlich ein Soziologe es gewagt deutlich zu sagen: "Die Technokratie überfordert die Bürger!"

    Es mag jetzt in Italien ein "demokratisches Chaos" herrschen, aber es ist wenigstens demokratisch und nicht Plutokratisch oder Technokratisch, was möglicherweise vielen Autoren hier sympathischer sein mag!

    LG

    Klaus

    23 Leserempfehlungen
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    <<< Man könnte zu dem Eindruck kommen das es vielen Medien garnicht recht ist das der Souverän ( ja den gibt es in demokratischen Ländern, oder es sind keine Demokratien mehr)hier eine eigene Meinung vertritt und mit der Vertretung durch die üblichen Volksvertreter Imitatoren auch politische Elite genannt, nicht mehr zufrieden ist. <<<

    Dem möchte ich gerade mal widersprechen, weil viele Menschen gar keine "eigene Meinung" haben, sondern nur das geistig reproduzieren, was ihne andere vorgeben.
    Es wird in den westlichen Demokratien mit enormen Aufwand, "Meinung gemacht".
    Edward Bernays hat das schon Ende der 1920er Jahre in seinem Buch "Propaganda" hinreichend beschrieben, dass mittels Meinungssteuerung die Massen in die Richtung gelenkt werden, die systemkompatibel zu den Interessen der herrschenden Eliten ist.
    Neben der Medienpropaganda kommt meist noch sozialer und ökonomischer Zwang. In repressiven Systemen auch noch Gesetze und deren Vollstreckungsbehörden.

    Die "freien Wahlen" der bürgerlichen Halb-Demokratie, bei denen sich mehrheitlich jene Parteien durchsetzten können, die die Interessen der Mehrheit verraten, bilden das traurige Finale dieser Manipulation.
    Insofern würde ich auf das Ergebnis von Wahlen nicht allzuviel geben, die Status Quo-Parteien profitieren einfach von der Macht des Status Quo.

    Es ist zum "aus der Haut fahren".

    Die Journaille macht mich nur noch zornig.

    "Da wird nach einer demokratischen Wahl in den Medien von Populismus, Anti- Elitarismus, Clowns und demokratiscem Chaos gesprochen."

    Zu recht. Denn genau das (Populismus und Anti-Elitarismus) sind typische Begleiterscheinungen von demokratischen Prozessen. Demokratie bringt dann und wann populistische Clowns in Spitzenpositionen. Das passiert in Ungarn, das passiert in den Niederlanden, das kann überall passieren. Diese Tatsachen kann man durchaus kritisieren ohne die Demokratie als immer noch leidlich vernünftigste Herrschaftsform in Frage zu stellen.

    • Gerry10
    • 27. Februar 2013 20:27 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim konkreten Thema des Artikels. Danke, die Redaktion/au

  4. zu werten?

    "Protestwähler" sind einfach gut informiert:
    http://www.youtube.com/wa...

    Sie nehmen sich ein Beispiel an Island, denn hier trägt der Aktivismus Früchte:
    http://www.youtube.com/wa...

    Überhaupt eröffnet eine minutiöse Internetrecherche ganz neue Einblicke, die uns Konzernmedien schuldig bleiben.

    Der verstorbene Hessel "Empört Euch" hätte wahre Freude am Erwachen der italienischen Bevölkerung:
    http://www.youtube.com/wa...
    wie dies auch Brzezinski weiss ...

    18 Leserempfehlungen
  5. <<< Man könnte zu dem Eindruck kommen das es vielen Medien garnicht recht ist das der Souverän ( ja den gibt es in demokratischen Ländern, oder es sind keine Demokratien mehr)hier eine eigene Meinung vertritt und mit der Vertretung durch die üblichen Volksvertreter Imitatoren auch politische Elite genannt, nicht mehr zufrieden ist. <<<

    Dem möchte ich gerade mal widersprechen, weil viele Menschen gar keine "eigene Meinung" haben, sondern nur das geistig reproduzieren, was ihne andere vorgeben.
    Es wird in den westlichen Demokratien mit enormen Aufwand, "Meinung gemacht".
    Edward Bernays hat das schon Ende der 1920er Jahre in seinem Buch "Propaganda" hinreichend beschrieben, dass mittels Meinungssteuerung die Massen in die Richtung gelenkt werden, die systemkompatibel zu den Interessen der herrschenden Eliten ist.
    Neben der Medienpropaganda kommt meist noch sozialer und ökonomischer Zwang. In repressiven Systemen auch noch Gesetze und deren Vollstreckungsbehörden.

    Die "freien Wahlen" der bürgerlichen Halb-Demokratie, bei denen sich mehrheitlich jene Parteien durchsetzten können, die die Interessen der Mehrheit verraten, bilden das traurige Finale dieser Manipulation.
    Insofern würde ich auf das Ergebnis von Wahlen nicht allzuviel geben, die Status Quo-Parteien profitieren einfach von der Macht des Status Quo.

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    Antwort auf "Es ist zum Heulen!"
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    • sioux
    • 27. Februar 2013 21:39 Uhr

    "Dem möchte ich gerade mal widersprechen, weil viele Menschen gar keine "eigene Meinung" haben, sondern nur das geistig reproduzieren, was ihne andere vorgeben."
    Selbstverständlich ist das so, und zwar nicht nur bei vielen Menschen, sondern bei allen. Jede Meinung gründet sich auf Input, auch Ihre Synapsen aktivieren sich ja nicht per Zufallsgenerator oder durch genetisch ererbte gesellschaftliche Intelligenz. Genetisch determiniert ist unser Stammhirn, das uns dazu verleitet, Frauen auf den Allerwertesten zu gucken und uns bisweilen Bunga Bunga vorzustellen. Politische und gesellschaftliche Meinungen aber liegen usn nicht in der Wiege.

  6. "Am Stadtrand von Mailand gibt es zum Beispiel einen Sex-Shop, in dessen Schaufenster ein Plakat verkündet: "Zum Glück gibt es Silvio! Bunga Bunga für alle!"

    Am Stadtrand? Da musste der Autor aber schon lange suchen, bis er seinen passenden Bunga-Bunga-Sexshop gefunden hat.

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