Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihren zweitägigen Besuch der Türkei mit zweierlei Vorhaben begonnen. Als erstes besuchte sie deutsche Soldaten im südostanatolischen Nato-Standort Gaziantep an der Grenze zu Syrien. Von dort reiste sie ins etwa 80 Kilometer nordwestlich gelegene Kahramanmaras, wo das Patriot-Kontingent der Bundeswehr stationiert ist.

Merkel lobte den "hohen politischen Stellenwert" des Bundeswehr-Einsatzes: Es sei ein militärisches und politisches Signal, dass die Nato-Partner zusammenstünden, wenn einer von ihnen in Gefahr geraten könnte, sagte sie vor den Soldaten. Sie kritisierte erneut das Verhalten Russlands und Chinas im Weltsicherheitsrat, die Sanktionen gegen das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad blockierten.

"Natürlich besteht ein Stück Fassungslosigkeit, mit der wir die Dinge verfolgen müssen, ohne dass wir da direkt eingreifen können", sagte Merkel weiter. Die Nato zeige mit der Operation, dass sie Türken auf ihrem Gebiet schütze und Syrien davor warne, den Konflikt über die Grenze hinaus auszuweiten. Sie betonte, der Konflikt müsse politisch gelöst werden.

Schwieriges Thema EU-Beitritt

Am Samstag war bereits Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) auf Truppenbesuch in dem rund 100 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt liegenden Kahramanmaras. Er betonte den rein defensiven Charakter des Einsatzes und sicherte der Türkei die volle Solidarität der Nato gegen das Regime in Syrien zu. Der Einsatz festige die Bindung zwischen der Türkei und Deutschland, sagte er.

Am Montag wird Merkel zu Gesprächen über die türkische EU-Bewerbung in Ankara erwartet. Vor ihren Gesprächen mit Gül und Erdogan äußerte sie sich reserviert und plädierte stattdessen für eine "privilegierte Partnerschaft" mit der Türkei. FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle forderte ebenso wie zuvor Außenminister Guido Westerwelle (FDP), die EU müsse auf die Türkei zugehen. "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht irgendwann vor der Situation stehen, dass Europa mehr Interesse an der Türkei als die Türkei Interesse an Europa hat", sagte Brüderle dem Tagesspiegel am Sonntag.

Die Türkei bemüht sich seit 1987 um eine Aufnahme in die EU. 2005 wurden die Verhandlungen aufgenommen, seit drei Jahren stocken sie, weil die Türkei das EU-Mitglied Zypern nicht anerkennen will.