In der Hauptstadt Kairo riefen sie zu einem Marsch zum Präsidentenpalast auf, in der Hafenstadt Alexandria, in Ismailia und anderorts zogen sie durch die Straßen: Tausende Ägypter haben in mehreren Städten erneut gegen den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi demonstriert.

Vor dem Präsidentenpalast stießen Demonstranten mit der Polizei zusammen. Die Sicherheitskräfte sind dort in höchster Bereitschaft, denn vor dem Palast und auf dem Tahrir-Platz in Kairo hatte es in der Vergangenheit wiederholt Zusammenstöße gegeben. Al Arabiya berichtete von Verletzten. An anderen Orten setzte die Polizei Tränengas ein und feuerte Gummigeschosse auf die Demonstranten.

In Port Said am Suez-Kanal zogen Männer in schwarzen Trauergewändern durch die Straßen und skandierten: "Mursi ist der Feind Gottes." In Kairo versammelten sich Hunderte in strömendem Regen auf dem zentralen Tahrir-Platz. Nach den Freitagsgebeten wuchs die Menge weiter an.

Gemeinsame Erklärung zum Gewaltverzicht

Seit vergangenem Freitag, dem zweiten Jahrestag des Aufstands gegen den früheren Diktator Husni Mubarak, starben etwa 60 Menschen, mehrere Dutzend allein in Port Said. Etwa 25 Frauen wurden vergewaltigt.

Am Donnerstag hatten die Muslimbrüder, die Mursi unterstützen, und Oppositionsgruppen in einer gemeinsamen Erklärung zum Gewaltverzicht aufgerufen. Doch kaum endete das Krisentreffen, kündigte die Opposition in der Nacht zu Freitag neue Kundgebungen an. Oppositionsführer Mohamed ElBaradei sagte, die Bewegung werde ihre Ziele mit derselben Energie verfolgen wie vor dem Sturz des Mubarak-Regimes.

Der linke Oppositionelle Hamdin Sabahi sagte, die Friedensinitiative zu unterzeichnen bedeute nicht das Ende der Proteste. Er werde keinen Dialog führen, bis das Blutvergießen beendet sei.

Die Opposition wirft Mursi vor, die Ziele und den Geist der Revolution verraten zu haben, indem er sich selbst und den Muslimbrüdern zu viel Macht zubilligte. Diese wiederum halten der Opposition vor, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes stürzen zu wollen.