Demonstranten demonstrieren gegen die Polizeigewalt in Ägypten. © Ed Giles/Getty Images

Der Druck der Opposition auf den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi wächst. In einer am Samstag veröffentlichten Mitteilung forderte die wichtigste Oppositionsgruppierung, die Nationale Heilsfront, den Rücktritt des Staatschefs. Damit unterstützte sie die "Rufe des Volkes" nach einem Sturz "des Regimes der Tyrannei" und einem Ende der Vorherrschaft der Muslimbrüder. Mursi müsse wegen der Verbrechen vor Gericht gestellt werden, die bei der Niederschlagung der Proteste der vergangenen Tage begangen worden seien.

Zuvor war ein Video veröffentlicht worden, in dem Polizisten einen Mann mit Knüppeln verprügeln und ihm die Kleider vom Leib reißen. Dann wird der Mann nackt zu einem Transporter geschleift. Das Video soll am Freitag am Rande der Oppositionsproteste beim Präsidentenpalast in Kairo aufgenommen worden sein. In sozialen Netzwerken wurde das Video sogleich heftig diskutiert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Opfer um einen Arbeiter, der von den Polizisten verfolgt worden sei, weil er "18 Molotowcocktails und zwei Benzinkanister" bei sich getragen habe. Offenbar unter Druck sagte der Mann später im Fernsehen, er sei von Demonstranten attackiert und ausgezogen worden. Der Polizei habe er sich anfänglich widersetzt, bevor er gemerkt habe, dass sie ihm habe helfen wollen.

In einer Erklärung des ägyptischen Präsidenten teilte Mursi mit, er sei "schmerzerfüllt angesichts dieser schockierenden Bilder". Die Polizisten hätten den Mann auf eine Art und Weise behandelt, die weder der Menschenwürde noch den Menschenrechten entsprächen. Gleichwohl handele es sich um einen Einzelfall.

Innenminister bietet Rücktritt an

Auch das Innenministerium sprach von einem Einzelfall und entschuldigte sich in einer Mitteilung. Eine Untersuchung des Vorfalls wurde eingeleitet. Innenminister Mohammed Ibrahim sagte, er sei bereit zurückzutreten, wenn dies dem Willen des Volks entspreche. Zuvor hatte die Nationale Heilsfront seinen Rücktritt gefordert.

Am Samstagabend protestierten erneut mehrere Hundert Menschen vor dem Präsidentenpalast. Wie die ägyptische Zeitung Ahram Online berichtete, warfen die Demonstranten Brandsätze und Feuerwerkskörper in Richtung des Amtssitzes von Mursi. Die Sicherheitskräfte blieben hinter den Mauern des Präsidentenpalasts und feuerten in die Luft. Auch in der Hafenstadt Alexandria kam es laut Al Ahram zu Krawallen und Festnahmen. Innerhalb einer Woche wurden bei den Protesten in Ägypten mehr als 50 Menschen getötet.