Polizeigewalt in KairoÄgyptische Opposition fordert Entlassung des Innenministers

Ägyptische Fernsehsender haben ein Video verbreitet, auf dem Polizisten in Kairo einen Mann misshandeln. Die Opposition verlangt von Mursi, Konsequenzen zu ziehen.

Wegen eines neuen Falls exzessiver Polizeigewalt in Ägypten hat die Nationale Heilsfront, ein Bündnis der Ägyptischen Opposition, den Rücktritt von Innenminister Mohammed Ibrahim gefordert. Sie reagierte damit auf ein Video, das zeigt, wie bei den Oppositionsprotesten vom Freitag ein vollkommen nackter Mann in der Nähe des Präsidentenpalastes von Sicherheitskräften verprügelt und über den Boden geschleift wird. Der Vorfall müsse zu einem sofortigen Rücktritt Ibrahims führen, sagte der Sprecher der Nationalen Heilsfront, Chaled Daud.

Auch der prominente Liberalenpolitiker Eiman Nur, der auch am nationalen Dialog von Präsident Mohammed Mursi teilnimmt, forderte die sofortige Entlassung des Innenministers. "Es gibt keine Rechtfertigung für ein solches Verhalten. Ich kann nicht glauben, dass das nach der Revolution in Ägypten noch passiert", sagte Nur dem privaten Fernsehsender Al-Nahar.

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Das Video wurde von ägyptischen Fernsehsendern und im Internet veröffentlicht und löste in sozialen Netzwerken heftige Debatten aus. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem Mann in dem Video um einen 50-jährigen Arbeiter. Er sei von den Polizisten verfolgt worden, weil er "18 Molotowcocktails und zwei Benzinkanister" bei sich getragen habe.

Der Sprecher von Präsident Mohammed Mursi sagte, es schmerze den Präsidenten, solche schockierenden Bilder zu sehen. Dieses Vorgehen von Polizisten sei mit der Menschenwürde unvereinbar. Er hob zugleich hervor, dass es sich um Einzelfälle handele, die untersucht und geahndet werden würden.

Autokolonne des Premiers wurde mit Steinen beworfen

Vor gut einem Jahr hatte in Ägypten ein ähnlicher Fall für Empörung gesorgt. Damals, als noch der Militärrat regierte, wurde im Internet ein Video veröffentlicht, das zeigte, wie eine Demonstrantin von Soldaten brutal verprügelt und entblößt wurde.

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Präsident Mursi und die Muslimbruderschaft verurteilten derweil die jüngsten Ausschreitungen vor dem Präsidentenpalast. Der Sprecher des Staatsoberhauptes forderte nach Angriffen mit Brandsätzen auf den Amtssitz Mursis die politischen Gruppen auf, die Krawalle zu verurteilen. Die Partei der Muslimbruderschaft warf der oppositionellen Nationalen Rettungsfront vor, die Gewalt legitimiert zu haben.

Am Samstag bewarfen Demonstranten in Kairo die Autokolonne von Ministerpräsident Hescham Kandil mit Steinen und Flaschen. Der Vorfall ereignete sich nach Angaben des privaten Fernsehsenders Dream Live, als der Konvoi auf den Tahrir-Platz fahren wollte. Nach dem Angriff habe Kandil den Ort verlassen.



Am Freitag hatten auf dem Tahrir-Platz sowie am Präsidentenpalast in Kairo Tausende Menschen gegen Staatschef Mursi und die ihm nahestehenden Islamisten demonstriert. Bei Ausschreitungen wurde ein Mensch getötet und Dutzende weitere verletzt. Immer wieder endeten in den vergangenen Tagen Proteste blutig, mehr als 50 Menschen wurden innerhalb einer Woche bereits getötet.

Die Opposition wirft Mursi vor, die Ziele und den Geist der Revolution verraten zu haben, indem er sich selbst und den Muslimbrüdern zu viel Macht zubilligte. Diese wiederum halten der Opposition vor, den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes stürzen zu wollen.

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Leserkommentare
  1. nicht sofort seine Marionette zurückzieht, wird es, alhamdulillah, ganz übel enden. In Ägypten.

    • Vibert
    • 02. Februar 2013 19:42 Uhr

    Wie wird das wohl alles ausgehen: Ägypten, Syrien, Iran, Irak, Afghanistan, Pakistan, Gaza, Westjordanland mit jüdischen "Siedlern".... Von den anderen Hotspots auf dem afrikanischen Kontinent mal abgesehen... Es wird einem ja so schon schwindlig genug, und Angst und Bange. Ja, Mann oh Mann, bin ich froh, keine Kinder zu haben. Soll ich jetzt noch über Klimawandel, bevorstehende Weltwirtschaftskrise?.....
    Wirklich nicht schön, was wir da den unmittelbar jüngeren Generationen für eine Welt präsentieren und wohl in noch desolaterem Zustand überlassen werden. Da "hilft" tatsächlich nur noch Zweckoptimismus...Sie werden es besser machen... müssen.
    Wie würde ich das bloss meinem Kind erklären? Ob sich wohl die führenden Politiker und Witschaftsköpfe dieselbe Frage stellen? Anscheinend nicht.

  2. Es ist mir klar, dass Ägypten gerade mal wieder "in" ist. Dennoch würde ich z.B. gerne auch mal Artikel über den Jemen, Algerien oder andere Länder der Region lesen. Welche Entwicklungen gibt es dort? Es wäre schön mal eine vollständigeres Bild vermittelt zu bekommen. Danke.

  3. 4. Die MB

    hat gezeigt, dass sie nicht fähig ist, das Jahrzehnte lang propagierte System umzusetzen. Die MB ist unfähig. Außer Dummdawa kommt nichts.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • m.klein
    • 02. Februar 2013 22:21 Uhr
  4. Sie sind im falschen Threat.

  5. 6. Die MB

    ist in Ägypten geboren.
    Wie man über ein Geburtsrecht verfährt, ist der dort ansässigen Scharianern und Stammeswütigen Elementen geschuldet. Ich persönlich halte mich besser raus.

    ge

  6. wenn mein Geld da reinfließen soll.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, nf
  • Schlagworte Mohammed Mursi | Entlassung | Innenminister | Internet | Präsident | Revolution
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