ÄgyptenAusschreitungen zum Jahrestag des Mubarak-Rücktritts

Zwei Jahre ist es her, dass Ägyptens Diktator abtreten musste. Zum Jahrestag protestierten Tausende gegen die neue Mursi-Regierung. In Kairo kam es zu Straßenschlachten.

Mehr als zehntausend Aktivisten haben in Ägypten am zweiten Jahrestag des Rücktritts von Ex-Präsident Hosni Mubarak gegen die neue islamistische Regierung demonstriert. Vor dem Präsidentenpalast lieferten sich Regierungsgegner Straßenschlachten mit der Polizei, die Tränengas gegen die Demonstranten einsetzte.

Mubarak war am 11. Februar 2011 nach tagelangen Massenprotesten zurückgetreten. Sein Nachfolger, der Islamist Mohammed Mursi, ist der erste frei gewählte Präsident an der Spitze des ägyptischen Staates.

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Tagsüber hatten Angehörige der Anarchisten-Bewegung "Black Block" die U-Bahn in Kairo blockiert. Andere Demonstranten verbarrikadierten den Eingang der zentralen Meldebehörde am Tahrir-Platz. Das Ägyptische Museum, das auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes liegt, wurde geschlossen, um mögliche Zerstörung oder Diebstahl zu verhindern.

Regierungsgegner beklagen Polizeigewalt

Zu den Protestmärschen in Kairo hatten mehrere Parteien und Revolutionsgruppen aufgerufen. Sie kritisieren die Politik der Regierung des islamistischen Präsidenten Mursi. Ihr Protest richtete sich auch gegen das Innenministerium. Die Polizisten griffen heute immer noch zu den gleichen brutalen Methoden wie einst unter Mubarak.

Die Jugendbewegung 6. April versammelte sich erst auf dem Platz vor der Börse und blockierte danach das Büro des von Präsident Mursi neu eingesetzten Generalstaatsanwaltes Talaat Abdullah. Die Aktivisten forderten die Aufklärung des Todes ihres Mitgliedes Gaber Saleh, genannt "Gika". Saleh war bei einer Demonstration im November ums Leben gekommen. Angeblich erschoss ihn die Polizei.

Mubarak (84) war nach fast 30 Jahren an der Macht vom Militär zum Rücktritt gezwungen worden. Er wurde später inhaftiert und wegen der Tötung von Demonstranten zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Urteil ist jedoch nicht rechtskräftig. Der Prozess soll demnächst wiederholt werden.

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Leserkommentare
  1. Die Revolution war größtenteils führungslos, die Unzufriedenheit der einzig universell bindende Faktor der Demonstranten. Die Muslimbrüder sprangen zur richtigen Zeit auf den fahrenden Zug und profitierten von der bereits losgetretenen Bewegung, die sie nicht initialisiert hatten. Und obwohl die Mobilisierung von Organisationen wie dem April 6 Movement jahrelang vorbereitet und schließlich erfolgreich durchgeführt wurde, konnte sich diese Bewegung nicht als neuer politischer Führer behaupten. Was wir nun in Ägypten sehen, den Aufstand gegen die aktuelle politische Führung, ist eine logische Konsequenz aus dem Fehlen eines die komplexen Gesellschaftsschichten bindenden Faktors. Auch Religion konnte diese Rolle nicht einnehmen. Der Aufstieg der Islamisten war somit eine Konstruktion. http://www.fairobserver.c... Dieser Artikel gibt noch differenziertere Ansichten zu dem Phenomen "Aufstieg der Islamisten". Aus deutscher Sicht liest sich alles immer so simpel.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, nf
  • Schlagworte Hosni Mubarak | Mohammed Mursi | Innenministerium | Militär | Aufklärung | Börse
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