Demonstrationen : Viele Verletzte während Protesten gegen ägyptische Regierung

In mehreren Städten Ägyptens hat die Opposition gegen Präsident Mursi demonstriert. Tausende skandierten regierungskritische Parolen, in Kairo gab es Krawalle.
Regierungsgegner halten auf dem Tahrir-Platz in Kairo ein Puppe hoch, die Präsident Mohammed Mursi darstellen soll. © Mohamed Abd El Ghany /Reuters

Tausende Ägypter sind nach dem Freitagsgebet erneut gegen die Regierung des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi auf die Straße gegangen. Bei gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten wurden mehr als 120 Menschen verletzt, gab das ägyptische Gesundheitsministerium bekannt. Vor dem Präsidentenpalast in Kairo, in Alexandria und mehreren Provinzstädten setzte die Polizei Tränengas ein. Einige Demonstranten warfen Steine und Brandbomben.

Die Proteste auf dem zentralen Tahrir-Platz blieben bis zum Abend friedlich. Die Regierungsgegner riefen: "Nieder mit der Herrschaft der Muslimbrüder" und "Das Innenministerium ist genauso wie früher, Schlägertrupps, Schlägertrupps". Friedlich blieb es auch bei einer Kundgebung von Salafisten vor einer Kairoer Moschee. Die radikalen Islamisten versammelten sich, um gegen die Sabotage der Opposition zu protestieren.

Die Proteste der Gegner von Präsident Mohammed Mursi standen dieses Mal unter dem Motto "Freitag des Abgangs", das ägyptische Demonstranten auch schon vor zwei Jahren benutzt hatten, als sie gegen den damaligen Präsidenten Hosni Mubarak auf die Straße gingen. Die Aktivisten prangerten erneut das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte gegen Demonstranten an. In den vergangenen Tagen waren mehrere Aktivisten ums Leben gekommen.

Todesdrohung gegen Oppositionsführer

Die Demonstranten empörten sich über die Todesdrohung eines radikal-islamistischen Scheichs gegen Ägyptens Oppositionsführer Hamdin Sabahi und Mohammed ElBaradei. Ein prominenter Salafist hatte jüngst gepredigt, dass ElBaradei und Sabahi wegen ihrer Aktivitäten nach islamischem Recht den Tod verdient hätten. Das Al-Azhar-Institut, die höchste religiöse Autorität im Islam sunnitischer Glaubensrichtung, verurteilte die Äußerungen.

Es waren die ersten Demonstrationen nach einigen Tagen der Ruhe. Zwischen 25. Januar und 4. Februar waren mindestens 59 Menschen bei Protesten ums Leben gekommen. Kritiker werfen Mursi vor, die Ziele und den Geist der vor zwei Jahren gestarteten Revolution verraten zu haben, indem er zuviel Macht in seiner Hand und bei den Muslimbrüdern konzentriere.

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Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Liebe Redaktion...

...vor einigen Tagen wurde in einem Artikel hier durch die Kommentatorin befürchtet, dass der Tourismus zurückgehen könnte, in Ägypten, was zwar bezogen auf 2011 und 2012 nicht stimmt, damit es sich aber auch in Zukunft erfreulich entwickelt, wäre es m.E. dringend notwendig, nicht pauschal von Unruhen "in Provinzstädten" zu sprechen, sondern deutlich klarzumachen, dass es keine Städte sind, die auch nur annährend in der Touristenzielen liegen, wie dies die sueddeutsche etwa macht:

"In der Hafenstadt Alexandria warfen Demonstranten Steine auf die Polizeistation des Stadtteils Sidi Gaber, woraufhin die Polizei Tränengas einsetzte.In der Industriestadt Al-Mahalla ging die Ordnungspolizei nach Informationen des regierungsnahen Nachrichtenportals Al-Ahram auf Demonstranten los, die versuchten, das Gebäude der Stadtverwaltung zu stürmen. Auch in Kafr al-Scheich, Tanta und in Zagazig, der Heimatstadt von Präsident Mohammed Mursi, kam es zu Gewalt. In mehreren Städten der Provinz Gharbija im Nildelta gab es ebenfalls Zusammenstöße: 28 Menschen wurden nach Angaben des Gesundheitsministeriums verletzt, die meisten durch das Einatmen von Tränengas. In der Provinz Alexandria wurde die Zahl der Verletzten mit 20 angegeben. Zu den wohl heftigsten Ausschreitungen kam es in Tanta, der Heimatstadt des 23-jährigen Aktivisten, der von Sicherheitsleuten in Kairo zu Tode geprügelt worden war. Dort warfen Demonstranten Brandsätze gegen die Polizei, diese antwortete mit Tränengas."