MenschenrechtsverletzungAfghanistan gesteht Folter von Gefangenen ein

Schläge und Elektroschocks sind in den Gefängnissen Afghanistans verbreitet. Das stellte die Regierung fest, nachdem die UN Menschenrechtsverletzungen beklagt hatten.

Der afghanische Präsident Hamid Karsai (Archivbild)

Der afghanische Präsident Hamid Karsai (Archivbild)  |  © Omar Sobhani/Reuters

Die afghanische Regierung hat eingestanden, dass Folter und Misshandlungen in den Gefängnissen des Landes weit verbreitet sind. Zu diesem Ergebnis sei eine von Präsident Hamid Karsai eingesetzte Untersuchungskommission gekommen, teilte das Präsidialamt mit.

Laut dem Bericht der Kommission beklagten sich die Hälfte der befragten Häftlinge über schlechte Behandlung, Misshandlung und sogar Folter. Zudem sei der Zugang von Gefangenen zu ihren Anwälten nicht immer gewährleistet.

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Karsai hatte die Untersuchungskommission eingesetzt, nachdem die UN-Mission in Afghanistan im Januar einen Bericht vorgelegt hatte. Demnach foltern Polizei und Geheimdienst in Afghanistan weiter, obwohl sich die Regierung darum bemüht, diese Praxis einzudämmen. Schläge, Elektroschocks, das Aufhängen an den Handgelenken und Drohungen mit sexueller Gewalt seien an der Tagesordnung.

Derzeit bereiten sich die afghanischen Behörden drauf vor, von der Nato-Schutztruppe Isaf die volle Verantwortung für Gefängnisse und deren Insassen zu übernehmen. Vor allem Präsident Karsai dringt auf die volle Verantwortung für die Häftlinge. Er bezeichnet dies als eine Frage der Souveränität Afghanistans angesichts des für 2014 geplanten Abzugs der Nato-Truppen.

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Leserkommentare
  1. heisst siegen lernen. Das zeigt doch nur, das "unsere" Methodik übernommen und als hilfreich angesehen wird.

    Traurig, aber leider wahr.

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    • TDU
    • 11. Februar 2013 10:15 Uhr

    Mit Verlaub, solche dummen Argumente erklären überhaupt nichts. Wieso also die Folter in den europäischen Ländern abgeschafft ist, in USA gäbs Gunatanamo ohne 9/11 auch nicht und sie in anderen anderen Ländern nich gang und gäbe ist.

    In der Vergangenheit war sie überall verbreitet. Sogar als Osten und Westen noch gar keine "Einheit" waren sondern eher Norden und Süden oder Abendland und Morgenland und wenig Kontakte zueinander hatten.

    Der oder tut was und natürlich ist ein Anderer schuld. Solches Argument banalisierter Kriminologie passt nun gar nicht.

  2. Im Oktober 2011 hat Amnesty nach Jahren der Kritik über die Zustände einen ausführlichen Bericht vorgestellt über die Folterpraktiken in Afghanistan.

    http://unama.unmissions.o...

    Damals schon ging ein Schrei der Empörung durch die Presse und Administration der ISAF.

    Jetzt 1,5 Jahre später gibt die Regierung es offiziell zu. Als ob es da auch nur den Hauch einen Zweifels gegeben hätte.

    Wenn ich mir jetzt die Frage stelle, warum diese Vorgänge noch so lange weitergehen konnten, komme ich zu dem Schluss dass diese Vorhänge auch von den Interventionstruppen der NATO so gewollt sind.

    Früher haben wir unsere Folterkandidaten nach Syrien oder Libyen geschickt zur "Behandlung". Illegale Festnahme und Deportierung von "Terroristen" ist seit 911 Tagesgeschäft. Auch Deutschland war mit von der Partie. Wir haben diese Flüge mit Deportierten aufgetankt umgeladen auf deutschen Flughäfen.

    Mich würde es nicht wundern, wenn die Afghanen in ihren Gefängnissen von amerikanischen Spezialisten in Folter ausgebildet werden. Denn die Meister des Folterns sind immer noch die Amerikaner. Ganz besonders habe ich hier die Folterknäste des Inlandsgeheimdienstes NDS im Auge.

    Der afghanische Geheimdienst unterhält barbarische Folterknäste laut UNO-Berichten. Aufgebaut und trainiert wurde er von der CIA, finanziert von Deutschland, GB und USA:

    http://de.wikipedia.org/w...

    6 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 11. Februar 2013 10:15 Uhr

    Mit Verlaub, solche dummen Argumente erklären überhaupt nichts. Wieso also die Folter in den europäischen Ländern abgeschafft ist, in USA gäbs Gunatanamo ohne 9/11 auch nicht und sie in anderen anderen Ländern nich gang und gäbe ist.

    In der Vergangenheit war sie überall verbreitet. Sogar als Osten und Westen noch gar keine "Einheit" waren sondern eher Norden und Süden oder Abendland und Morgenland und wenig Kontakte zueinander hatten.

    Der oder tut was und natürlich ist ein Anderer schuld. Solches Argument banalisierter Kriminologie passt nun gar nicht.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Vom Westen lernen ..."
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    ganz ehrlich begreife ich ihre antwort an turbohuhn nicht.muss wohl an mir liegen. tatsache ist doch wohl das wir den geheimdiensten von afghanistan nicht lernen muessen was foltern ist. es waere aber schoen gewesen wenn die usa ihnen nicht noch ein paar miserable beigebracht zusaetzliche beigebracht haetten.

  3. "In der Ära der Beliebigkeit, in der Skandale keine Skandale mehr sind und Handlungen gegen die Menschenwürde als “Aufreger” in Facebook gerade noch eine Halbwertzeit von 15 Stunden haben, muss man die Nachrichtenticker schon aufmerksam verfolgen, um solche Meldungen nicht zu übersehen, die vor 20 Jahren noch einen weltweit kollektiven Aufschrei ausgelöst hätten:

    Die USA haben seit dem Jahr 2008 hunderte von afghanische Kinder als “Kriegsgefangene” festgenommen und halten sie in der US-Basis von Baghram gefangen."
    http://www.wirtschaftsfac...

    3 Leserempfehlungen
    • TDU
    • 11. Februar 2013 10:30 Uhr

    Schwer verdaulich udn wenig geeignet zur differenzierten Nahrungszubereitung der Gegenstand Ihres Nicks.

    "Ganz besonders habe ich hier die Folterknäste des Inlandsgeheimdienstes NDS im Auge." Haben Sie auch ein paar belastbare Fakten?.

    "Der afghanische Geheimdienst unterhält barbarische Folterknäste laut UNO-Berichten. Aufgebaut und trainiert wurde er von der CIA, finanziert von Deutschland, GB und USA:"

    Scheint ja Bedarf und entsprechende Mnetalität vorhanden gewesen zu sein oder? Sonst hätte die ausländischen Mächte das ja selber machen müssen.

    Auch für Ihren Beitrag gilt: Pauschalierung ist wenig erhellend. Und vermutlich ist das Urteil des europäischen Gerichtshofs zum Fall Gräfgen auch nur auf Veranlassung der CIA gefällt worden. Sozusagen als Alibientscheidung zur Verschleierung der täglichen Folter in deutschen Gefängnissen.

    Eine Leserempfehlung
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    "Ganz besonders habe ich hier die Folterknäste des Inlandsgeheimdienstes NDS im Auge." Haben Sie auch ein paar belastbare Fakten?.

    Quelle ist hier der Bericht der UNO. Siehe Bericht z.B. hier:

    Noch schlimmer ist die Situation laut Uno-Bericht jedoch in den Haftanstalten des Inlandsgeheimdienstes NDS: Hier wurde fast die Hälfte (46 Prozent) der befragten Gefangenen während ihrer Haftzeit mindestens einmal Foltermethoden ausgesetzt. Bei beiden Erhebungen stellt die Studie fest, dass nicht mehr von einer Reihe von Einzelfällen, sondern von systematischer Folter ausgegangen werden muss.

    http://www.spiegel.de/pol...

    Hintergründe des NDS:

    Nach dem Sturz der Taliban 2001 wurde unter Präsident Hamid Karzai der KhAD wieder ins Leben gerufen und vom amerikanischen Geheimdienst CIA[6] neu aufgebaut.

    Finanziert wird das NDS von Deutschland, Großbritannien und den USA.

    Organisationen wie das Rote Kreuz, Human Rights Watch und Amnesty International werfen dem NDS Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Gefangenen vor.

    http://de.wikipedia.org/w...

    • Atan
    • 11. Februar 2013 10:43 Uhr

    Wer sollte Karzai kritisieren und auf welcher Basis? Karzai ist der "Mann des Westens", der zwar mittels Wahlbetrug und familiäre Verstrickung in die Krimninalität an der Macht ist, zu dem es aber angebl. keine Alternative gibt. Der sich also deshalb auf die bewaffnete Unterstützung von Bundeswehr und NATO berufen kann.

    Die moralische Beliebigkeit, mit der nach der Unterstützung irgendwelcher korrupter oder fanatischer Schlagetots gerufen wird, untergräbt eben auch unsere eigenen ethischen Standards:
    -Karzai steht gegen die Taliban? Unterstützt ihn, egal mit welchen Mitteln!
    -Irgendwelche Salafisten und Fanatiker kämpfen gegen Assad? Unterstützt sie, egal mit welchen Mitteln!

    Das alte Spiel des Kalten Krieges wird also fortgesetzt:
    "He may be a bastard, but he is our bastard at least!"

    5 Leserempfehlungen
  4. Spätestens wenn wir hier in Deutschland solche Feststellungen zur Kenntnis nehmen müssen, sollten sich die verantwortlichen Politiker im Bundestag und in der Regierung erneut die Frage stellen, ob die Bundeswehr am Hindukusch tatsächlich die Freiheit Deutschlands verteidigt und ob dieser Einsatz der Verteidigung westlicher Werte dienen kann, wenn "die Afghanen" des Kasai-Clans die "Gefängnisse übernehmen"...

    Eine Leserempfehlung
  5. 8. @ TDU

    "Ganz besonders habe ich hier die Folterknäste des Inlandsgeheimdienstes NDS im Auge." Haben Sie auch ein paar belastbare Fakten?.

    Quelle ist hier der Bericht der UNO. Siehe Bericht z.B. hier:

    Noch schlimmer ist die Situation laut Uno-Bericht jedoch in den Haftanstalten des Inlandsgeheimdienstes NDS: Hier wurde fast die Hälfte (46 Prozent) der befragten Gefangenen während ihrer Haftzeit mindestens einmal Foltermethoden ausgesetzt. Bei beiden Erhebungen stellt die Studie fest, dass nicht mehr von einer Reihe von Einzelfällen, sondern von systematischer Folter ausgegangen werden muss.

    http://www.spiegel.de/pol...

    Hintergründe des NDS:

    Nach dem Sturz der Taliban 2001 wurde unter Präsident Hamid Karzai der KhAD wieder ins Leben gerufen und vom amerikanischen Geheimdienst CIA[6] neu aufgebaut.

    Finanziert wird das NDS von Deutschland, Großbritannien und den USA.

    Organisationen wie das Rote Kreuz, Human Rights Watch und Amnesty International werfen dem NDS Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Gefangenen vor.

    http://de.wikipedia.org/w...

    6 Leserempfehlungen
    Antwort auf "@ Grobkorn"
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    • TDU
    • 11. Februar 2013 12:15 Uhr

    Erst möchte ich klar stellen, das Folter unakzeptabel ist.

    Nur stört mich: Wer erst Forschritte sieht, wenn der Grad der Misstände, Verkehrsunfälle und auch Menschenrechtsverletzungen 0,00 ist, "der Westen ist nicht anders" macht es ich einfach. Er kann immer kritisieren, muss keine Unterscheide machen und hat immer die moralische Überheblichkeit über die, die handeln.

    So als würde man die Gesundheitsvorsorge in Deutschland im Hinblick auf manches Entwicklungsland vergleichen und mit dem Argument: hierzulande sterben ja auch Menschen abwerten und gleichzeitig Ärzte und Pflegepersonal hier und auch da der Unfähigkeit bezichtigen und Stolz auf die eigene Leistung morailsch diskreditieren. "Solange noch welche Sterben kein Grund zum Feiern". Das Elend ist der Masstab und sonst nichts, wie die religiöse Forderung nach Reinheit.

    Das ist dann auch noch eine Abwertung der eigenen vorteilhaften Situation. Üblich hier im Forum z. B. wenn es um Russland oder China in Bezug auf Menschenrechte geht.
    Hier ist es nicht besser, weil auch hier... Ausmaß Planmässigkeit und Rechtswege spielen keine Rolle.

    Vielleicht liegts daran, dass viele nicht mehr hinhören. An einem Erzeugen schlechten Gewissens. Schaut dahin und wie könnt ihr dann stolz sein. Aber die Politk feiert ihre Feste wie die Kirche den armen Sünder früher verdammte und selbst rumhurte.

    Das kann nicht die Antwort sein. Konkrete Analyse unhysterisch und aufklärend durch sachliche Kritik, das ist es. Es geht um die Opfer.

    Das kann nicht die Antwort sein. Konkrete Analyse unhysterisch und aufklärend durch sachliche Kritik, das ist es. Es geht um die Opfer.

    Ich glaube meine Kritik war sachlich. Denn sie belegt mit Quellenangaben den Hintergrund der Folterpraktiken.

    Und es geht eben nicht um die Opfer, sondern um die Täter.
    Wenn die UN und diverse Menschenrechtsorganisationen über systematische Folter berichten, die von den Ländern die dort (offiziell) zum Bau von Brunnen und Mädchenschulen angerückt sind, dann ist das für mich definitiv eine Erwähnung wert.

    Fazit: Folter wird nicht nur toleriert von den ISAF Truppen, sondern aktiv gestützt. Finanzierung und Ausbildung der Folterer sind der Beleg. Ausserdem keine Änderung der Zustände seit Jahren, trotz genauer Kenntnis der Vorgänge.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, nf
  • Schlagworte Afghanistan | Hamid Karsai | Folter | UN | Menschenrechtsverletzung | Behörde
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