IranGeistliches Oberhaupt Chamenei lehnt Gespräche mit den USA ab

Der iranische Führer stellt sich gegen Präsident Ahmadinedschad: Ajatollah Ali Chamenei ist gegen direkte Gespräche mit dem "Erzfeind" USA über Irans Atomprogramm.

Das geistliche Oberhaupt im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, lehnt bilaterale Gespräche mit den USA über das umstrittene iranische Atomprogramm ab: "Ihr wollt mit uns verhandeln, während Ihr mit einer Waffe auf den Iran zielt", sagte er in einer Rede bei der iranischen Luftwaffe. Von solchen Angeboten werde sich das iranische Volk "nicht beirren lassen", sagte Chamenei, der laut Verfassung das letzte Wort in allen politischen Belangen hat. "Einigen naiven Menschen gefällt die Idee, mit Amerika zu verhandeln", doch Verhandlungen könnten die Probleme nicht lösen, sagte Chamenei weiter.

Chamenei reagiert auf das Angebot von US-Vizepräsident Joe Biden, der auf der Münchner Sicherheitskonferenz am vergangenen Wochenende ein bilaterales Treffen angeboten und eine diplomatische Lösung des Atomstreits nicht ausgeschlossen hatte. Sowohl Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad als auch sein Außenminister Ali-Akbar Salehi hatten daraufhin ihre vorsichtige Bereitschaft für direkte Gespräche bekundet. Salehi sagte: "Wir nehmen diese Aussagen positiv zur Kenntnis." Sie seien ein Schritt in die richtige Richtung.

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Zwar will der Iran im Atomstreit nicht von seinen Rechten abweichen, ist aber im Detail zu Konzessionen bereit, hauptsächlich wegen der Auswirkungen der US- und EU-Sanktionen, die das Land in eine Wirtschaftskrise geführt haben. Erst am Mittwoch haben die USA neue Sanktionen gegen den Iran verhängt.

Die nächsten internationalen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland sollen am 26. Februar in Kasachstan stattfinden.

Der Westen verdächtigt den Iran, heimlich am Bau einer Atombombe zu arbeiten und versucht, das Land mit Wirtschaftssanktionen zum Einlenken zu bewegen. Als letzte Option haben die USA und Israel aber auch einen Militärangriff auf iranische Atomanlagen nicht ausgeschlossen. Die Regierung in Teheran hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

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Leserkommentare
  1. Auch wenn ich von Chamenei und anderen Theokraten im Iran nichts halte, kann ich die Haltung irgentwie nachvollziehen. Ich meine man kann doch nicht biliterale Gespräche in Aussicht stellen, und nur wenige Tage später neue Sanktionen beschließen.

    Es wurden wieder neue Sanktionen beschlossen, die es Ländern sehr schwer machen, Öl vom Iran zu erwerben. Wieder wurden die Regeln verschärft. Ist das zielführend, wenn man ernsthaft verhandeln will?

    Ich meine es ist ja in Ordnung, den eigenen Unternehmen zu verbieten Geschäfte mit dem Iran zu machen. Aber andere Länder, die diese Sanktionen nicht unterstützen, auch unfreiwillig mit einzuschließen ist nicht in Ordnung.

    Das ist den USA nur möglich, weil sie über ihr Finanzmonopol Sanktionen über die ganze Welt verbreiten können.

    Wenn Indien Öl vom Iran kaufen will, soll es das tun. Die uSA hat kein Recht, den handel zwischen diesen Ländern irgentwie einzuschränken!

    Aber seis drum. Wer glaubt denn wirklich daran, dass die USA an einer diplomatischen Lösung interessiert sind? Priorität Nr. 1 ist die Verhinderung einer neuen Macht in Nahost und die Erhaltung des Petrodollars. Keinem Land der Welt wird gestattet, seinen Ressoucenhandel abseits von Wallstreet und Petrodollar abzuwickeln!

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    [...] Aber seis drum. Wer glaubt denn wirklich daran, dass die USA an einer diplomatischen Lösung interessiert sind? Priorität Nr. 1 ist die Verhinderung einer neuen Macht in Nahost und die Erhaltung des Petrodollars. Keinem Land der Welt wird gestattet, seinen Ressoucenhandel abseits von Wallstreet und Petrodollar abzuwickeln! [...]

    Das sind doch die alten ständig wiederholten Verschwörungstheorien. Natürlich möchte die USA eine neue "MACHT" in der Regionen verhindern. Das möchten im übrigen nicht nur die USA sondern auch so gut wie alle Anrainerstaaten. Von den iranischen Hegemonialbestrebungen fühlen sich alle sunnitischen Nachbarländer bedroht. Ein nuklear-bewaffneter Iran wäre unberechenbar, zumal in diesem Land Religiöse herrschen, die sich einen Dreck um weltliche Logik oder Vernunft scheren. "Gott will es". Wir Europäer haben uns ja fein rausgehalten und die USA für unsere Interessen eintreten lassen. Aber auch unser Leben und unserer Wirtschaft hängt ab vom Öl. Vielleicht mehr als Sie es sich vorstellen können.

    Ich möchte hier auf ein Interview auf www.irananders.de hinweisen mit Prof.John Mearsheimer,der an der Uni Chicago über Themen der internationalen Sicherheits-und Außenpolitik forscht (deutsche Übersetzung von Leo Schmitt).Ein Bestseller v. Prof. Mearsheimer mit Havard-Prof. Stephen Walt:"Die Israel-Lobby und die amerikanische Außenpolitik."Auf die letzte Frage von Iran Review:'Was halten Sie von der Scheinheiligkeit des Westens in der Atomfrage? Einerseits vernachlässigen sie Israels großes Atomarsenal an Atomsprenköpfen, andererseits üben sie auf Iran starken Druck wegen seines zivilen Atomprogramms aus? Darauf Prof. Mearsheimer:' Große Mächte haben sich schon immer der Scheinheiligkeit schuldig gemacht. Die USA haben, genau wie alle großen Mächte, eine reichhaltige Geschichte scheinheiligen Handelns. Die USA wenden oft ein Set von Standards für ihre Freunde u. einen anderen Set von Standards für ihre Gegner ein. Und so ist das, was in Bezug auf das iranische u. das israelische Atomprogramm geschieht, kaum verwunderlich. Keine Frage, die USA verhalten sich scheinheilig in der Atomfrage, aber, um es zu wiederholen, es ist nicht überraschend.' - Auch sagt Prof. Mearsheimer, dass es nicht um Verhinderung einer Vormachtstellung Irans geht, sondern man möchte Iran überhaupt keine Urananreichung erlauben, denn, wird diese Technik beherrscht, ist es kein großer technischer Aufwand zur A-Bombe.

  2. ...dieser exotischen Anmutung vom Mullah-Regime, damit jeder nachvollziehen kann, dass die IEAO besser ihre Zeit woanders verwendet, dass Ahmadinedschad quasi ein politischer Hanswurst ist, mit Verlaub, und dass man weder Herrn Salehis Beteuerungen glauben darf, noch einen Schmusekurs mit dem Regime fahren darf.

    Alles, was dort verstanden wird, scheinen handfeste Argumente und der Wink mit dem Zaunpfahl zu sein, so traurig das ist, für die Menschen im Iran, wie für die Menschen etwa in Nord-Korea.

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  3. Der Iran wird ständig "sanktioniert" und bedroht - und auf einmal will das Imperium verhandeln?

    Verhandlungen mit den USA sind sinnlos!

    Der Iran hat nichts zu "verlieren" und sollte weiterhin standhaft bleiben.

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  4. ...und weit außerhalb unseres Demokratie- und Politikvertändnisses liegenden Äußerung "man wolle nicht verhandeln" mit den sonstigen Äußerungen Chameneis in Verbindung bringt, wo er Drohungen gegen Israel ausspricht, und dieses zum wiederholten Male als "Krebsgeschwür" bezeichnet hat, vgl.

    http://www.zeit.de/news/2...

    dann kann einem nur Angst und Bange werden, jedenfalls muss man Mitleid haben mit den einfachen, oder wie er sagt, "naiven" Leuten im Iran, die diesen Herrn nicht stoppen können.

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    Mich würde interessieren, was Sie unter "Verhandeln" verstehen. Wie könnte so eine Lösung ausehen? Macht es Ihnen was aus, uns das mal kurz zu erläutern?

    Irgentwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass Verhandeln und Kapitulation für Sie gleichbedeutend ist.

  5. Mich würde interessieren, was Sie unter "Verhandeln" verstehen. Wie könnte so eine Lösung ausehen? Macht es Ihnen was aus, uns das mal kurz zu erläutern?

    Irgentwie habe ich das dumpfe Gefühl, dass Verhandeln und Kapitulation für Sie gleichbedeutend ist.

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    ...das Argument von Chamenei, man verhandele nicht mit jemandem, der mit der Waffe auf einen ziele, ist doch total hanebüchen, wenn man sich gerade selbst den Patronengurt vollstopft, vgl.

    "Der Iran hat seine wichtigsten Waffenprojekte präsentiert. Der Militärchef freut sich insbesondere über eine neuartige Rakete. Die Staatsführung verspricht auch neue Drohnen, U-Boote und Kampffahrzeuge. Im Kriegsfall droht sie Israel mit einem verheerenden Gegenschlag.
    Präsident Mahmud Ahmadinedschad und Verteidigungsminister Ahmad Vahidi besuchten am Dienstag eine feierliche Veranstaltung anlässlich des Tages der Nationalen Rüstungsindustrie. Dabei wurden sechs jüngste Waffenprojekte präsentiert, die für das Land besonders wichtig seien."

    http://german.ruvr.ru/201...

  6. ...das Argument von Chamenei, man verhandele nicht mit jemandem, der mit der Waffe auf einen ziele, ist doch total hanebüchen, wenn man sich gerade selbst den Patronengurt vollstopft, vgl.

    "Der Iran hat seine wichtigsten Waffenprojekte präsentiert. Der Militärchef freut sich insbesondere über eine neuartige Rakete. Die Staatsführung verspricht auch neue Drohnen, U-Boote und Kampffahrzeuge. Im Kriegsfall droht sie Israel mit einem verheerenden Gegenschlag.
    Präsident Mahmud Ahmadinedschad und Verteidigungsminister Ahmad Vahidi besuchten am Dienstag eine feierliche Veranstaltung anlässlich des Tages der Nationalen Rüstungsindustrie. Dabei wurden sechs jüngste Waffenprojekte präsentiert, die für das Land besonders wichtig seien."

    http://german.ruvr.ru/201...

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    Also kein konstruktiver Vorschlag wie eine Verhandlungslösung aussehen könnte? Schade.

    Ist etwas unglaubwürdig, wenn man die fehlende Bereitsschaft zum Verhandeln ablehnt und selber keinerlei Vorstellung davon hat wie eine Verhandlungslösung aussehen könnte.

    • olegj
    • 07. Februar 2013 15:51 Uhr

    ... tja... was war wohl zuerst da?

    Apropos "unsere Demokratie- und Politikverständnisse"... es gibt gerade ein paar sehr schöne Artikel in einer anderen Onlinezeitung aus dem Süden Deutschlands, die unsere schöne demokratische Weltsicht mit einem weiteren schwarzen Fleck versehen, den es, wie es scheint, auf jeden Fall zu ignorieren, relativieren oder gleich zu vergessen gilt, wenn man auf der richtigen, also guten Seite leben möchte.

    • Bashu
    • 07. Februar 2013 16:16 Uhr

    dass die eigenen Wissenschaftler ermordet?

    Iran gibt die Namen seiner Nuklearwissenschaftler preis. Danach werden diese Nuklearwissenschaftler in TERRORANSCHLÄGEN ermordet. Israel und USA unterstellen Iran, Terror zu finanzieren, aber sie selbst begehen Terror.

    Die Mullahs selbst sind wahrlich keine Pastorenkinder, aber mit einem Staat nicht verhandeln zu wollen, der die eine Hand zum "shake hands" aufhält und dich mit der anderen Hand würgt, das kann ich nachvollziehen.

  7. Also kein konstruktiver Vorschlag wie eine Verhandlungslösung aussehen könnte? Schade.

    Ist etwas unglaubwürdig, wenn man die fehlende Bereitsschaft zum Verhandeln ablehnt und selber keinerlei Vorstellung davon hat wie eine Verhandlungslösung aussehen könnte.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Lieber Mitforist..."
  8. Der Iran hat Verhandlungen abgelehnt-was bitte gibt es daran über den grünen Klee zu loben? Im Prinzip schonmal ein Widerspruch in sich

    Mal abgesehen von dieser einfach nur nervenden Hickhack-Taktik sehe ich immer noch nicht welche heldenhaften Taten die Bärtigen durch diese Verweigerung mal wieder vollbracht haben sollen. Scheinen ja grösser als Robin Hood wenn man hier so mitliest

    Ernsthafte Kapitalismuskritiker eben-schon klar...

    8 Leserempfehlungen
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    Auch an Sie die Frage:

    Was soll der Iran tun, damit Ruhe ist?

    Ist das jetzt wirklich so schwer das mal in Worte zu fassen?

    • hareck
    • 08. Februar 2013 0:17 Uhr

    Die USA, die vor lauter Atombomben fast platzen, versuchen, dem Iran die Entwicklung einer solchen zu verbieten.

    Kann ich schon verstehen, dass der Iran sich darauf nicht einlassen möchte. Auch wenn es mir nicht gefällt.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, sk
  • Schlagworte Iran | USA | Mahmud Ahmadinedschad | Ali Akbar Salehi | Atombombe | Atomprogramm
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