Italiens Justiz ermittelt mehreren Medien zufolge gegen Italiens Expremier Silvio Berlusconi. Es geht um den Verdacht, er habe einen Abgeordneten bestochen, um an die Regierungsmacht zu kommen. La Repubblica berichtete, die Staatsanwaltschaft sei davon überzeugt, dass Berlusconi dem Abgeordneten Sergio De Gregorio im Jahr 2006 drei Millionen Euro zahlte.

Die damalige Wahl gewann die Mitte-links-Koalition unter Romani Prodi, zu der auch Gregorio gehörte. Monate später wechselte Gregorio ins Oppositionslager zu Berlusconi. Das trug dazu bei, dass die Regierung 2008 zusammenbrach. Aus der darauf folgenden Wahl ging Berlusconi mit Abstand als Sieger hervor.  

Kritiker warfen dem erfolgreichen Unternehmer Berlusconi schon oft vor, Stimmen gekauft oder Abgeordnete bestochen zu haben. Noch nie ermittelte jedoch die Staatsanwaltschaft gegen ihn.  

Das Verfahren dürfte die Regierungsbildung nach der Parlamentswahl vor wenigen Tagen überschatten: Berlusconis Mitte-rechts-Lager ist ein möglicher Partner für das Bündnis von Pier Luigi Bersani, der im Abgeordnetenhaus stärkste Kraft wurde.

Der mehrfache Ministerpräsident stand schon wiederholt vor Gericht. Verurteilt wurde er jedoch bisher nur wegen Steuerbetrugs. Er ging dagegen in Berufung, das Urteil ist noch nichts rechtskräftig. Derzeit muss er sich wegen seiner Kontakte zu einer minderjährigen Prostituierten verantworten. Hinzu kommen ein Verfahren wegen möglichen Bruchs des Amtsgeheimnisses und des Steuerbetrug-Verdachts durch seinen Medienkonzern Mediaset.