Hinderlich für eine Entspannung des Konflikts ist auch: Zwischen beiden Armeen mangelt es an direkten Kommunikationskanälen, und niemand kann sich auf Verhaltensregeln berufen. Ein Vertrag, wie ihn beispielsweise die Sowjetunion und die USA 1972 getroffen hatten, könnte einiges erleichtern. Es gab im Juni 2012 zwar die Übereinkunft zwischen Japan und China, derartige Mechanismen einzuführen, doch mehr ist seitdem nicht geschehen.

Die Vereinigten Staaten als Bündnispartner Japans drängen wegen dieser ungemütlichen wie unübersichtlichen Situation beide Seiten dazu, schnell wieder Gespräche aufzunehmen. Dahinter steht auch die Angst, in eine heikle Lage hineingezogen zu werden. Peking hat in den vergangenen drei Jahren seinen Machtanspruch in der Region zunehmend offen artikuliert und damit fast alle Staaten in seiner Umgebung in die Arme der USA getrieben – die bislang dominierende Macht im Westpazifik. Bei einem tatsächlich gewalttätigen Konflikt stünden die USA am Ende plötzlich gegen China. Eine Bredouille für Washington, denn würden die USA dann nicht eingreifen, wären die anderen Partner im Pazifikraum wohl düpiert.

Bestätigt sich der Feuerleitradar-Vorfall, ist Pekings Verhalten schlicht unverantwortlich. Am Ende dürften zwar beide Staaten weiter rational handeln. Doch der Vorfall erhöht die Gefahr, dass ein falsch verstandenes Wort in dieser aufgeheizten Situation ungewollt großen Schaden nach sich zieht. Den festgefahrenen Inselstreit als Ausgangspunkt könnten Japan und China jedenfalls besser ohne solche Provokationen lösen: in einem andauernden Verhandlungsprozess mit vielen kleinen Vereinbarungen über die gemeinsame Ausbeutung der erhofften Rohstoffe.