Türkei Linksextremist soll Sprengsatz vor US-Botschaft in Ankara gezündet haben
Ein Unbekannter hat vor der US-Botschaft in Ankara einen Sprengsatz gezündet. Er tötete sich und einen Wachmann. Die Regierung vermutet Linksextremisten als Täter.
Bei einer Explosion vor der US-Botschaft in der türkischen Hauptstadt Ankara sind zwei Menschen getötet worden. Der Sprengsatz detonierte bisherigen Informationen nach vor einem Eingang des Botschaftsgebäudes, den Visa-Antragsteller nutzen. Laut CNN Türk überprüften Sicherheitsmitarbeiter gerade einen Besucher. Krankenwagen und Feuerwehr waren im Einsatz. Über dem Botschaftsgebäude stieg Rauch auf, Trümmer wurden durch die Luft geschleudert. Mehrere Gebäude wurden beschädigt, die US-Vertretung selbst blieb aber unversehrt.
"Es gibt zwei Tote, den Attentäter und einen türkischen Sicherheitsmann", sagte Ankaras Gouverneur Alaadin Yüksel. Zudem sei eine Frau verletzt worden, die wegen eines Visaantrags vor Ort war.
Laut der Zeitung Hürriyet zerstörte die Explosion ein Wachhäuschen der Sicherheitskräfte vor der Botschaft. Fernsehbilder zeigten eine herausgesprengte Tür und beschädigtes Mauerwerk rund um den Seiteneingang.
Nach Angaben der Polizei und des Gouverneurs zündete ein Selbstmordattentäter den Sprengsatz. Ein Bericht des Daily Telegraph über britische Diplomaten, die den Vorfall nicht als Selbstmordattentat eingeordnet hatten, bestätigte sich nicht.
v quick survey at jihadist forums re: #Ankara bombing: 2 users say it was US or secret service plot, 2 say it looks like #Jabha al-Nusra
— yassin musharbash (@abususu) 1. Februar 2013
Nach Angaben der türkischen Regierung sind wahrscheinlich Linksextremisten für die Tat verantwortlich. Es gebe erste Hinweise, dass der Selbstmordattentäter einer verbotenen linksgerichteten Organisation angehörte, sagte Innenminister Muammer Güler. Türkische Medien berichteten, es sei ein 30-jähriger Türke gewesen, der der verbotenen Organisation DHKP-C angehörte. Der DHKP-C werden in der Türkei vor allem Anschläge gegen Polizei und Justiz mit dem Ziel eines Umsturzes zugerechnet.
Die türkische Polizei riegelte den Anschlagsort ab, auch von innen wurde das Botschaftsgebäude versperrt. In der Umgebung befinden sich zahlreiche weitere diplomatische Vertretungen, auch die deutsche Botschaft.
Die USA, Deutschland und die Niederlande hatten kürzlich auf Bitten des Nato-Partners Türkei Patriot-Abwehrbatterien in der Türkei stationiert. Diese sollen vor möglichen Angriffen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien schützen. Gegen die Stationierung hatte es in der Türkei Proteste gegeben. Die beteiligten Bundeswehrsoldaten waren Anfeindungen ausgesetzt gewesen.
- Datum 01.02.2013 - 16:54 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, sk
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"...Die Türkei hatte ein gutes Verhältnis zu Syrien. Sowohl wirtschaftlich, als auch kulturell. Warum dieser Bruch? Warum die Gefahr der völligen Destabilisierung des Nachbarlandes?..."
In der Libyen-Frage gehörte Erdogan anfänglich zu den Bremsern und wäre um ein Haar zu spät gekommen. Dieser Gefahr wollte er sich in der Syrienfrage nicht ein zweites Mal aussetzen und hat - wohl in der Erwartung, dass Assad letztlich genauso schnell stürzen würde wie zuvor die Machthaber in Ägypten und Libyen - auf einen schnellen Sieg der Opposition gesetzt. Hinter diese mitunter sehr offensiv eingenommene Festlegung hätte er nicht mehr zurückgekonnt, selbst wenn er gewollt hätte. Ob er sich damit verkalkuliert hat? Ich denke nicht. Das ganze zieht sich wider Erwarten zwar in die Länge, aber es ist doch sehr unwahrscheinlich, dass das Assad-Regime noch eine Zukunft hat. Und wenn man davon ausgeht, dass Assad früher oder später auf jeden Fall stürzt, ist Ankaras Haltung quasi alternativlos (ich weiß, unschönes Wort). Der "Kurdenfaktor" ist dabei noch das geringste Problem. Die Türken wollen und können das Feld vor ihrer Haustür nicht Wahhabiten, resp. Salafisten überlassen.
Es ist ein doppelter Konkurrenzkampf um regionale Hegemonie, den Ankara in Syrien austrägt. Zum einen zur Zurückdrängung des iranischen Einflussbreiches, zum anderen - das wird verkannt - in verkappter innersunnitischer Konkurrenz zu saudischen Hegemonialbestrebungen.
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