Der frühere Präsident der Elfenbeinküste, Laurent Gbagbo, stellt sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) Vorwürfen, er sei für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich. Die Eröffnung des Verfahrens verfolgte Gbagbo in Den Haag. Er ist damit das erste ehemalige Staatsoberhaupt, das zur Anhörung vor dem ICC erschienen ist.

Die Anklage wirft dem 67-jährigen Gbagbo vor, für die Ermordung, Vergewaltigung und Verfolgung von Hunderten politischen Gegnern verantwortlich zu sein. Als die Zusammenfassung der Anklage verlesen wurde, zeigte Gbagbo keine Regung. Bis zum Monatsende will das Richtergremium unter Vorsitz der Argentinierin Silvia Fernández de Gurmendi entscheiden, ob die Vorwürfe für eine Anklage ausreichen. Mit Rücksicht auf das fortgeschrittene Alter Gbagbos sollen die Sitzungen des Gerichts jeweils nur vier Stunden am Nachmittag dauern.

Die Anklage will nachweisen, dass Gbagbo während des viermonatigen Bürgerkriegs nach der Präsidentschaftswahl 2010 seine Anhänger zur Gewalt angestachelt hat. So soll er für die Ermordung von mindestens 166 Menschen, die Vergewaltigung von 34 Menschen und die Misshandlung von 94 weiteren Menschen verantwortlich sein. Im April 2011 wurde Gbagbo von UN-Truppen festgenommen.

Die Verteidigung beantragte den Abbruch des Verfahrens, da das Weltstrafgericht nicht zuständig sei. Gerichte in der Elfenbeinküste müssten sich mit den Gewalttaten befassen, hieß es.

Vor dem Gerichtsgebäude in Den Haag demonstrierten einige Hundert Anhänger für die Freilassung Gbagbos. Vertreter von Menschenrechtsorganisationen begrüßten die strafrechtliche Verfolgung dagegen, klagten allerdings, dass Gefolgsleuten des heutigen Präsidenten der Elfenbeinküste, Alassane Ouattara, nicht der Prozess gemacht werde. "Verbrechen wurden auf beiden Seiten während des Konflikts begangen", erklärte Francis Dako von der Koalition von Menschenrechtsorganisationen beim Strafgerichtshof.