GleichstellungBritisches Unterhaus beschließt Homo-Ehe

In Großbritannien sollen Homosexuelle heiraten dürfen und sich auch kirchlich trauen lassen können. Premier Cameron muss das Gesetz noch durch das Oberhaus bringen.

Ein lesbisches Pärchen feiert die Zustimmung zur Homo-Ehe im britischen Unterhaus mit einem Kuss vor dem Parlament in London.

Ein lesbisches Pärchen feiert die Zustimmung zur Homo-Ehe im britischen Unterhaus mit einem Kuss vor dem Parlament in London.  |  © Luke MacGregor/Reuters

Das britische Unterhaus hat die Einführung der Ehe für homosexuelle Paare beschlossen. Das Parlament stimmte nach stundenlanger intensiver Debatte mit einer Mehrheit von 400 zu 175 Stimmen für den Gesetzentwurf von Premierminister David Cameron. Auch viele Abgeordnete seiner konservativen Partei stimmten dafür. Vor dem Inkrafttreten muss die Neuregelung noch vom britischen Oberhaus verabschiedet werden.

Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass homosexuelle Paare sowohl zivil als auch kirchlich heiraten können. Kirchliche Gemeinschaften können jedoch selbst entscheiden, ob sie solche Eheschließungen zulassen wollen. In den in Großbritannien dominierenden anglikanischen Kirchen – die Church of England und die Church in Wales – soll die Homo-Ehe aber weiter verboten bleiben.

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"Die Ehe ist eine großartige Institution und sie sollte da sein für Menschen, die homosexuell sind und für Menschen, die das nicht sind", sagte Cameron, der an der Debatte im Parlament selbst nicht teilgenommen hatte. "Es ist wichtig für unser Land und unsere Gesellschaft."

Cameron hatte sich vehement für die Gleichstellung homosexueller Paare eingesetzt, damit aber konservative Stammwähler verärgert und auch seine Partei gespalten: Etwa 140 konservative Abgeordnete haben Medien zufolge mit Nein gestimmt, rund 130 mit Ja – und 40 sollen sich enthalten haben. Der Abstimmung ging eine zum Teil heftig geführte Debatte voraus.

Mehrheit der Briten für Homo-Ehe

Eine Mehrheit der Briten befürwortet gleichgeschlechtliche Ehen, das Gesetz geht auf ein Wahlversprechen der an der Regierung beteiligten Liberalen zurück. Deren Abgeordnete und diejenigen der oppositionellen Labour-Partei stimmten der Vorlage größtenteils zu.

Die vielen Gegenstimmen aus seiner Partei setzen Cameron weiter unter Druck. Eine parteiinterne Fraktion von Abweichlern hatte bereits bei wichtigen Abstimmungen, etwa zu Europa und zur Reform des Oberhauses, gegen den Premier Opposition gemacht. Zuletzt waren die Konservativen bei einer Abstimmung zur Neuordnung der Wahlkreise unterlegen. Ihr liberaldemokratischer Koalitionspartner hatte mit der Labour-Opposition gestimmt.

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Leserkommentare
  1. Und während sich andere Länder in Europa weiterentwickeln, ist es in Deutschland immer noch 1938. Sind hier nicht auch sog. Liberale an der Regierung beteiligt? Shame on you!

    8 Leserempfehlungen
  2. ganz zu schweigen von Holland und Skandinavien, Südafrika, zahlreichen Staaten der USA und schämt sich für Deutschland. Es wird Zeit Frau merkel, entweder zu gehen oder gesellschaftspolitisch die Realitäten anzuerkennen; das ist alternativlos.

    10 Leserempfehlungen
    • TomFynn
    • 06. Februar 2013 9:59 Uhr

    Ein wichtiger Schritt auf dem Weg ins 21ste Jahrhundert.

    Are you listening Frau Merkel?

    3 Leserempfehlungen
  3. Das sind doch mal schöne Neuigkeiten, Glückwunsch!

    Vielleicht siegt die Vernunft ja auch hier mal?

    2 Leserempfehlungen
    • Künzel
    • 06. Februar 2013 10:21 Uhr
    6. Prima

    Na, das ist doch mal ein Wort. So hat Fortschritt wohl inzwischen auch die Insel erreicht :) !

    2 Leserempfehlungen
  4. 7. Schade

    Der Sinn der biblischen Ehe (nicht automatisch gleichzusetzen mit der Kirchlichen) verliert leider immer mehr an Bedeutung. Aber zum Glück sind wir ja alle so fortschrittlich und weltoffen...

    Das es auch Punkte gibt in denen man Konservativ sein darf und muss, sehen wohl nur noch die allerwenigsten.

    Eine Mann-Mann / Frau-Frau Beziehung ist niemals einer Mann-Frau Beziehung gleich, das liegt allein schon an den körperlichen Vorraussetzungen. Aber in unserer heutigen Zeit wird alles gleich gemacht, auch wenn es nicht gleich ist.

    Für mich ist es eher ein Rückschritt als ein Fortschritt. Viel Spaß beim kritisieren meines Beitrags, der ja so engstirnig, konservativ und hinterwäldlerisch ist...

    3 Leserempfehlungen
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    • Derdriu
    • 06. Februar 2013 10:59 Uhr

    Die Ehe ist ein Vertrag, das ist Ihnen klar, oder? Seit wann wird aus Liebe geheiratet? Glaub, seit vl. 50 Jahren. Davor wurden die Frauen und Männer an reiche/ einflussreiche/ angesehene Familien verkauft. Die Eltern haben ein gutes Geschäft gemacht und die Kinder hatten das Nachsehen.

    Ist das Ihre biblische Ehe? Die wurde nämlich nie aus humanen Gründen geschlossen.

    Heute, in der Moderne, darf sich ein Mensch durch den Ehe(vertrag) Rechte und Pflichten sichern, die ihm erlauben sich um den Partner nur kümmern - mit oder ohne Hintergedanken.

    Kommen wir zur Biologie: Ich kenne wirklich viele Menschen, die ganz ohne Ehe Eltern geworden sind.
    Kommen wir also zurück zum Vertrag: Nun darf in GB tatsächlich JEDER mit JEDEM diesen Vertrag schließen, der vertragsmündig ist.

    Das ist nicht nur Gleichberechtigung, das ist auch logisch.

    Ihre Aussage ist einfach reaktionär, nicht konservativ. Man könnte auch die Frage der Homophobie erörtern. Die Differenzierung "biblische Ehe" und nicht biblische Ehe ist mir ansonsten neu. Vielleicht erläutern Sie dies mit einigen Bibelzitaten. Soweit ich es überschaue, ist die Ehe vor dem Standesamt seinerzeit nicht üblich gewesen. es gab wohl auch keines. Um letztere geht es aber bei der Gleichstellung, nicht um ein biblisches Prinzip.
    Bibel, der Koran etc. sollen ansonsten dort verwendet werden, wo sie hingehören: In den Kirchen und Moscheen. In den Standesämtern und im Parlament braucht man bürgerliche Gesetzbücher.

    "Der Sinn der biblischen Ehe (nicht automatisch gleichzusetzen mit der Kirchlichen) verliert leider immer mehr an Bedeutung. Aber zum Glück sind wir ja alle so fortschrittlich und weltoffen..."

    Ganz im Gegenteil. Im Gegensatz zur "natürlichen" Ehepraxis zu biblischen Zeiten - d.h. der arrangierten Ehe und/oder der Zwangsehe, die größtenteils auf familienpolitischen, schichtpolitischen und finanziellen Überlegungen basierte - wurde die freiwllige, auf Liebe/Zuneigung basierende Bindung zweier Partner zur obersten Maxime des christlichen Eheverständnisses. Das christliche Eheverständnis fußt auf der Ansicht, dass die Liebe zweier Menschen zueinander von vornherein wertvoll und schützenwert ist; unabhängig von den finanziellen, gesellschaftlichen oder persönlichen Umständen - in einer Zeit, in der die Ehe als primär familienpolitisches Instrument diente war dies eine revolutionäre Idee.

    Die Homoehe unterminiert diese Idee in keinster Weise. Stattdessen handelt es sich bei der Homoehe um eine Entpartikularisierung der "biblischen Ehe" - und erst dadurch wird der Kern des christlichen Eheverständnis freigelegt.

    ... steht weder im biblischen noch im religiösen Kontext, sie ist säkular.

    Daher: Schuster, bleib bei deinen Leisten.

    für "biblische" Ehen.

    "Das es auch Punkte gibt in denen man Konservativ sein darf und muss, sehen wohl nur noch die allerwenigsten."

    @Bluebird209

    Stimmt! Das man konservativ sein darf, da stimme ich ihnen zu, aber das es Punkte gibt, bei denen man konservativ sein muss, sehe ich tatsächlich nicht.
    Vielleicht können sie mir das mal erklären.

    Vielleicht können sie mir dann auch noch gleich erklären, warum sich Konservative ständig durch andere Lebensformen bedroht zu fühlen scheinen.
    Sie können schließlich weiterhin eine traditionelle Ehe mit einer Frau führen, genau so wie es die meisten heterosexuellen Paare in diesem Land machen.
    Diese Form der Ehe wird auch weiterhin existieren und niemand will sie abschaffen.
    Also wo genau ist das Problem?

    Eine homogene Gesellschaft ist in einer freiheitlichen Demokratie nicht möglich, die Menschen werden immer verschieden sein und so lange wir uns gegenseitig tolerieren funktioniert das auch wunderbar.
    Man muss nur akzeptieren, dass die eigene Art zu leben nicht die einzige ist und genau daran scheint es bei vielen Konservativen zu mangeln.

    • Wyrd
    • 06. Februar 2013 12:39 Uhr

    ... was die "biblische Ehe" tatsächlich ist? Also was die Ehe laut der Bibel ausmacht? Scheinbar nciht, es ist nämlich keinesfalls die FREIWILLIGE Bindung zwischen einem Mann und einer Frau. Und das fängt nicht bei der Zwangsehe die von den Eltern arrangiert an. Tatsächlich wird in der Bibel auch die Beziehung zwischen einem Mann, einer Frau und einer Kokubine als Ehe bezeichnet. Es wird Ehe genannt, wenn ein Vergewaltiger sein Opfer heiraten muss, damit der Vater keinen wirtschaftlichen Schaden durch seine nicht jungfräuliche Tochter erleidet. Die Beziehung zwischen verschiedenen jüdischen Königen und ihrem Harem von Kokubinen wird als Ehe bezeichnet. Es wird Ehe genannt, wenn ein alleinstehender Mann die witwe seines toten Bruders heiraten MUSS.

    Ist dass die biblische Ehe, an der Sie so hängen? Wenn ja, dann sind die Adjektive, die Sie für sich gewählt haben nich viel zu freundlich für Sie. Welche mir dann in den Sinn kämen, werde ich hier nciht niederschreiben.

    Wenn nein- und das ist, was ich eher glaube- dann haben Sie die Bibel, wie die meisten Christen, nciht gründlich genug gelesen um zu wissen wovon sie überhaupt reden.

    Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist und Gott was Gottes ist.

    Ca. fünf Prozent der Menschen sind homosexuell. [...] Den [...] Paaren erlaubt man bürgerlich-rechtlich zu heiraten (überlässt dabei den Religionsgemeinschaften noch die Entscheidung wen sie trauen wollen) und für Sie steht die Institution der heiligen Ehe, ja die ganze Welt vor dem Abgrund.

    Ich glaube, es täte Menschen wie Ihnen gut zwischen kirchlicher und bürgerlicher Ehe zu unterscheiden.

    Erstere unterliegt dem kirchlichen Recht und es steht der Kirche frei, ihre Zeremonien, Rituale und lateinischen Zaubersprüche zu vollziehen mit wem sie will.

    Letztere jedoch ist eine Institution des Staates, der bürgerlichen Rechtsgemeinschaft. Und der Staat ist an Grund- und Menschenrechte und nicht an kirchliche Moralvorstellungen gebunden.

    Reicht es für Sie nicht aus, dass Homosexuelle wohl niemals werden kirchlich heiraten können? Ist es für Sie nur dann okay, wenn man Homosexuellen gar nichts zugesteht?

    Gekürzt. Bitte belegen Sie Ihre Behauptungen. Danke, die Redaktion/jk

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Danke, die Redaktion/jk

  5. Und von der deutschen Scholle aus betrachtet: Hier bleibt man in vielerlei Hinsicht im Gestrigen verhaftet.
    Aber Merkel und Co. dafür verantwortlich zu machen, geht an der Sache vorbei. Denn sie führen nur aus, was die Menrheit in diesem Land denkt und wünscht.

    Und deshalb Glückwunsch an alle Doppelstaatlichen oder mit Nicht-Deutschen verheiratet: Da hat man immer noch die Hintertüre zum Abgang - wenns so hoffnungslos gestrig weitergeht.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, nf
  • Schlagworte David Cameron | Gleichstellung | Medien | Debatte | Ehe | Kirche
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