US-KabinettSenatoren zweifeln an Hagels Eignung als Verteidigungsminister

Chuck Hagel braucht die Zustimmung des Senats, um Minister zu werden. In einer Anhörung wollte er seine Kritiker von sich überzeugen. Doch daraus wurde nichts.

Der Republikaner Chuck Hagel bei einer Anhörung im Senat

Der Republikaner Chuck Hagel bei einer Anhörung im Senat  |  © Chip Somodevilla/Getty Images

Der Republikaner Chuck Hagel ist Barack Obamas Wunschkandidat für das Amt des US-Verteidigungsministers. Doch noch fehlt die Zustimmung der Senatoren – und noch immer sehen viele Abgeordnete die Personalie kritisch. Aus dem eigenen republikanischen Lager wird Hagel mangelnde Solidarität mit Israel und zu große Nachgiebigkeit gegenüber dem Iran vorgeworfen. Anders als bei Obamas Außenminister John Kerry ist die Bestätigung der Personalie Hagel daher kein Selbstläufer.

Vor der Abstimmung im Senat stellte sich der 66-Jährige in einer Anhörung seinen Kritikern. Sein Auftritt war allerdings wenig überzeugend – die Skepsis bei führenden Republikanern blieb. In der mehrstündigen Anhörung versuchte der Ex-Senator aus Nebraska sich als Verfechter von US-Sicherheitsinteressen zu profilieren. "Mein Weltbild hat sich nie verändert", sagte er. Die USA müssten die stärkste Militärmacht der Welt bleiben und in der internationalen Gemeinschaft eine Führungsrolle einnehmen.

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Dagegen zweifelte Senator Jim Inhofe, der oberste Republikaner im Streitkräfteausschuss, an Hagels Eignung. Dieser habe in den vergangenen Jahren "einen Mangel an standfester Opposition zu einer Politik gezeigt, die Macht und Einfluss der USA in der Welt verringert", sagte Inhofe.

Der ehemalige republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain lieferte sich mit Hagel eine heftige Auseinandersetzung über den Irakkrieg. McCain warf dem designierten Pentagon-Chef vor, sich im Jahr 2007 mit seiner Ablehnung der US-Truppenaufstockung im Irak auf "die falsche Seite der Geschichte" gestellt zu haben. Hagel sagte, der Krieg sei die "schlechteste und gefährlichste Entscheidung seit Vietnam" gewesen.

Hagel war bemüht, sich als Freund Israels darzustellen. In einem Interview hatte er einmal den Einfluss pro-israelischer Gruppen heftig kritisiert und dabei von der "jüdischen Lobby" gesprochen. Die Äußerung hatte Hagel in den vergangenen Wochen bereits bedauert. Nun sagte er, in seinen zwölf Jahren im Senat nie gegen die Interessen Israels gestimmt zu haben. Weiter sagte Hagel, im Atomstreit mit dem Iran müssten "alle Optionen" auf dem Tisch bleiben – auch ein Militärangriff.

Hagel kämpfte in Vietnam, später wurde er Multimillionär

Charles Timothy Hagel wurde 1946 in Nebraska geboren und wuchs in schwierigen Verhältnissen auf. Sein Vater war Alkoholiker, die Familie hatte kaum genug Geld zum Leben. Ende der 1960er Jahre kämpfte er in Vietnam, in derselben Infanterieeinheit wie sein jüngerer Bruder. Im Dschungel des Mekong-Deltas wurde er zwei Mal verletzt. Nach seiner Rückkehr aus Vietnam arbeitete Hagel als Radiomoderator, ehe er als Mitarbeiter eines Abgeordneten aus Nebraska in die Politik nach Washington ging.

Unter Präsident Ronald Reagan wurde Hagel Anfang der 1980er Jahre Vizechef des Veteranenministeriums, trat aber aus Protest gegen Kürzungen bei den Bezügen für ehemalige Soldaten wieder zurück. Hagel gründete darauf eine Firma für Mobiltelefone mit, die aus ihm einen Multimillionär machte. Mitte der 1990er Jahre zog es ihn zurück in die Politik, 1996 wurde er in den Senat gewählt. Als Hagel 2008 aus dem Senat ausschied, hatte er sich mit seiner Partei so sehr verstritten, dass er bei der Präsidentschaftswahl nicht McCain, sondern Obama unterstützte.

Hagel stünde als Verteidigungsminister vor der Herausforderung, unter Spardruck die Armee neu auszurichten. Der Politiker aus Nebraska sei ein "amerikanischer Patriot" und "ein Führer, den unsere Soldaten verdienen", sagte Obama bei der Vorstellung Anfang Januar. Das Weiße Haus ist zuversichtlich, dass der Senat grünes Licht für die Nominierung gibt. Weil dafür aber 60 Stimmen nötig sind, braucht Obama neben seinen Demokraten auch die Unterstützung von einer Handvoll republikanischer Senatoren.

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Leserkommentare
    • eklipz
    • 01. Februar 2013 8:24 Uhr

    Zitat Hagel: "Mein Weltbild hat sich nie verändert"
    -> Das zeichnet also einen US-amerikanischen Amtsträger aus? Bezeichnend.

    McCain meinte, Hagel stünde auf der "falschen Seite der Geschichte". Die Aussage ist ja noch bitterer als das erste Zitat. Und der Mann wollte Präsident werden. Die richtige wäre dann die amerikanische Version der Geschichte? Und welche wäre dann die richtige amerikanische Version?
    Dabei vermutete ich, dass sich auch in den USA langsam die Erkenntnis durchsetzen würde, dass der Irakkrieg in der Tat falsch war und ist. Aber scheinbar denken das ja viele noch nicht ma über Vietnam. Oder Irakkrieg 1. Oder Afghanistan. Oder Panama. Oder Iran. Oder Guatemala. Oder Chile.

    3 Leserempfehlungen
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    der US-amerikanischen Politiker sind ein wenig blauäugig - um das mal sehr vorsichtig zu formulieren, eklipz.

    McCain wollte Präsident werden, das ist richtig, und schon deswegen war die übrige Welt so glücklich, als Obama gesiegt hat.

    John McCain ist ein sehr einfach gestrickter Amerikaner. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen, als solcher verfügt er über einen ziemlich unerschütterlichen Glauben an die amerikanischen Werte, und das allein ist wichtig, um von den vielen anderen einfach gestrickten Amerikanern zum Führer gewählt zu werden.

    Es ist eigentlich sowieso uninteressant, wer da im Weißen Haus wohnt - die Fäden werden woanders gezogen.

    Wer dazu mehr wissen möchte, der sollte sich über den militärisch-industriellen Komplex informieren, vor dem der aus dem Amt scheidende amerikanischen Präsiden Dwight D. Eisenhower 1961 gewarnt hat.

  1. Falls bis gestern noch irgendjemand seine Zweifel hatte, dass sich der U.S. Kongress voll und ganz im Würgegriff der pro-Israel Lobby (wichtig: nicht "jüdische Lobby", unter Israels fanatischen Unterstützern befinden sich auch viele fundamentale Evangelische Christen und umgekehrt gibt es viele Amerikaner jüdischen Glaubens, welche das Verhalten Israels gegenüber den Palästinenseren nicht gutheissen, bzw. öffentlich kritisieren) befindet, dürfte er/sie heute wohl eines Besseren belehrt worden sein. Die überaus erniedrigende Art und Weise, wie sich Obama's Kandidat für das Verteidigungsministerium gezwungen sah, seine früheren kritischen Aussagen zu Israel und der U.S. Politik im nahen Osten generell zu widerrufen, weil er sonst die Stimmen der Demokratischen Senatoren nicht bekommen würde, hatte schon fast ein Geschmäckle von Inquisition, ja, das (überaus gehässige) Kreuzverhör vieler seiner Republikanischen "Parteifreunde" erinnerte einen gar an unselige frühere (McCarthy-) Zeiten.

    Not a good day for U.S. democracy indeed.

    3 Leserempfehlungen
  2. 3. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Beiträgen an der Debatte. Danke, die Redaktion/au

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    schon die überschrift weist aus,wer und in welcher gesinnung sich hier jemand zu wort gemeldet hat.

  3. schon die überschrift weist aus,wer und in welcher gesinnung sich hier jemand zu wort gemeldet hat.

    Antwort auf "[...]"
  4. ...die us aussenpolitik?

    diese frage stellt sich, schaut man sich das geschacher um die besetzung des US aussenministers an.
    hagel ist nun ganz sicher keine taube, aber er fühlt sich als amerikanischer patriot und will aussenminister der USA werden.

    “...I support Israel, but my first interest is I take an oath of office to the Constitution of the United States, not to a president, not to a party, not to Israel. If I go run for Senate in Israel, I’ll do that,” the ex-senator said..."

    quelle: http://www.ynetnews.com/a...

    gewissen gruppen, unter führerschaft des sich selbst als
    amerika`s pro israel lobby bezeichnenden AIPAC reicht hagel`s bekenntnis zu israel nicht aus. fast will es scheinen, als ob die ernennung eines us kabinettmitglieds von der zustimmung anderer kräfte, als der us regierung abhängt.

    zur arbeitsweise der pro israel lobby siehe in:

    die israel lobby - mearsheimer/ walt

    http://dpg-netz.de/downlo...

    rezensiert in " der zeit ":
    http://www.zeit.de/2007/3...

    Eine Leserempfehlung
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    • zfat99
    • 07. Februar 2013 9:51 Uhr

    Die Autoren sind weltweit bekannte Antisemiten.

    "John J. Mearsheimer und Stephen Walt untersuchen in ihrem Buch den Einfluss der "Israel-Lobby" auf die US-amerikanische Außenpolitik. Dabei stellen die beiden Wissenschaftler nicht nur die Fakten auf den Kopf, sondern bedienen lauter antisemitische Vorurteile."

    Quelle: http://www.dradio.de/dkul...

    Der die beiden zitiert, dürfte ebenso ein "Israelkritiker" zu sein.

  5. Wenn die Reps nichts besseres für ihre Inquisitions-Sitzung auffahren können als die alten abgedroschenen Schuster McCain und Inhofe, dann würde ich den Druck auf Hagel aber auch nicht gerade als besonders gross bezeichnen.

    Der begrenzte und einfältige Horizont eines John McCain ist wohlbekannt. Die Vision eines Imperium americanum, dessen Sonne nie untergehen wird und auf dem der besondere Segen Gottes ruht. Und auf den Freunden in Israel selbstverständlich auch.
    Gefahr drohe diesem Erfolgsmodell allenfalls seitens linker Pazifisten und Sozialethiker.

    Wer in Washington in einem Amt politische Macht ausüben will, muss sich zu diesem Credo bekennen. Und notfalls öffentlich darauf eingeschworen werden. Egal, ob Rep oder Demokrat.

    Aber dieses Erfolgsmodell hat seinen Zenith schon lange überschritten. In der Reagan-Ära vermutlich schon. Das Geschäftsmodell ist hochgradig defizitär geworden und resultiert in einem Haushaltsdefizit, das längst zur nationalen Bedrohung geworden ist.
    Eine ähnliche Symtomatik hat zum Ableben der UdSSR geführt.

    Auch die UdSSR war nicht too big to fail. Aber die McCaine vertrauen darauf und wollen mit ihrer grenzenlosen Glorifizierung des American Way of Life suggerieren, dass die USA es sei. Ich halte das für einen Bluff.

    Analysten, auch innerhalb der USA, sagen für das kommende Frühjahr eine Rezession gewaltigen Umfangs voraus.
    McCain et al. sind die politisch Verantwortlichen für diesen nationalen Abstieg.

    Ich drücke Hagel die Daumen.

  6. der US-amerikanischen Politiker sind ein wenig blauäugig - um das mal sehr vorsichtig zu formulieren, eklipz.

    McCain wollte Präsident werden, das ist richtig, und schon deswegen war die übrige Welt so glücklich, als Obama gesiegt hat.

    John McCain ist ein sehr einfach gestrickter Amerikaner. Mehr braucht man eigentlich nicht zu sagen, als solcher verfügt er über einen ziemlich unerschütterlichen Glauben an die amerikanischen Werte, und das allein ist wichtig, um von den vielen anderen einfach gestrickten Amerikanern zum Führer gewählt zu werden.

    Es ist eigentlich sowieso uninteressant, wer da im Weißen Haus wohnt - die Fäden werden woanders gezogen.

    Wer dazu mehr wissen möchte, der sollte sich über den militärisch-industriellen Komplex informieren, vor dem der aus dem Amt scheidende amerikanischen Präsiden Dwight D. Eisenhower 1961 gewarnt hat.

    Antwort auf "Mehrere Sachen"
  7. Wenn wir die USA kritisieren, legen wir in der Regel unsere Maßstäbe an.

    Legen wir diese Maßstäbe einmal hier an, kann man sich nur wundern.

    Man stelle sich vor, Merkel würde einen Mann aus der SPD, den Grünen oder den Linken zum Verteidigungsminister vorschlagen. Schon das wäre unerhört, einfach unvorstellbar.

    Noch unerhörter wäre es, dass dann die SPD bzw. die Grünen oder Linken sagen würde, dieser Mann ist ungeeignet.

    In den USA geht es offenbar nicht nur um Parteien, sondern auch um die Sache. Eine solche Denkweise liegt unseren Parteien fern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, sk
  • Schlagworte Barack Obama | Chuck Hagel | John Kerry | Ronald Reagan | Israel | Vietnam
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