Minister-EntlassungIranisches Parlament blamiert Ahmadinedschad

Irans Abgeordnete haben den Präsidenten offen bloßgestellt: In einer heftigen Debatte wurden ihm Mafia-Methoden vorgeworfen, sein Arbeitsminister wurde entlassen.

Irans Präsident Mahmud Ahmedinedschad im Parlament

Irans Präsident Mahmud Ahmedinedschad im Parlament  |  © Behrouz Mehri/AFP/Getty Images

Eine Sitzung des iranischen Parlaments ist im Eklat geendet. Nach einer lautstarken Debatte zwischen Präsident Mahmud Ahmadinedschad und seinen Kritikern stimmte eine Mehrheit dafür, Arbeitsminister Abdol-Resa Scheicholeslam abzusetzen.

Die Abgeordneten hatten Scheicholeslam wegen der hohen Arbeitslosenzahl im Land zur Rede gestellt. Ahmadinedschad verteidigte seinen Minister vehement. Zugleich beschuldigte er das Parlament, seine Arbeit und die seiner Regierung zu sabotieren. Dazu zeigte er ein Video, das geheime Machenschaften des Bruders des Parlamentspräsidenten Ali Laridschani enthüllen sollte. Bei der Aufführung des Films kam es im Parlament zu heftigen Protesten der Abgeordneten.

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Laridschani, einer der größten Kritiker des Präsidenten, beschuldigte Ahmadinedschad, ihn mit dem Video seines Bruders erpresst zu haben. Ahmadinedschad agiere mit "solchen Mafia-Methoden unter dem Niveau eines Präsidenten". Er verfüge nicht über die Ethik eines Präsidenten. Das sei mit ein Grund dafür, dass das Volk derzeit leiden müsse, sagte Laridschani.

Ahmadinedschad hatte am Ende das Nachsehen. Bei der Abstimmung votierten mehr als 70 Prozent der Abgeordneten dafür, Scheicholeslam seines Amtes zu entheben.

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Leserkommentare
  1. "Zugleich beschuldigte er das Parlament, seine Arbeit und die seiner Regierung zu sabotieren."

    Eine Regierung ohne Zustimmung des Parlamentes ist doch nicht legitimiert. Daher ist diese Aussage recht lächerlich.

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  2. Es war nur eine Frage der Zeit, das Ahmadinedschad persönlich angegriffen wird, nachdem er vor 2 Monaten die Korruption der Khomeni-Elite attackiert hat mit ihren dicken "Austos aus dem Westen". Einige News schrieben damals, dieser Angriff auf die Mullahs sei "politischen Selbsmord".

    Es gibt einen Machtkampf im Iran zwichen den geistlichen Ayatollahs und weltlichen Führern wie Ahmadinedschad. Das ist nichts neues, läuft seit mindestens zwei Jahren, als Ahmadinedschad die Mullahs und Theokratie beschneiden wollte.

    Aber hier liest man nur die "schmutzige Wäsche", die dabei gewaschen wird, leider keine politischen Hintergründe.

    19 Leserempfehlungen
    • dacapo
    • 03. Februar 2013 17:12 Uhr

    ....... Ihre Bemerkung, aber nur fast. Denn Sie sprachen sehr richtig von Hintergründen, Sie geben uns aber nur einen Hintergrund. Die Ajatollahs und die Clique um Machmoud A. tun sich in jeder Hinsicht nichts. Beide stehen auf dem Grund der heutigen Machtstrukturen im Iran.

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  3. ..eine echte öffentliche Auseinandersetzung von Meinungen gibt. Wenn ich es nicht anders wüsste, sind das fast demokratieähnliche Zustände...

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    • Enqupa
    • 03. Februar 2013 18:29 Uhr

    Frei nach dem Motto "Ausnahmen bestätigen die Regel".
    Könnte es sein, dass egal was hier über den Iran geschrieben werden würde, Sie trotzdem der Meinung bleiben würden, dass der Iran keine Demokratie wäre ?

    Aber einfach Weltbild hat doch auch seine Vorteile..

    • y5rx
    • 03. Februar 2013 18:36 Uhr

    wenn bei uns hier bei der Wahl eines Parteivorstandes mehr als ein Kandidat antritt, nennt das die Presse dann eine Kampfabstimmung. Und richtig Zoff im Bundestag hab ich seit Wehner und Strauß nicht mehr erleben dürfen.
    Da fragt man sich schon, ob die Unterschiede in Sachen Demokratie so groß sind, wie man uns immer weiß machen will.

    ...für Sie (und andere) "Demokratie" ist, dann wundere ich mich eigentlich nur, warum hier immer über Ungarn geschimpft wird. Da finden Sie das fast täglich.

    • FLH80
    • 04. Februar 2013 7:53 Uhr

    Es SIND demokratische Prozesse.
    Wer sagt denn, dass eine Demokratie nur das ist, wo alle demokratischen Ideale erfüllt sind?
    Dann gäbe es keine einzige Demokratie mehr auf der Welt.
    Also:
    der Iran erfüllt eine Menge demokratischer Prinzipien - und eine Menge auch nicht.
    Die Menge der erfüllten Prinzipien hebt ihn weit aus der Gruppe derjenigen Staaten heraus, die deutlich weiter vom Ideal entfernt sind.
    Man sollte das iranische Volk unterstützen und fördern und ihm Frieden wünschen, damit die bereits vorhandenen demokratischen Elemente sich erweitern, wachsen und gedeihen können.
    Statt dessen verhängen wir, die wir ja ach so demokratisch und friedlich sind, auch noch offen und hochmütig so genannte "verkrüppelnde" Wirtschaftssanktionen. Dabei wissen alle sachlichen Beobachter, dass diese Sanktionen in allererster Linie genau die Bevölkerungsschicht im Mark treffen, die für solche demokratischen Entwicklungen die einzige Basis bietet: die gebildete, politisierte Mittelschicht.

    • Enqupa
    • 03. Februar 2013 18:29 Uhr

    Frei nach dem Motto "Ausnahmen bestätigen die Regel".
    Könnte es sein, dass egal was hier über den Iran geschrieben werden würde, Sie trotzdem der Meinung bleiben würden, dass der Iran keine Demokratie wäre ?

    Aber einfach Weltbild hat doch auch seine Vorteile..

    7 Leserempfehlungen
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    • Rexdorf
    • 04. Februar 2013 2:07 Uhr

    Ich zitier Sie mal:
    "Könnte es sein, dass egal was hier über den Iran geschrieben werden würde, Sie trotzdem der Meinung bleiben würden, dass der Iran keine Demokratie wäre ?"

    Sie selber sind also der Meinung, dass, egal was berichtet werden würde oder könnte, der Iran auf jeden Fall als Demokratie zu bezeichnen wäre ..??

    Zu den Besonderheiten einer Demokratie gehört, auch offenkundigen Unsinn zu reden bzw. zu schreiben ...

    Sagen Sie doch mal im Iran, der Iran sei eine mindestens relative Diktatur (was Sie in einer Demokratie sagen, muß nicht stimmen: Aber s a g e n dürfen Sie es.) Und dann warten Sie mal, was passiert ...

    Mit demokratischem Gruß!

    • y5rx
    • 03. Februar 2013 18:36 Uhr

    wenn bei uns hier bei der Wahl eines Parteivorstandes mehr als ein Kandidat antritt, nennt das die Presse dann eine Kampfabstimmung. Und richtig Zoff im Bundestag hab ich seit Wehner und Strauß nicht mehr erleben dürfen.
    Da fragt man sich schon, ob die Unterschiede in Sachen Demokratie so groß sind, wie man uns immer weiß machen will.

    11 Leserempfehlungen
  4. "Er verfüge nicht über die Ethik eines Präsidenten. Das sei mit ein Grund dafür, dass das Volk derzeit leiden müsse, sagte Laridschani."

    Diese Leute sind erstaunlich lernfähig. Hätte ich nicht gedacht. Bin mal gespannt ob Laridschani Präsidentschaftskandidat wird.

    2 Leserempfehlungen
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    • Leier01
    • 03. Februar 2013 19:53 Uhr

    Wenn Laridschani gewinnen sollte, wird es schwer werden eine Propagandakampagne gegen ihn zu fahren. Er ist dafür sowohl vom Aussehen als auch von der Bildung her zu westlich.

    Vermutlich wird der Fokus deshalb vom Präsidenten zu Chomeini verlagert werden. "Der hatte eh schon immer die Macht und so." Zugegeben wenn dem so wäre, dann sollte man sich fragen, warum man die letzen Jahre immer Ahmadinedschad gefolgt ist.

    Strategischer Fehler.

  5. zu westlich? Die Frage musste ich mir schon sehr oft stellen...

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    unwichtig!

    • Jojas
    • 04. Februar 2013 0:23 Uhr

    Die Frage ist ganz einfach zu beantworten. Iranische Politiker tragen deswegen keine Krawatten, weil sie Krawatten als das erkannt haben, was sie sind: Ein Mittel, seine Mitmenschen zu blenden und über die wahren Absichten zu täuschen.
    Getragen werden sie in Berufen, die Professionalität und vor allem Seriösität erfordern (sollten), nur ist leider allzu oft genau das Gegenteil der Fall: Es sind eben genau jene Berufsgruppen, in denen ein Maximum an Niederträchtigkeit und Heuchelei erforderlich ist, um voranzukommen. Politiker, Geschäftsleute, Banker, Hotelangestellte, u.v.m., z.T. auch Journalisten! Sie alle tragen eine. Und man sieht ja schnell, was das alles für falsche Fuffziger sind.
    Also was kann man daraus lernen?TRAUE.NIEMALS.EINEM.KRAWATTENTRÄGER! Denn früher oder später werden sie auch dich betuppen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, nf
  • Schlagworte Mahmud Ahmadinedschad | Ali Laridschani | Film | Arbeitsminister | Ethik | Parlament
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