Minister-Entlassung : Iranisches Parlament blamiert Ahmadinedschad

Irans Abgeordnete haben den Präsidenten offen bloßgestellt: In einer heftigen Debatte wurden ihm Mafia-Methoden vorgeworfen, sein Arbeitsminister wurde entlassen.
Irans Präsident Mahmud Ahmedinedschad im Parlament © Behrouz Mehri/AFP/Getty Images

Eine Sitzung des iranischen Parlaments ist im Eklat geendet. Nach einer lautstarken Debatte zwischen Präsident Mahmud Ahmadinedschad und seinen Kritikern stimmte eine Mehrheit dafür, Arbeitsminister Abdol-Resa Scheicholeslam abzusetzen.

Die Abgeordneten hatten Scheicholeslam wegen der hohen Arbeitslosenzahl im Land zur Rede gestellt. Ahmadinedschad verteidigte seinen Minister vehement. Zugleich beschuldigte er das Parlament, seine Arbeit und die seiner Regierung zu sabotieren. Dazu zeigte er ein Video, das geheime Machenschaften des Bruders des Parlamentspräsidenten Ali Laridschani enthüllen sollte. Bei der Aufführung des Films kam es im Parlament zu heftigen Protesten der Abgeordneten.

Laridschani, einer der größten Kritiker des Präsidenten, beschuldigte Ahmadinedschad, ihn mit dem Video seines Bruders erpresst zu haben. Ahmadinedschad agiere mit "solchen Mafia-Methoden unter dem Niveau eines Präsidenten". Er verfüge nicht über die Ethik eines Präsidenten. Das sei mit ein Grund dafür, dass das Volk derzeit leiden müsse, sagte Laridschani.

Ahmadinedschad hatte am Ende das Nachsehen. Bei der Abstimmung votierten mehr als 70 Prozent der Abgeordneten dafür, Scheicholeslam seines Amtes zu entheben.

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Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Iran = Demokratie ??????????????????????????????????

Ich zitier Sie mal:
"Könnte es sein, dass egal was hier über den Iran geschrieben werden würde, Sie trotzdem der Meinung bleiben würden, dass der Iran keine Demokratie wäre ?"

Sie selber sind also der Meinung, dass, egal was berichtet werden würde oder könnte, der Iran auf jeden Fall als Demokratie zu bezeichnen wäre ..??

Zu den Besonderheiten einer Demokratie gehört, auch offenkundigen Unsinn zu reden bzw. zu schreiben ...

Sagen Sie doch mal im Iran, der Iran sei eine mindestens relative Diktatur (was Sie in einer Demokratie sagen, muß nicht stimmen: Aber s a g e n dürfen Sie es.) Und dann warten Sie mal, was passiert ...

Mit demokratischem Gruß!

Nein, bin ich nicht.

Das habe ich auch nicht behauptet. Ich wollte lediglich den Kommentator darauf hinweisen, dass ein diversifizierteres Weltbild durchaus seine Vorteile haben kann.

Ich persönlich kann keine klare Position gegenüber dem Iran beziehen, ich weiß leider viel zu wenig über diesen Staat. Oder andersherum: Mein Wissen lässt sich viel zu sehr auf westlichen Quellen zurückführen, als dass meine Meinung auch nur ein Fünkchen mehr Wert wäre, als die eines jeden Menschen, der nie im Iran war.