WestjordanlandNetanjahu fordert von Abbas ein Ende der gewaltsamen Proteste

Aufgebrachte Palästinenser haben nach dem Tod eines Häftlings israelische Einsatzkräfte angegriffen. Israel verlangt von Autonomiebehörde, sie soll durchgreifen.

Palästinenser mit Steinschleuder in dem östlich von Hebron gelegenen Saair

Palästinenser mit Steinschleuder in dem östlich von Hebron gelegenen Saair  |  ©HAZEM BADER/AFP/Getty Images

Angesichts der gewaltsamen Proteste im Westjordanland hat Israel Palästinenserpräsident Mahmud Abbas aufgerufen, den Demonstrationen ein Ende zu bereiten. Um die Lage zu beruhigen, entschied Regierungschef Benjamin Netanjahu zugleich, bisher zurückgehaltenes und den Palästinensern zustehendes Geld an die Autonomiebehörde auszahlen zu lassen.

Zur Begründung hieß es, Abbas solle der Vorwand genommen werden, dass Geldmangel ihn am Durchgreifen hindere. Bei den Mitteln handelt es sich um verschiedene Zölle und Steuern, die Israel für die Palästinenser eintreibt.

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Zuvor hatte es im Westjordanland gewaltsame Proteste wegen des Todes eines Palästinensers in israelischer Haft gegeben. Palästinenser griffen im Heimatdorf des Verstorbenen sowie in Hebron israelische Einsatzkräfte mit Steinen an, die ihrerseits nach Angaben von Augenzeugen Tränengas und Blendgranaten einsetzten.

In Israel inhaftierte Palästinenser planen Protest

Zudem kündigten Tausende in Israel inhaftierte Palästinenser einen Tag des Hungerstreiks an. Etwa 3.000 Häftlinge hätten erklärt, am Sonntag kein Essen zu sich nehmen zu wollen, sagte ein Sprecher der israelischen Strafvollzugsbehörden. Es handle sich um drei Mahlzeiten, die somit verweigert würden.

Nach israelischen Angaben war der 30-jährige Familienvater Arafat Dscharadat am Samstag in einem Gefängnis im Norden Israels gestorben. Als mögliche Todesursache wurde ein Herzstillstand angegeben. Der für Gefangene zuständige palästinensische Minister Issa Karakaa sagte dagegen, Dscharadat sei seit einigen Tagen inhaftiert gewesen und während der Verhöre getötet worden.

In einer Erklärung des israelischen Inlandsgeheimdiensts Schin Bet hieß es, dem Gefangenen sei nach dem Mittagessen schlecht geworden. Zu Hilfe gerufene Ärzte hätten ihn nicht mehr retten können. Dscharadat sei am Montag festgenommen worden. Grund war demnach seine Beteiligung an Auseinandersetzungen nahe der jüdischen Siedlung Kiryat Arba bei Hebron, bei denen im vergangenen November ein Israeli verletzt worden war.

Israel müsse sich an Völkerrecht halten

Der palästinensische Regierungschef Salam Fajjad forderte, die "wirklichen Gründe" für den Tod des Häftlings offenzulegen. Er äußerte sich "tief traurig und schockiert" über den Tod des Palästinensers. Er rief die internationale Gemeinschaft auf, Israel dazu zu zwingen, sich an das Völkerrecht zu halten und die Frage der Gefangenen zu regeln. Die kranken und hungerstreikenden Häftlinge müssten umgehend freikommen. Auch die im Gazastreifen regierende radikalislamische Hamas sagte, Dscharadat sei wegen der "unmenschlichen Bedingungen in israelischen Gefängnissen" gestorben.

Die israelische Menschenrechtsorganisation B'Tselem forderte eine "unabhängige, nachhaltige und transparente Untersuchung". Diese müsse sich auch damit befassen, wie die Vernehmungen vor sich gegangen seien und welche Verhörtechniken Schin Bet angewendet habe. Israelische Medien berichteten, die palästinensische Autonomiebehörde sei aufgefordert worden, Vertreter zur für Sonntag angesetzten Autopsie Dscharadats zu entsenden.

Die Solidaritätsbewegung für Palästinenser in israelischen Gefängnissen hat seit Beginn des Monats zugenommen. Sie gilt insbesondere vier Palästinensern, die sich seit mehreren Monaten im Hungerstreik befinden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hatte sich am Dienstag besorgt über ihr Schicksal geäußert. Die Häftlinge müssten vor Gericht gestellt oder freigelassen werden, sagte er. Die palästinensische Organisation Gefangenenklub in Ramallah teilte mit, weitere sieben Häftlinge hätten sich dem Hungerstreik angeschlossen.

Leserkommentare
    • scoty
    • 24. Februar 2013 12:48 Uhr

    " Noch krasser wird das Verhältnis im Pro-Kopf-Vergleich. Im Westjordanland und Ost-Jerusalem leben insgesamt vier Millionen Palästinenser und 500.000 israelische Siedler. Die Siedler-Exporte nach Europa werden auf jährlich 230 Millionen Euro geschätzt, die palästinensischen Ausfuhrerzeugnisse auf nur 14 Millionen. So setzt laut Report jeder Siedler im Durchschnitt hundert Mal so viel wie ein Palästinenser auf Europas Märkten ab. "

    http://www.fr-online.de/politik/umstrittener-handel-eu-macht-millionen-g...

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    Aus den von Ihnen vorgelegten Zahlen könnte man schließen, dass die Araber - unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten gesehen - praktisch nicht auf die Reihe bringen.
    Ich würde das so nicht behaupten - und sicher haben Sie auch noch eine passende Erklärung für dieses Missverhältnis. Wobei, gleich vorweg gesagt, die Israelis zwar an vielen, aber auch nicht an allem Schuld sein können.

  1. Im Artikel heißt es:

    "Nach übereinstimmenden Augenzeugenberichten griffen jüdische Siedler aus der Siedlung Esch Kodesch nahe Nablus Bewohner eines palästinensischen Dorfes an. Israelische Soldaten schritten ein und trennten beide Seiten mit Hilfe von Gummigeschossen. Dadurch seien zwei Palästinenser verletzt worden."

    Aber die israelische Führung fordert eine Friedenszusage vonseiten der Palästinenser!?!

    Verkehrte Welt allem Anschein nach.

    22 Leserempfehlungen
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    Ein Aktualisierung im Artikel lautet:

    "Um die Lage zu beruhigen, entschied Regierungschef Benjamin Netanjahu zugleich, bisher zurückgehaltenes und den Palästinensern zustehendes Geld an die Autonomiebehörde auszahlen zu lassen."

    Tschuldigung. Rechtmäßiges Geld einzubehalten wird rechtlich noch mal wie genannt?

  2. > ...Durchschnitt hundert Mal so viel wie ein Palästinenser ...<,
    dass die Araber nichts auf die Reihe kriegen? Trotz imenser Unterstützung aus arabischen Bruderstaaten? Oder wie erklärt sich dieses Missverhältnis? Die Israelis können doch nicht an allem Schuld sein - oder doch?

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    • scoty
    • 24. Februar 2013 13:39 Uhr

    das die EU gewaltbereite Siedler finanziell unterstützt.

    Wenn Israel ( mit Waffengewalt ) alles einmauert und den Palästinensern so gut wie nichts einzuführen oder auszuführen erlaubt aber dafür seine eigenen Siedler die Landraub tätigen Schusswaffen erlaubt, sodann sagen sie mir wer hier die Schuld hat.

    Wenn die Palästinenser nicht unter dem Gewehrkolben des jüdischen Militärs und der rechtsradikalen Siedlermilizen leben müssten, dann käme das auch ihrer Ökonomie zu gute.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/au

    • amandaR
    • 24. Februar 2013 13:21 Uhr

    "Die Ereignisse würden die Beziehung zwischen Israel und Palästina immer weiter aufheizen – möglicherweise bis zur Eskalation."

    Und was würde unsere Bundesregierung dann tun? Die ewige Leier von der "bedingungslosen Solidarität mit Israel" in die Welt posaunen und "unseren israelischen Freunden" ansonsten Narrenfreiheit für jedwede Gewalthandlungen gewähren, wie immer.

    Es widert mich nur noch an, solche Artikel überhaupt zu lesen. Denn als Bürger/in unseres Landes haben wir keinerlei Möglichkeit, hier für mehr Gerechtigkeit und Ausgewogenheit zu sorgen. Also wird weiterhin jedes Gerede von einem "Friedensprozess" der reine Hohn bleiben.

    16 Leserempfehlungen
    • zfat99
    • 24. Februar 2013 13:32 Uhr

    25 Israelis greifen 200 Araber an. Alles klar.

    10 Leserempfehlungen
    • scoty
    • 24. Februar 2013 13:39 Uhr

    das die EU gewaltbereite Siedler finanziell unterstützt.

    Wenn Israel ( mit Waffengewalt ) alles einmauert und den Palästinensern so gut wie nichts einzuführen oder auszuführen erlaubt aber dafür seine eigenen Siedler die Landraub tätigen Schusswaffen erlaubt, sodann sagen sie mir wer hier die Schuld hat.

    14 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Will uns das sagen ..."
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    Dass - ich zitiere: "
    Israel ( mit Waffengewalt ) alles einmauert und den Palästinensern so gut wie nichts einzuführen oder auszuführen erlaubt aber dafür seine eigenen Siedler die Landraub tätigen Schusswaffen erlaubt ..."

    Bei aller Unterstützung für die Araber -
    Ihrem Anliegen tun Sie keinen Gefallen, wenn hier Märchen in die Welt gesetzt werden.
    Eine differenzierte Betrachtungsweise des Israelisch-palästinenischen Dauerkonflikts bringt durchaus auch die Fehler der israelischen Seite ans Licht.
    Also, bei den Fakten bleiben - und damit glaubhaft.

  3. Im Bezug zu Israel dürfte das kaum interessieren.

    Von meiner Person gibt es keinerlei Solidarität mit Israel.

    P.S. Ich denke diese Aussage dürfte von der Meinungsfreiheit im Land gedeckt sein?

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    Von der Meinungsfreiheit gedeckt. Nur interessiert das keinen.

    wir würden uns aber sehr schaden, würden wir die Solidarität aufkündigen.
    Ich habe heute Morgen Ralph Giordano im Gespräch im NZZ.ch gesehen (http://www.srf.ch/player/tv/nzz-standpunkte/video/ralph-giordano-warum-e...)
    In Krisenzeiten können wir uns patriotische Taten schon gar nicht leisten.

    Und warum ?

    Weil die Gegeseite seit jeher das Wort der Menschlichkeit nie wirklich gesprochen und gelebt hat.

    Ich möchte auch kein Gefangener in den Händen Palestinas oder sonstiger arabischer Staaten sein, besonders dann nicht wenn die Politik , oder der Glaube im Spiel ist.

    Der Schmutz ist beidseitig zu finden.

    Und die Humanität ? Na ja.

  4. Dass - ich zitiere: "
    Israel ( mit Waffengewalt ) alles einmauert und den Palästinensern so gut wie nichts einzuführen oder auszuführen erlaubt aber dafür seine eigenen Siedler die Landraub tätigen Schusswaffen erlaubt ..."

    Bei aller Unterstützung für die Araber -
    Ihrem Anliegen tun Sie keinen Gefallen, wenn hier Märchen in die Welt gesetzt werden.
    Eine differenzierte Betrachtungsweise des Israelisch-palästinenischen Dauerkonflikts bringt durchaus auch die Fehler der israelischen Seite ans Licht.
    Also, bei den Fakten bleiben - und damit glaubhaft.

    8 Leserempfehlungen
    Antwort auf "das sagt uns nur "
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    Man darf nicht zu viel von den Israelhassern erwarten. Fakten, also bitte, das geht doch nun wirklich zu weit :)

    Ein Staat mauert mit Waffengewalt alles ein, wo gibt es denn sowas sonst außer bei den Israelhassern?

    Auf die Behauptung, Israel würde den Palästinensern so gut wie nichts ein- oder ausführen lassen: Israel schickt wöchentlich hunderte LKW-Ladungen mit Hilfsgütern nach Gaza.

    Außerdem geht sogar aus diesem Bericht hervor, dass Israel keine Waffengewalt der Siedler duldet.

    Lügen sind keine Kritik.

    • scoty
    • 24. Februar 2013 14:43 Uhr

    Links hinzuzufügen.

    Geben Sie ein bei Google:
    "israelische siedler schießen auf unbewaffnete palästinenser"

    6500 Einträge

    "israelische siedler schießen auf palästinenser"

    61900 Einträge

    Zu dem " Zaun "

    " Die Staatengemeinschaft verurteilte den Zaun, da er Teile des palästinensischen Territoriums faktisch der israelischen Seite zuschlägt. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag bezeichnete das Projekt als illegal "

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2011-06/fs-israel-mauer-2

    Auf Bild 19 sieht man die bewaffneten israelischen Soldaten.

    Man muss an die Wurzel, genau wie in der EU. Wir leiden unter den Gründungsfehlern.
    Was wäre passiert, wäre man nicht unkontrolliert in Palästina eingewandert? Wenn man die Quoten und die Resolutionen eingehalten hätte? Wenn man sich von Anfang an auf Augenhöhe begegnet wäre? Wenn man sich Zeit genommen hätte um zu einem gemeinsamen Staat zu wachsen? Wenn man die UNO nicht missbraucht hätte?
    Das Problem Israels liegt in den Fehlern seiner Gründung. Die Araber fühlen sich bis heute betrogen und nicht nur von Israel. Was ist das für ein Land das sich einmauern muss? Mir fällt da der "eiserne Vorhang" ein.

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