Sympathiebekundung für Silvio Berlusconi in der Parteizentrale der PDL © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

In Italien wird nach der Parlamentswahl eine Koalition wahrscheinlicher. Der Spitzenkandidat der zweitstärksten Kraft, Silvio Berlusconi, äußerte sich an einer Zusammenarbeit mit dem Mitte-Links-Bündnis von Pier Luigi Bersani interessiert.

Bersani hat zwar im Abgeordnetenhaus die Mehrheit, in der zweiten Parlamentskammer, dem Senat, ist sein Lager jedoch praktisch gleich stark wie das Mitte-Rechts-Bündnis von Berlusconi, was eine Regierungsbildung erschwert.

"Italien darf nicht unregiert bleiben", sagte Berlusconi in einem Interview. "Wir müssen nachdenken."

Deal mit Bersani

Eine Koalition mit dem Zentrumsbündnis des scheidenden Ministerpräsidenten Mario Monti schloss der Unternehmer aus. Dessen schlechtes Abschneiden zeige, dass ein Großteil der Bevölkerung mit dem Sparkurs nicht einverstanden sei, argumentierte der rechtskonservative Politiker. Über einen möglichen Deal mit dem Mitte-Links-Bündnis von Bersani müsse man aber nachdenken.

Bedingungen nannte Berlusconi noch keine. Alle Seiten müssten nun Opfer bringen, sagte er nur. Im Wahlkampf hatte er den Italienern umfassende Steuererleichterungen versprochen.

Land in heikler Lage

Bersani äußerte sich bisher nicht zu Koalitionsoptionen. Das Land befinde sich nach der Wahl in einer "heiklen Lage", das sei "jedem klar", sagte er.

Von der Wahl erhofft sich die Europäische Union, dass die künftige Regierung den überschuldeten Staatshaushalt weiter saniert und der Wirtschaft aus der Krise hilft. Das Ergebnis enttäuschte zunächst den Finanzmarkt. Aktienindizes gaben teils stark nach, die Zinsen für Staatsanleihen stiegen deutlich.