ProtestwahlItalien hat Merkel abgewählt

Die Politiker in Berlin und Brüssel sind entsetzt über das Wahlergebnis in Rom. Dabei hätten sie allen Grund, sich selbst zu hinterfragen, kommentiert Ludwig Greven. von 

Zuerst erwischte es vor einem Jahr Nicolas Sarkozy. Nachdem er sich der Sparpolitik Angela Merkels gebeugt und den Fiskalpakt unterzeichnet hatte, wählten ihn die Franzosen ab und an seiner Stelle den Sozialisten François Hollande, der eine sozialere Politik versprach.

Im Juni straften dann die Griechen die Sozialisten ab, die in ihrem Land die harte Sanierungspolitik maßgeblich durchgesetzt hatten. Stattdessen wählten sie die Konservativen, die diesen Kurs lange abgelehnt hatten, und Linksradikale, die fundamental dagegen sind. In Spanien und Portugal gehen die Bürger ebenfalls seit Monaten gegen die aus Berlin und Brüssel verordnete Politik der strikten Haushaltssanierung auf die Straße. Die konservativen Regierungen in beiden Ländern liegen in Umfragen weit hinten; es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie gleichfalls abgelöst werden.

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Und nun Italien. Auch dort haben sich die Wähler eindeutig gegen die Austeritätspolitik deutscher Prägung entschieden. Wie konnte das passieren?, fragen sich erneut Politiker und Meinungsbildner in Deutschland und anderen Ländern des EU-Nordens. Weshalb haben Italiens Wähler die "Richtigkeit" des eingeschlagenen Reformkurses nicht erkannt und stattdessen lieber die Unregierbarkeit gewählt?

Fatale Rosskur

Dabei ist die Antwort ganz einfach: Die Bürger im Süden des Kontinents haben genug von einer Politik, die sie für Fehler der Vergangenheit büßen lässt und ihnen immer neue Opfer abverlangt. Sie leiden unter einer oktroyierten Austeritätspolitik, die ihnen um den Erhalt des Euro willen wachsende Verelendung, höhere Steuern, Arbeitslosigkeit und eine dauerhafte Rezession beschert. 

Politiker müssen auch führen. Sie dürfen dem Volk nicht immer nur den bequemen, einfachen Weg versprechen. Deshalb war es richtig, dass die Regierungen in Frankreich, Griechenland, Italien, Spanien und Portugal ihren Bürgern klar gemacht haben, dass sie nicht auf Dauer über ihre Verhältnisse leben können und die Verschuldungspolitik der vergangenen Jahrzehnte falsch war und ihre Länder und Europas Gemeinschaftswährung an den Abgrund geführt hat.

Aber die falsche Politik der Vergangenheit durch eine zu ersetzen, welche die Bürger für ebenso fatal halten, kann keine Lösung sein. Statt jetzt die Italiener für ihre vermeintliche Dämlichkeit zu verachten, sollten die Politiker in Berlin und Brüssel endlich versuchen zu verstehen, was die Menschen im Süden der EU bewegt und in ihre Protesthaltung treibt. Die Bürger müssen nicht recht haben, ihr Votum mag sogar unvernünftig sein. Aber letztlich sind sie es, die den Kurs bestimmen. Keine Regierung kann dauerhaft gegen das Volk anregieren, jedenfalls nicht ungestraft. Politik braucht in einer Demokratie Legitimation durch Wahlen. Lehnen die Bürger den eingeschlagenen Kurs nachdrücklich ab, sollte die Politik Konsequenzen ziehen.

Leserkommentare
  1. wir tun aber schon die ganze Zeit so und müssen uns nicht wundern, verantwortlich gemacht zu werden.

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    • Ziyou54
    • 27. Februar 2013 16:04 Uhr

    dann ist der deutsche Steuerzahler dran. Angie hält das noch zurück bis nach der Wahl. Bei Rot/Grün würden wir bereits zahlen. Mit Angie besteht noch Hoffnung, dass es nicht so hart kommt.

    Deutschland ist in so fern mitverantwortlich weil die EU- und EURO-Verträge von der deutsch-französiche Achse entworfen und den anderen Mitgliedern diktiert wurden.
    Gerade aber diese Verträge sind das Problem, sie berücksichtigen nicht die natürliche Standortsvorteile und -nachteile der einezelnen Mitgliedsländern.
    Deswegen ist auch die Verleumdungskampagne gegen die Pleiteländer gestartet worden, um vom wahren Grund der Euro-Krise abzulenken.
    So werden die Opfer als Täter und Schuldige ausgemacht.

  2. Ein Land nacheinander wählt Europa ab! Menschen gehen auf die Straße um zu demonstrieren. Staatsschulden, Korruption und eine immer größer werdende Arbeitslosigkeit.

    Wann werden die gut bezahlten Minister in Brüssel aufwachen und begreifen was Sie da für ein "Europa" geschaffen haben?

    WANN????

    Verwunderlich ist dieses Wahlergebnis nicht wenn man mal die Augen aufgemacht hätte. Dieses Wahlergebnis ist lediglich eine Konsequenz der Entwicklungen in Europa.

    Und das nächste Land ist auch bald dran: In Frankreich sieht es auch nicht mehr so rosig aus.

    Weg mit Europa, Grenzen aufbauen, jedes Land seine eigenen Währung und alles auf Anfgang.

    Eine andere Lösung gibt es nicht!

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    Genau wie die Mehrheit der kommentierenden Leser der letzten Monate.
    Sie alle haben sich mittlerweile allzu gern darauf festgelegt:
    In Deutschland läuft alles rosig, nur die anderen Länder haben Probleme. Genau jetzt stellen sich hier massenweise selbstsichere Leser hin und halten sich hier offenbar für etwas Besseres.
    Klar unbestritten, die Politik vieler Nachbarländer war jahrelang Scheiße, dort wurden Dinge versäumt die bei uns als Agenda 2010 gerade nach rechtzeitig angepackt wurden.
    Trotzdem geht haben auch wir jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt, haben sehr lange Zeit unsere Waren besonders an europäische Nachbarn abgesetzt ohne denen etwas abzukaufen. Wir haben einen so enormen Handelsüberschuss aufgebaut, dass wir vollkommen mit in dem Schlamassel stecken und es uns überhaupt leisten können das unsere Schuldner pleite gehen. Eins sollte klar sein: Würden unsere ganzen Schuldner-Länder den Euro verlassen, gehen die meisten von denen bankrott, wir müssen auf enorme Zahlungen verzichten und folgen dem Strudel hinterher.
    Deshalb ist ja Politik so wichtig, die aktuell betrieben wird, der Versuch alle Schuldner-Länder im Euro zu halten dient letzten Endes vorrangig uns selbst.

    Allerdings vergessen hier viel zu viele, wie wichtig es für uns langfristig ist, aufgrund des Fehlers der deutschen Bevölkerung ausreichend Kinder zu bekommen (Demografie), die Freizügigkeit der Arbeitskräfte in Europa zu wahren und uns dann damit in 15 Jahren mit Arbeitskräften zu versorgen.

    Das sind keine Minister in Brüssel, das sind Proporz mäßig eingesetzte Beamte, Kommissare und Erbsenzähler, die nicht demokratisch gewählt wurden, diese Clique in Brüssel gehört schon lange auf den Prüftstand gestellt.

    Alles auf Anfang? Ja warum dann nicht auch weg mit den Nationalstaaten, weg mit den Ländern, weg mit internationalen Organisationen und Verträgen? Zurück zum Europa der Fürsten und Stammeshäuptlinge! Zurück zum heiligen römischen Reich und zur übermächtigen Rolle der katholischen Kirche! Und zurück zu Konflikten, Krieg und Feindschaft!

    In Asien gibt es übrigens nichts mit der EU Vergleichbares. Als Ergebnis streiten sich nun zwei regionale Großmächte (Japan und China) um ein paar nutzlose Felsbrocken im Meer und das Verhältnis ist so angespannt, dass sogar kriegerische Auseinandersetzungen nicht ganz ausgeschlossen werden (!). Aber klar, der Frieden in Europa hat nichts mit jahrelanger Verständigung und Zusammenarbeit zu tun, er ist wohl vom Himmel gefallen und andere Erdteile sowie Europa in den vorigen Jahrhunderten hatten eben einfach Pech.

    Entschuldigen Sie diesen thematischen Ausritt, aber "Alles auf Anfang" ist mich einfach ein unfassbaren zynisch.

    Ja die EU-Staaten machen vieles verdammt falsc und die überstrenge Austeritätspolitik ist katastrophal. Aber durch Abschottung und Augen verschließen machen wir alles nur noch schlimmer. Die Wirtschaft leidet auch bei nationalen Währungen, ohne gemeinsame europäische Regeln werden funktionierende Strukturen völlig zerschlagen.

    Ich plädiere dafür, gemeinsam für einen gerechteren Weg zu kämpfen (z.B. Besteuerung der gewaltigen Geldvermögen), nicht sich einfach ins nationale Schneckenhaus zurückzuziehen und abzuschotten.

    allerdings wurde genau hier ein ähnlich lautender Beitrag wegzensiert!

    • PGMN
    • 27. Februar 2013 19:39 Uhr

    Ein anderes Wort (siehe Überschrift) fällt mir zu Ihrem Kommentar schlicht nicht ein.

    Weg mit Europa? Sie meinen die Freihandelszone, die Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern mehr als die Hälfte ihres Handels beschert?

    Jedes Land seine eigene Währung? Sie wollen die Pläne nicht nur der europäischen, sondern der Weltwirtschaft über den Haufen werfen, die ihre langfristige Strategie auf die Existenz des Euro aufgebaut hat?

    Alles auf Anfang? Wie soll das denn funktionieren? Denken Sie etwa, wir hätten noch 1990, oder 1950?

    Und nicht nur naiv, sondern schlimmer (...):

    Die Grenzen wieder aufbauen? Wozu das denn? Mir fällt schlicht keine bessere Begründung ein, als dass es Ihnen missfällt, dass Sie gegen Ausländer ein grundlegendes Misstrauen hegen. Ich will nicht aussprechen, was das über Sie sagt.

    Und ihr naiver Plan ist bestenfalls der einzige Weg, der in den Abgrund führt.

    wie unglaublich viele Leserstimmen ein Beitrag erhält, der mit einer derart populistischen, realitätsfremden und geschichtsvergessenen Schlußfolgerung endet.

    Was sind wohl die Motive, einem solchen Beitrag seine Stimme zu geben? Deutschtümelei? Blanker Nationalismus? Katastrophengeilheit? Xenophobie? Oder alles zusammen?

    • NeeNich
    • 27. Februar 2013 15:09 Uhr

    Deutsches Geld als Direkthilfe für die Verschwenderländer?
    Abnicken des unbegrenzten und unkonditionierten Kaufs notleidender Süd-Anleihen durch die EZB?
    Vergemeinschaftung der Schulden, insbesondere derer Frankreichs, Italiens, Zyperns, Griechenlands, Irlands, ...?

    Ich warte ja nur darauf, dass sich Gabriel und/oder Streinbrück in diesem Sinne äussern. Das wäre eine schöne Wahlkampfhilfe für Frau Merkel, und ich wünsche mir doch so sehr, dass sie weitere vier Jahre Bundeskanzlerin bleibt. Diesen Clown Steinbrück, der Ausdruck stammt ja von ihm, möchte ich nicht haben.

    Aber sagen Sie uns erst einmal Ihre Alternativen, Greven. Danke.

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    Es ist die Sparpolitik, die die Südländer zunehmend in die politische Gestaltungslosigkeit treibt. Das als Sanierung zu bezeichnen, ist ansich schon frech genug. Dass aus solchen einseitig und fehlsichtig ausgelegten Meinungsartikeln keine vernünftigen Schlüsse gezogen werden können, zeigt auch ihr Kommentar.

    ist Helge Schneider oder Hape Kerkeling. Ich wette, dass beide einen besseren Job machen wie die selbsternannte beste Kaiserin aller Zeiten oder ein Alt-Kanzler Steinbrück. Trotzdem: Die Clownaussage ist nicht schlecht, ist mir wesentlich lieber wie hoch gestochenes Diplomatengewäsch ala Westerwelle oder Merkel...

    [Deutsches Geld als Direkthilfe für die Verschwenderländer?]

    Das Geld ist schon längst zurück. Nur hat die Masse die Schulden und einzelne weinge den Profit abbekommen. Wohin sind wohl die Rettungsgelder geflossen, wenn nicht an die Aktionäre (und deren Rendite) der Deutschen Bank und Co.?

    In Irland und den USA konnte man ganz gut sehen, welche Investoren gerettet wurden. Einzelne Bekannte tauchen da immer auf, wie zum Beispiel Allianz und Deutsche Bank.

    Genau die, die keinen Cent vom Staat beantragen mussten....

    (Hätten die europäischen Steuerzahler nicht hier eingesprungen, wäre die Deutsche Bank, Allianz und Co. über den Jordan spaziert.)

    • jwiemer
    • 27. Februar 2013 17:39 Uhr

    ...ansonsten wird in den Foren und leider auch häufig in der Zeit selber der Eindruck erweckt, es gäbe einen gangbaren alternativen Weg anders als Reformen und "Haushalt in Ordnung bringen".
    Was hat denn nach Meinung des Autors der ital. Bürger faktisch gewählt/gewollt ? 200% BIP Verschuldung in ein paar Jahren incl. Eurobonds? Überweisung des Fehlbetrages aus D? Erwirtschaftet von wem ?
    Manche der Foristen wünschen sich hier astronomische Steuern in D um das Geld dann wem zu geben ? Nach Italien, damit diese sich nicht ändern müssen ? Abwürgen der Konjunktur / Exportüberschuss in D? Im Ernst ?
    Man mag über die Geschwindigkeit des notwendigen Wandels (und ggf. Frau Merkel) streiten können, aber solange ein Artikel (18) z.B. des ital. Rechts auch unter Monti sakrosankt ist, der neue Firmen über 15 Mitarbeiter in I quasi verunmöglicht, hat I nur das Wolkenkuckucksheim gewählt und keinerlei reale Alternative.
    Wenn diese Verwirrung und Blockade in der EU mehrheitsfähig wird, ist Europa gegenüber Asien (und wahrscheinlich auch USA) am Ende.

    Keine Bankenrettung in den 'Verschwenderländern'. Gläubiger dieser spanischen, griechischen und isländischen Banken müssen für ihr Risiko mithaften und schwupps, haben Sie ihre auszugebenen Steuergelder im eigenen Land für die deutsche Bankenrettung wieder flüssig zu machen.
    Staatsschuldenkrisen dieser Länder sind die sozialisierten Bankenrisiken, die die privaten Gläubiger nicht bereit sind selbst zu tragen.
    Wenn also Sie ganz persönlich bei den CDS mitgemischt haben, indem sie sich auf hochriskante Kreditgeschäfte eingelassen haben, bzw. auf deren Optionshandeln, retten Sie sich persönlich dadurch, indem sie diese 'Verschwenderländer' unterstützen usw.

    Wo sind denn die ganzen Anleger hier, die privaten, die 'Kleinen', die sich diese windigen Geschäfte haben andrehen lassen? - will es niemand gewesen sein?

    vergessen werden, daß nach Meinung von SPD und Grünen Frau Dr. Merkel viel zu wenig in den Süden schickte!

    • Marobod
    • 27. Februar 2013 15:09 Uhr

    Ich finde es generell ein wenig fatal, daß man sich dieser Politik ueberhaupt solange verschrieben hat.

    Banken haette man nicht retten muessen, siehe Island, auch die Gemeinschaftswaehrung , zwar eine nette Idee, war nicht das Gelbe vom Ei, man merkt es seit Jahren, den Buergern geht es seit der EInfuehrung des Euro immer schlechter, durch die Politik der letzten Jahre, wird dem Volk auch noch zusaetzlich geld aus den Taschen geleiert und viele Moglichkeiten ,sein geld zu vermehren zerstoert (Zinspolitik)

    Leider habe ich das Gefuehl, daß wir so weiter fahren , selbst wenn nicht die Theatergruppe von Schwarz-gelb sondern die Gruppe aus Rot-Gruen regieren,das Stueck bleibt das Gleiche, die Schauspieler wechseln die Rollen.

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    • kai1
    • 27. Februar 2013 15:24 Uhr

    ...der Wähler - der angebliche "Souverän" - entscheidet sich nur mehrheitlich dafür, unter Verleugnung der besorgniserregenden finanzpolitischen Realitäten diejenigen zu wählen, die diese Realitätsverweigerung unter dem populären hohlen Wortgeklingel der "sozialen Gerechtigkeit" in Tagespolitik umzusetzen versprechen.
    Wenn überhaupt, rangiert dabei der nüchterne Aspekt der Finanzierbarkeit unter "ferner liefen".

    • HeidiS
    • 27. Februar 2013 16:11 Uhr

    wird dieses Mantra nicht so oft wiederholt, dass man gar nicht die Zeit und Energie hat, auch einmal über andere Wege einfach mal nachzudenken? Oder gibt es da schon längst Denkverbote? Mielke hatten wir schon einmal.

  3. Es sei doch mal in Erinnerung gerufen, wem wir der ganzen Schlammassel zu verdanken haben. Das ist die grundlegende falsche europäische Währungspolitik, die nur funktioniert, wenn man mit brachialen Fiskalpakt-Maßnahmen die europäischen Völker ihrer kulturellen und lebensbestimmenden Grundlagen beraubt. Wir hätten ja ohne Euro und mit den herkömmlichen Währungen die ungehemmte und heute als Übel empfundene Ausgabenpolitik und die Ruineninvestitionen gar nicht gehabt.Der heutige technokratische Versuch, die unterschiedlichen europäischen Kulturen zu einem effizienten Einheitsbrei zu formen, öffnet Tor und Tür für Resignation, aber auch für Aufbegehren und revolutionäre Entwicklungen.

    Revolutionäre Entwicklungen mögen gut sein und können helfen,geschichtsvergessene Technokraten aus Ämtern zu jagen. Gleichzeitig ist aber die Gefahr gegeben, dass sich wiedermal sogenannte Diktatoren aus dem Volk aufschwingen um noch Schlimmeres anzurichten.

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    Dass das alles von denen bezahlt wird, die am wenigsten davon haben, versteht sich von selbst.

    Mit etwas Abstand ist es geradezu belustigend zu sehen, wie jedes Zuckerchen am Finanzmarkt schwubsdiewups von unserer Qualitätspresse so uminterpretiert wird, wie es der Geldelite und den politischen Erfüllungsgehilfen in den Kram passt.

    Bis heute wird ignoriert, dass nicht die Sparpolitik die Zinsen hat sinken lassen, sondern Draghis Bazooka - die Ankündigung bei Bedarf beliebig Staatsanleihen aufzukaufen.

    Wenn die Zinsen auf die Italien-Wahl reagieren, dann einzig deswegen, weil abzusehen ist, dass sich die schwäbische Hausfrau bald wieder mit Aussprüchen zu Wort melden wird wie: Italien darf kein Geld von der EU erwarten, wenn es nicht das tun, was die schwäbische Hausfrau als richtig ansieht.

    Die Zinsen sind dort niedrig, wo die Rückzahlung gewährleistet ist. "Dem Markt" ist egal, ob das durch eine leistungsfähige Wirtschaft geschieht (die in Italien, Spanien, Griechenland seit Monaten, teils seit Jahren schrumpft) oder durch eine Zentralbank, die ihre Aufgaben kennt und wahrnimmt.

    Ganz Europa ist derzeit Opfer einer menschenfeindlichen Ideologie, die dabei ist großflächig Industrieleistung zu erlahmen und stillzulegen.

  4. Wirtschft muss dem Menschen dienen.
    Geld muss dem Menschen dienen.
    Wirtschaft muss dem Menschen ein gutes Leben geben.
    Ein gutes Leben ist ein Menschenrecht und z.B. Hartz4 ist ein Kapitalverbrechen. 40 Stunden sind Zeitdiebstahl. Es ginge auch mit weniger.
    Wer Geld anbetet und wie heute üblich über den Menschen stellt gehört bei Wasser und Brot in den Knast.
    Wer Geld mehr als nötig hortet gehört enteignet. Warum z.B. müssen die Albrechts die reichsten auf dem Friedhof sein. Wenn die mal 40 Milliarden an uns/Staat abgeben kann viel gutes damit geamcht werden und die hätten immer noch 40 Milliarden über.
    Krieg muss als das geächtet werden was es ist. Die Geisel des Kapitalismus. Wieviele Milliarden wurden schon durch den
    Tod von Millionen erziehlt?
    Der Mensch zuerst, die Wirtschaft zu letzt.
    Wir wollten das Paradies schaffen und haben uns die Hölle hergeholt.

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    • NeeNich
    • 27. Februar 2013 15:19 Uhr

    ... Ihr Kommentar. Von den ganz Wehleidigkeiten einmal abgesehen, zeigen Ihre Worte, dass Sie nicht wissen, worüber Sie schreiben.

    Oder glauben Sie, dass die "Aldis" die 40 Milliarden (oder wie viele auch immer) auf dem Konto rumliegen haben? Mitnichten. Die sind überwiegend in's Geschäft investiert.

    Folgt man Ihren Worten, dann müsste der Staat dieses Vermögen in Form von Betrieben übernehmen. Resultat wäre, dass Aldi dann kein Discounter mehr wäre, sondern - zumindest vom Preis her - Luxusanbieter. Der Staat kann das nicht! Aber das werden Sie und Ihresgleichen nie lernen (wollen).

    wäre doch gut!!!!
    Der Staat, als wir die Bürger, haben doch z.B. mit der Telekom Einkommensmöglichlkeiten für den Staat, also Einkommen für uns um z.B. Schulen und Schwimmbäder zu sanieren, abgeschaft. Dieses Volkseinkommen haben sich bescheidene Kapitalisten angeeignet.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/se

    Kritik an der Moderation richten Sie bitte an community@zeit.de. Danke, die Redaktion/se

    Da haben sie aber gehörig in die Tasten gegriffen, lieber Pistepirkko. Das ist sortenreine kommunistische Ideologie, die ins totale Desaster und in den Untergang der Gesellschaft führen würde. Ein erfolgreicher Unternehmer hat die Knete nicht im Weinkeller versteckt, sondern in seiner Firma gebunden und mit nicht unerheblichen Risiken behaftet! Diese ewigen Romantiker sterben doch nie aus.

    Viele der Antworter auf Ihrem Kommentar halten sich prompt für schlauer.
    So von wegen hey, wenn das so einfach wär, wieso haben wir unseren Super-Milliardären dann nicht längst Einhalt geboten. Nee, das geht schon in Ordnung, die haben ihr Geld redlich verdient, und benutzen es auch nur zum Wohle aller.

    Klar.

    http://www.ftd.de/politik...
    Hier, die reichsten 10% der deutschen Privathaushalte besitzen 53% des Vermögens. Die ärmeren 50% besitzen nur 1%. Was sagen unsere Neunmalklugen zu diesen Zahlen?

    Ich bin weder linksradikal noch sonst irgendwas. Aber als jemand mit gesundem Menschenverstand sage ich, das geht nicht mit rechten Dingen zu. Das ist Wahnsinn.

    Wenn ich Diskussionen lese wie, ob Leute wie der 6-Mrd schwere Plattner die Hälfte (Ha!) ihres Vermögens spenden sollten, kann ich wirklich nur den Kopf schütteln über die Verblendung der Anhänger unseres ungezähmten Marktes.
    Was spricht denn bitte dagegen, dass diese Leute, sagen wir, Steuersätze von 90% oder mehr zahlen? Dann kommen wir gar nicht erst in solche Miseren, in der Europa jetzt ist. Das wär auch verdammt nochmal kein Kommunismus, sondern soziale Marktwirtschaft.

    Aber nein, wir haben ALLE über unsere Verhältnisse gelebt, und wir müssen eisern sparen, um die Zinserträge unserer 6-Mrd-Leute zu sichern.

    Bei dieser großen Zahl an „Empfehlungen“ für diesen Kommentar kommt man ins Grübeln. Nun kann das daran liegen, dass die hier versammelte linksliberale Leserschaft der ZEIT keinen repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung darstellt. Gleichwohl beginne ich langsam, mir Sorgen zu machen.

    Das mit dem „Paradies“ hat man in den untergegangenen sozialistischen Ländern ja schon mal angestrebt. Der Ausgang ist bekannt. Und nun wollen die schon wieder ein „Paradies“!?

    • gom
    • 27. Februar 2013 15:11 Uhr

    Ich unterstütze jeden, der das jetzige EU und Euro abwickelt!

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    "Wahlalternative 2013" - einfach mal googeln

  5. Stellen Sie sich vor, sie kaufen ein Familien-Auto und stellen fest, der Motor bewegt nicht die Räder, sondern das Lenkrad.

    Was machen Sie? Machen Sie den Kauf rückgängig oder lassen Sie das Auto neu konstruieren (Kardanwelle anstatt mit Lenkrad mit Rädern verbinden)?

    Oder kommen Sie auf eine ganz verwegene Idee? Sie behalten das Fahrzeug setzen sich tagein, tagaus mit ihrer Familie vor ihrem Haus ins Auto, starten, geben Gas und beobachten das drehende Lenkrad?

    Genau die letzte Alternative passiert zurzeit. Das Auto ist Europa, der Motor die Wirtschaft und das Währungssystem ist die Kardanwelle. Sie und ihre Familie sind das Volk und der Kaufpreis eine Investition in die Zukunft Europas.

    Funktioniert? Ja, man muss es den Menschen nur erklären, wie unsere klugen Euro- und Friedensprojekt-Konstrukteure und ihre medialen Hofberichterstatter so schön sagen.

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    wie 17 sich technisch teils grundlegend unterscheidende Kardanwellen nun tatsächlich auf die Wirtschaft eines Euro-Wirtschaftsraumes übertragen lassen. Sie begehen einen Denkfehler, Sie gehen von einer Kardanwelle aus, sind aber deren 17 und jede macht was sie will.
    Rhetorik gut drauf , aber lebensfremd.

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