Parlamentswahl : Geringe Wahlbeteiligung in Italien

Am ersten Tag der Parlamentswahl gab nur die Hälfte der Italiener ihre Stimme ab. Favorit ist der Sozialdemokrat Bersani – gegen Berlusconi demonstrierten Feministinnen.
Vor einem Wahllokal in Rom © Franco Origlia/Getty Images

In Italien geht am Nachmittag die zweitägige Parlamentswahl zu Ende. Erste Hochrechnungen und Ergebnisse werden unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 15 Uhr erwartet. Die mit Hochspannung erwartete Wahl hatte am Sonntag mit einer stark gesunkenen Beteiligung der Wähler begonnen. Bis 22 Uhr gaben nur 55,18 Prozent der etwa 50 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimmen für das Abgeordnetenhaus ab, meldete die Tageszeitung La Repubblica. Bei der letzten nationalen Wahl 2008 hatte die Beteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei 62,55 Prozent gelegen.

Schnee im Norden und Regen im Süden des Landes könnten viele Bürger davon abgehalten haben, bereits am ersten Tag abzustimmen, spekulieren italienische Medien. Die Parlamentswahl wurde leicht vorgezogen und findet damit, für Italien unüblich, im Winter statt.

Als Favorit gilt das Mitte-Links-Bündnis mit Spitzenkandidat Pier Luigi Bersani. Die Bewegung "Fünf Sterne" des Komikers Beppe Grillo und das Mitte-Rechts-Lager des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dürften sich ein Rennen um den zweiten Rang liefern. Das Bündnis der Mitte des scheidenden Regierungschefs Mario Monti wird wahrscheinlich abgeschlagen zur viertstärksten Kraft werden. Dies könnte eine Koalition für eine stabile Regierungsmehrheit erschweren, sollte ein Bündnis notwendig sein.

Monti wählte am Sonntag früh in Mailand, äußerte sich vor den Journalisten jedoch nicht. Bersani gab seine Stimme in Piacenza ab. Berlusconi wählte in Mailand. Dort begrüßten ihn drei Frauen der feministischen Bewegung Femen mit nackten Oberkörpern und riefen "Basta Berlusconi!" (Schluss mit Berlusconi). Sie wurden abgeführt. Berlusconi hatte am Samstag die Regel gebrochen, wonach die Wahlkämpfer am Tag vor den Wahlen schweigen, und neuerlich Italiens Justiz attackiert, von der er sich verfolgt fühlt.

Reformer gegen Europa-Skeptiker

Finanzmärkte und europäische Politiker hoffen überwiegend auf eine Koalition Bersanis mit Monti, die beide den eingeschlagenen Reformkurs fortsetzen wollen. Dem im Weg stehen könnte der Linksaußen des Mitte-Links-Bündnisses, Nichi Vendola. Berlusconi und Grillo vertreten hingegen deutlicher eine europakritische Haltung.

Die Wahl hat sowohl für das Krisenland Italien als auch für den gesamten Euro-Raum erhebliche Bedeutung: Die drittgrößte Volkswirtschaft der Währungsunion braucht eine stabile Regierung, um die tiefe Rezession hinter sich zu lassen. Angesichts eines möglichen Patts zwischen unterschiedlichen Mehrheiten im Abgeordnetenhaus und im Senat wird die Unregierbarkeit des Landes befürchtet.

Der parteilose Regierungschef Mario Monti war im Dezember zurückgetreten. Staatschef Giorgio Napolitano hatte daraufhin das Parlament aufgelöst.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

37 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Völlig ...

>> Das sollte die No-Bailout-Klausel für die Haushalts- und Geldpolitik in den Euro-Staaten sicherstellen. ESM und Fiskalpakt untergraben aber die Demokratie in den Euro-Staaten, bringen die Völker gegeneinander auf. <<

... unsinnigerweise werden die Völker gegeneinander aufgebracht, wo sie sich doch eigentlich gegen die Profiteure verbünden sollten:

"Die Geretteten sitzen - anders als häufig vermittelt und von vielen angenommen wird - nicht in den ärmeren Eurostaaten, sondern hauptsächlich in Deutschland und Frankreich. Ein großer Teil des Geldes landet nämlich bei den Gläubigern der Banken, die gerettet werden wollen oder müssen."
http://www.arte.tv/de/sta...

TV-Tipp: Staatsgeheimnis Bankenrettung, Dienstag abend auf ARTE