Parlamentswahl : Wie konnten die Italiener so dämlich sein?
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 Die Italiener haben für Reformen gestimmt

Ich sehe viele junge Menschen, die ziellos durch die Straßen zu streifen scheinen. Ihre Miene ist finster. Sie genießen die Sonne nicht. Arbeitslos zu sein ist in der Wirtschaftshauptstadt Italiens eine Schande.

Viele meiner Freunde haben in den vergangenen Jahren ihre Arbeit verloren. Viele mussten zurück zu den Eltern ziehen – nicht, weil es ihnen im Hotel Mama gefällt, sondern aus Not.

Montis Sparmaßnahmen haben eine bereits schwierige Situation noch schlimmer gemacht. Die Arbeitsmarktreform hat bisher keine neuen Arbeitsplätze geschaffen. Die fortdauernde Kreditklemme zwang viele Unternehmen in die Knie. Dabei wurden etwa 400.000 Arbeitnehmer gezwungen, in Frührente zu gehen. Die Rentenreform verschob allerdings gleichzeitig das Renteneintrittsalter. So blieben diese sogenannten Esodati (die Abgeschobenen) ohne Einkommensquelle. Im Radio erzählt einer von ihnen, dass er sein Haus verloren hat und jetzt in einer Notunterkunft lebt.

Dramatische Berichte in den Medien haben den Eindruck verstärkt, dass mein Land langsam verelendet. Die Italiener fühlen sich immer unsicherer. Wer kann unter diesen Umständen schon an den globalen Kontext denken und entsprechend wählen? Silvio Berlusconi und Beppe Grillo hatten keine Schwierigkeiten, Europa und vor allem Deutschland für die Misere des Landes verantwortlich zu machen statt hausgemachter Politik.

Deshalb lässt sich das Wahlergebnis auch anders interpretieren: Die Italiener haben sich eben nicht von Europa abgewendet. Sie haben der strengen Sparpolitik, die ihnen von der EU aufgedrängt wurde, eine Absage erteilt. Die italienische Krise könnte die EU nun zwingen, in der Haushaltspolitik umzudenken. Oder zumindest, die hohen gesellschaftlichen Kosten dieser Politik wahrzunehmen.

Hätte ich diesen Text am Wahltag geschrieben, hätte ich geschrieben, dass es für Italien keine Hoffnung mehr gibt. Jetzt versuche ich, die Lage positiv zu betrachten. Der Erfolg von Beppe Grillos Fünf-Sterne-Bewegung zeigt: Viele Italiener wünschen sich eine radikale Erneuerung der politischen und wirtschaftlichen Institutionen des Landes.

Es sind zwar die Institutionen, die im Namen privater Interessen das Land in eine wirtschaftliche und gesellschaftliche Stagnation versinken ließen. Deshalb kann sich niemand vorstellen, dass eine Reform kurzfristig gelingen wird. Alle Parteien werden allerdings ab jetzt mit diesem Wunsch rechnen müssen.

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